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Wie Dominique Horwitz in Würzburg "Ariadne auf Naxos" inszeniert | BR24

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Dominique Horwitz bekannt aus zahlreichen Tatorten, aber auch als Buchautor und Chansonier, hat sich an eine Operninszenierung gewagt: Im Würzburger Mainfrankentheater führt er jetzt Regie bei "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß.

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Wie Dominique Horwitz in Würzburg "Ariadne auf Naxos" inszeniert

Zuerst fallen die Künstler übereinander her, dann verständigen sie sich auf ein Miteinander: Richard Strauss zeigt in seiner Oper den Gegensatz von "hoher" und populärer Kunst. Ein Gespräch mit dem prominenten Regisseur über den "Sieg der Liebe".

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Der reichste Mann in Wien, der ist fest entschlossen, mal so richtig Spaß zu haben. Also leistet er sich ein Abendessen, eine Oper, eine Komödie und ein Feuerwerk und lädt sich dazu jede Menge Gäste ein. Neureicher Pomp wird da vorgeführt, und die geschockten Künstler, die müssen sich wohl oder übel damit abfinden. Am Mainfrankentheater in Würzburg ist diese Oper, "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauss, nach langer Zeit jetzt ab Samstag wieder zu sehen, und zwar neu inszeniert vom fernsehbekannten Regisseur, Schauspieler und Sänger Dominique Horwitz. Peter Jungblut sprach mit ihm für die Sendung kulturLeben auf Bayern 2.

Peter Jungblut: Herr Horwitz, ein Neureicher ohne Geschmack und ohne Stil will es mal richtig krachen lassen. Wie sieht das dann bei Ihnen auf der Bühne aus?

Dominique Horwitz: Die Oper hat zwei Hälften. Die eine Hälfte beschreibt, wie diese beiden Theatertruppen, die bestellt worden sind, wobei die eine gar nichts von der Existenz der anderen weiß - das ist schon das große Problem – eintreffen. Dann steigert sich das durch die Ansage, dass dieser neureiche Ignorant aus Zeitgründen entschieden hat, beide Stücke, also die ernsthafte Oper Opera Seria mit der Opera Buffa zu verknüpfen. Alles soll zum gleichen Zeitpunkt stattfinden, damit ja dieses wunderbare, wichtige Feuerwerk pünktlich beginnen kann. Bei uns das ist ein Außenraum, letztlich Freifläche, im Gegensatz zum zweiten Teil, der einen Innenraum beschreibt.

© Nik Schölzel/Mainfrankentheater Würzburg

Es geht also doch!

Man sieht also zunächst die Vorbereitungen, die wilden und chaotischen Vorbereitungen zu dem Fest, die Auseinandersetzungen zwischen den Künstlern, die gar nicht wissen, wie ihnen geschieht.

Man muss auch sagen, die leider wenig Respekt füreinander empfinden und gar keine Lust, keine rechte Lust haben, sich die Bühne zu teilen.

...und im zweiten Teil sieht man dann eigentlich, wie wunderbar das klappen kann. Hat da der Neureiche nicht am Ende vielleicht sogar Recht, denn Richard Strauss zeigt ja: Es geht.

Richtig! Das ist vielleicht eine Schwäche des Stücks, dramaturgisch, weil man sich sagt, naja, man muss es halt nur machen. Kinder, stellt euch nicht so an, geht doch alles! Wir denken im Regieteam, dass das, was Bühnenkünstler ausmacht, dieses Kämpferische ist. Der Wille, auf jeden Fall die Vorstellung, den Abend zu retten, so unterhaltsam fürs Publikum, wie es nur geht und dass man es im Zweifel miteinander schafft, auch wenn man gar keine Lust darauf hat. Das ist ein Plädoyer für das Miteinander und letztlich würde ich sagen, die große Klammer des Stücks ist die Musik, die Kunst, die Botschaft, die Liebe siegt, sie siegt immer. Das ist unsere Auffassung, unsere Lesart.

Herr Horwitz, Sie stehen und standen selbst häufig auf der Bühne, als Schauspieler als Sänger, Sie haben gedreht. Sind Ihnen solche Ignoranten, solche Neureichen, die meinen, sich alles leisten zu können und sich entsprechend benehmen auch mal selbst begegnet? Haben Sie da persönliche Erfahrungen gesammelt?

Nein, noch nie, aber eine andere Sache hat mich doch erstaunt, oder ich war schockiert, anders kann ich kann es gar nicht sagen. So ein russischer Oligarch, ich weiß gar nicht, wer, hat für Millionen, ich glaube, George Michael eingeladen. Zigmillionen, damit der auftritt! Ich war wirklich schockiert, nicht, weil ich es einem einzelnen Künstler nicht gönne, aber ich finde es merkwürdig und abstoßend. Ich glaube nicht, dass das ein neuer Aspekt unserer Zeit ist, das gab's wohl immer.

© Nik Schölzel/Mainfrankentheater Würzburg

Märchenhafte Theaterwelt

1911 haben Richard Strauss und Hugo von Hofmannsthal diese Oper begonnen, weit mehr als hundert Jahre später kann man doch eigentlich sagen: Die Verhältnisse, sie sind immer noch so, da hat sich wenig geändert.

Exakt so ist es! Das ist ja das Gute, ich glaube diese Oper wird auch nicht alt.

Humor in der Oper, witzig sein, lustig sein, eine Satire auf die Bretter zu bringen, das ist ja gar nicht so einfach. Tragödie geht in der Oper sehr viel leichter, sehr viel einfacher. Teilen Sie diese Ansicht? Ist es wirklich schwer, diesen doch musikalisch sehr schwergewichtigen Richard Strauss mit einer gewissen Leichtigkeit, vielleicht sogar mit Heiterkeit, auf die Bühne zu bringen?

Unser Bestreben war das Theater, das Schauspiel in diese Oper hinein zu bringen. Ich hatte das große Glück, dass dieses Ensemble wirklich fulminant und geradezu spielwütig ist und es für mich eine große Lust war, aus der Oper ein Theaterstück zu machen. Ich glaube, wir sind auf dem besten Wege dorthin.

Sie sind als Sänger unterwegs, als Schauspieler. Was reizt Sie an der Regiearbeit?

Ja, gute Frage. Ich finde es faszinierend. Wenn man eigene Gesangsabende oder Musikabende oder Melodramen gestaltet, ist die Aufgabe relativ klar umrissen. Beim Regieführen einer Oper sind die Freiräume einfach viel größer und ich glaube, dass das, was mich ausmacht, auch als Schauspieler, nämlich eine gewisse Musikalität, das das am besten zum Ausdruck kommt durch diese Tätigkeit.

Premiere am Samstag, dem 26. Januar im Mainfrankentheater Würzburg. Weitere Termine 2., 6. und 9. Februar.

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Dominique Horwitz bekannt aus zahlreichen Tatorten, aber auch als Buchautor und Chansonier, hat sich an eine Operninszenierung gewagt: Im Würzburger Mainfrankentheater führt er jetzt Regie bei "Ariadne auf Naxos" von Richard Strauß.