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Wie ein Pfarrerspaar seinem Dorf neues Leben einhaucht | BR24

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Ellen und Knut Meinel gehen durch Thierstein in Oberfranken

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    Wie ein Pfarrerspaar seinem Dorf neues Leben einhaucht

    Als Ellen und Knut Meinel nach Thierstein in Oberfranken ziehen, hat der letzte Bäcker gerade dicht gemacht. Das Dorf wirkt trist und verlassen. Doch das Pfarrerehepaar hat eine Vision: Es soll wieder Leben ins Dorf kommen – keine leichte Aufgabe.

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    "Es war einfach deutlich, dass der Ortskern ausgestorben war, die Menschen sind sich nicht mehr begegnet", erzählt Knut Meinel. Für ihn und seine Frau war das Ankommen in Thierstein an der tschechischen Grenze eine ungewohnte Erfahrung. "Ich bin mit dem Kinderwagen durch den Ort gegangen und habe echt niemanden getroffen", sagt Ellen Meinel. "Ich habe gedacht: Das kann nicht sein! Warum ist hier niemand auf der Straße, was machen die alle?"

    Ist das Dorfleben noch zu retten?

    Das neue Pfarrerehepaar will das Dorf wieder beleben. Ihre erste Idee: Thierstein bräuchte einen Dorfladen und ein Café. Fast alle Geschäfte in Thierstein haben Pleite gemacht. Wären die Bürger bereit für ein großes gemeinsames Projekt, einen Laden, den sie selbst finanzieren? Und würden sie Lebensmittel kaufen, die teurer sind als im Discounter?

    Um den Dorfladen zu finanzieren, müssen die Einwohner Anteile daran kaufen. Lange weiß niemand, ob dieser Plan aufgeht, ob genug Geld zusammenkommt, ob sich genug freiwillige Helfer melden. Einige Bewohner sind skeptisch. "Die haben immer gesagt: Ihr werdet das nicht schaffen, nach einem Jahr ist der Laden wieder dicht, das wird den Bach runtergehen", erinnert sich die Thiersteinerin Andrea Schnurrer, die sich auch am Projekt beteiligt.

    Der lange Weg zum Dorfladen

    Immer wieder gibt es neue Arbeitskreise für den Dorfladen – und neue Hürden. "Es war zwischendurch sehr frustrierend", erzählt Ellen Meinel. Immer wieder steht ihr Vorhaben kurz vor dem Aus, die Einwohner sind sich nicht einig, manche Unterstützer ziehen sich wieder zurück. "Da gab es Spannungen zwischen den Leuten. Die einen sagten, wir wollen es einfach ausprobieren, die anderen sagten: Lass uns mal langsam machen." Auch für Andrea Schnurrer wird der geplante Dorfladen zur Belastung. "Mein Mann hat zu mir gesagt: Wie willst du das noch weitermachen? Hältst du das nervlich durch?"

    Nach endlosem Planen, Rechnen und Reden wird aus der alten Sparkasse ein Dorfladen. Am Ende kommt sogar mehr als doppelt so viel Geld von den Bürgern zusammen, als erwartet. Andrea Schnurrer ist nun eine der Geschäftsführerinnen. Sie arbeitet ehrenamtlich hier, wie 13 andere Frauen. Das Café bestücken sie mit ausrangierten Kirchenbänken, Möbel und Käsetheke bekommen sie geschenkt. Für Andrea Schnurrer und das Ehepaar Meinel hat sich das Engagement gelohnt: Der Dorfladen wird gut angenommen.

    "Die ganze Dorfgemeinschaft ist viel mehr zusammengewachsen. Mit Leuten, die man früher kaum draußen getroffen hat, kommt man jetzt ins Gespräch, weil sie hier im Café sitzen. Thierstein hat sich unheimlich verändert, seit es den Dorfladen gibt." Andrea Schnurrer

    Seniorenfrühstück und Jugend-WG

    Nach dem Erfolg mit dem Dorfladen möchte Pfarrerin Ellen Meinel noch mehr im Ort verändern. Sie wünscht sich weitere Treffpunkte für junge und ältere Leute. In die renovierte Pfarrscheune lädt sie Senioren zu einem gemeinsamen Frühstück ein. Wieder gibt es Zweifel an der Idee. "Am Anfang hieß es, das wird nie funktionieren", sagt Ellen Meinel, "die müssen ihre Medikamente nehmen und können nicht ohne Frühstück aus dem Haus gehen. Ich habe gesagt, wir wollen es mal versuchen." Inzwischen ist das Pfarrscheunen-Frühstück ein regelmäßiger Lichtblick für rund 40 Senioren.

    Nicht jede Idee funktioniert auf Anhieb. Im Obergeschoss der Scheune sollte eine Jugend-Wohngemeinschaft auf Zeit entstehen. Ellen und Knut Meinels Tochter Alena hat auf 15 Jugendliche gehofft. Doch jetzt sind zu viele wieder abgesprungen. "Es wird wahrscheinlich abgesagt, weil das ist einfach zu viel Aufwand für so wenig Leute." Doch vielleicht wird irgendwann die Zeit auch dafür reif sein. Schon jetzt hat sich viel verändert: Es ist wieder Leben nach Thierstein gekommen.

    Mehr vom Dorf sehen Sie am 17. Juli um 19 Uhr in STATIONEN im BR Fernsehen oder anschließend in der BR Mediathek.