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Wie eine Online-Ausstellung den Klimawandel begrenzen will | BR24

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Bildrechte: Arko Datto / Goethe-Institut

Unter dem Titel "Take Me to the River" zeigt die Online-Ausstellung 15 Arbeiten aus Ägypten, Ecuador, Kolumbien, Mexiko, dem Kongo und anderen Ländern.

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Wie eine Online-Ausstellung den Klimawandel begrenzen will

Eine Ausstellung als Weckruf: Das Goethe-Institut wirft in einer Online-Schau künstlerische Schlaglichter auf die Klimakrise und die Rolle des Mensch dabei. Die Grundstimmung ist optimistisch: Tun viele das Richtige, ist es noch nicht zu spät.

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Von
  • Oliver Kranz

Was ist für dich ein lebendiger Wald? Der ecuadorianische Künstler Misha Vallejo erklärt es in einer Pantomime. Er atmet tief ein, pflückt imaginäre Früchte, lächelt. Dann deutet er an, wie mit der Motorsäge ein Baum gefällt wird, und wischt sich Schweißperlen aus der Stirn. Ohne Schatten wird es heiß. Die Szene gehört zu einem Film, der die Lebensweise des Volkes der Kichwa im ecuadorianischen Regenwald dokumentiert. Die Ausstellung "Take me to the river" präsentiert Kunstprojekte, die sich mit dem Verhältnis des Menschen zur Natur auseinandersetzen.

Julia Tieke ist an den Stadtstrand der pakistanischen Hauptstadt Karachi gereist, hat Geräusche aufgenommen und Interviews geführt: "Der Abschnitt, mit dem wir uns beschäftigt haben, hat auch den Namen 'Strand der armen Leute'. Man findet auch andere, aber es ist eher der für alle zugängliche billige Strand mit Vergnügungen wie Kamelreiten, Tee trinken, Aufs-Meer-kucken."

40 Stunden Tonmaterial haben Julia Tieke und ihre pakistanische Kollegin Yaminay Chaudhri aufgenommen, um es auf der Website "Karachi Beach Radio" zu präsentieren. Es geht um Alltagsgeschichte, aber auch um Infrastrukturprojekte, die das Strandleben verändern werden. Es gebe große Bauprojekte, sogenannte Entwicklungsprojekte am Strand, wo mit internationalen Baufirmen, die dort investieren, Land aufgeschüttet werde und die Ökologie des Strandes verändert werde, sagt Tieke. Das habe auch soziale Auswirkungen, zum Beispiel auf Fischer.

Kunstwerke über das Verhältnis Mensch-Natur

Einige müssen ihre Häuser verlassen, weil durch die Landaufschüttungen der Meeresspiegel steigt, andere klagen über verlängerte Wege zu den Fanggebieten. Wer hat das Recht, fragen sie, so gravierend in die Meeresökologie einzugreifen? Diese Frage interessiert auch Maya El Khalil, die Kuratorin der Ausstellung "Take me to the river": "Wir Menschen können nicht unabhängig von der Natur existieren. Wir müssen also aufhören, unsere Lebensgrundlagen zu zerstören. Die Ausstellung versucht, dieses Thema in seiner ganzen Vielseitigkeit zu diskutieren."

© Misha Vallejo / Goethe-Institut
Bildrechte: Misha Vallejo / Goethe-Institut

Misha Vallejo, aus der Serie "Secret Sarayaku", Fotografie 2019.

Maya El Khalil hat die Ausstellung in fünf Kapitel gegliedert. Das erste erzählt von Natur als Rechtspersönlichkeit. Gezeigt wird ein Film über den Rio Atrato in Kolumbien, dem vom Verfassungsgericht des Landes das Recht auf "Schutz, Konservierung, Instandhaltung und Restaurierung" zugesprochen wurde: "Es werden Verantwortliche für diesen Fluss eingesetzt, die im Sinne des Flusses agieren und auf diese Rechte zurückgreifen können", erklärt Sima Reinisch vom Goethe-Institut. Der Fluss ist durch den Abbau von Gold und Platin geschädigt. Die Lebensgrundlagen der indigenen Völker, die an den Ufern siedelten, wurden zerstört. Deshalb wird der Atrato auch im nächsten Ausstellungskapitel erwähnt, in dem es um Umweltschäden geht.

Eine Ausstellung als Weckruf

"Wir brauchen definitiv ein neues ökonomisches System", ist Maya El Khalil überzeugt. Das System, dass wir jetzt haben, setze auf Konsum und die übermäßige Ausbeutung der Natur. "Der Reichtum kommt aber nur wenigen zugute. Die Konzerne werden immer mächtiger, Staaten ziehen sich zurück, Sozialleistungen werden abgebaut. All das können wir jetzt schon spüren." Deshalb will Kuratorin Maya El Khalil die Ausstellung als Weckruf verstanden wissen.

Im letzten Kapitel werden Projekte vorgestellt, die darauf abzielen, Umweltschäden zu reparieren. Der Mexikaner Gilberto Esparza zum Beispiel hat eine Prothese für Korallenriffe entwickelt. "Das sind bewegliche Keramikstrukturen, die in der Lage sind, mithilfe der Meeresströmung Strom zu erzeugen" erklärt Sima Reinisch. Und weiter: "Infolge elektrolytischer Prozesse scheiden sich dann auf diesen Strukturen Magnesium- und Kalziumminerale ab, sodass das Wachstum der Korallen beschleunigt wird."

Die Erde steuere also nicht zwangsläufig auf eine Katastrophe zu. Die digitale Schau soll nicht Angst machen, sondern Mut. Der Klimawandel kann auf ein erträgliches Maß begrenzt werden, wenn viele Menschen in vielen Ländern das Richtige tun. Die Ausstellung, so das Kuratoren-Team, will Denkanstöße liefern – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die Ausstellung finden Sie im Internet unter www.takemetotheriver.net

© Arko Datto / Goethe-Institut
Bildrechte: Arko Datto / Goethe-Institut

SHUNYO RAJA (Kings of a Bereft Land) Arko Datto, Where Do We Go When The Final Wave Hits, Fotografie 2018.

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