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Cooles Profil: Elon Musks Twitter-Account. Montage mit Twitter-Logo.

Cooles Profil: Elon Musks Twitter-Account.

Bildrechte: picture alliance/dpa | Karl-Josef Hildenbrand
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    Wie die Welt auf Elon Musks Twitter-Übernahme reagiert

    Angesichts der milliardenschweren Übernahme von Twitter durch den Unternehmer Elon Musk ist die Entrüstung groß - auch auf der Plattform selbst. Prominente wie Jan Böhmermann etwa fordern ein öffentlich-rechtlich betriebenes soziales Netzwerk.

    Von
    Agnes PoppAgnes Popp
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    Viele bekannte US-amerikanische Technologieanalysten haben sich bereits zur Twitter-Übernahme von Elon Musk geäußert. "Musk ist im Grunde genommen ein Autokrat", urteilte Roger Kay vom IT-Unternehmen Endpoint Technologies. Analyst Rob Enderle warnte vor Musks kapriziösen Auftreten und Führungsstil: "Es ist, als würde er mit einer Schere in der Hand herumrennen. Schlechte Impulskontrolle und zu viel Geld sind keine gute Mischung." Eine Politik des Gewährenlassens beim Moderieren von Inhalten könne letztlich vor allem Twitter schaden: "Die Trolle übernehmen, sie werden zu feindselig und vertreiben Menschen von der Plattform."

    Musk gibt sich betont offen für Kritik

    Musk selbst sieht sich als Verfechter der Meinungsfreiheit: Er hatte angekündigt, den Dienst benutzerfreundlicher zu machen und Algorithmen offenzulegen. Angesichts der Empörung, die der Deal ausgelöst hat, twitterte Musk, er hoffe sogar, dass seine härtesten Kritiker auf Twitter bleiben würden, "because that is what free speech means". Das glauben ihm allerdings viele nicht.

    Skepsis bei Journalisten und Politikern: "gefährlich für unsere Demokratie"

    Der SZ-Journalist Ralf Wiegand schreibt auf Twitter im Hinblick auf die gesamtgesellschaftlichen Auswirkungen des Deals: "Wenn ein einzelner Mensch 44 Mrd. $ besitzt, um Twitter zu kaufen, ist die Kernfrage wirklich nicht, was das für Twitter bedeutet." Robert Reich, ehemaliger US-Arbeitsminister und Professor an der Berkeley Universität, twitterte nach Bekanntwerden der Übernahme: "Wenn Milliardäre wie Elon Musk ihre Motive mit dem Begriff 'Freiheit' rechtfertigen, ist Vorsicht geboten." Die demokratische US-Senatorin Elizabeth Warren schrieb bei Twitter: "Dieser Deal ist gefährlich für unsere Demokratie. Milliardäre wie Elon Musk spielen nach anderen Regeln als alle anderen." Experten rechnen damit, dass die Plattform deutlich weniger moderiert wird. Verbraucherschützer haben Sorge, dass zu wenig gegen Hassrede und Falschinformation vorgegangen werden wird.

    Medien: Weißes Haus fürchtet Trumps Rückkehr zu Twitter

    Der Präsident der Menschenrechtsorganisation NAACP (National Association for the Advancement of Colored People) Derrick Johnson appellierte an Musk, Ex-Präsident Trump nicht zurück auf die Plattform zu lassen. "Leben sind in Gefahr - und auch unsere amerikanische Demokratie."

    Der TV-Sender CNBC berichtete, im Weißen Haus von Präsident Joe Biden sei man ebenfalls besorgt, Trump könne vor den Kongresswahlen in diesem Herbst und der Präsidentenwahl 2024 bei Twitter wieder auftauchen und Hassbotschaften verbreiten.

    "Doppelmoral": Wenig Empörung über Zuckerbergs Monopol

    Natürlich erhält Elon Musk auch jede Menge Zuspruch und wird von anderen Twitter-Usern als Verfechter der Meinungsfreiheit gefeiert. Es gibt auch Kritik an der allgemeinen Entrüstung über Musks Übernahme: User reklamieren, dass Facebook, Instagram und WhatsApp allesamt dem Medienmagnaten Mark Zuckerberg gehören, der ebenfalls zu den reichsten Menschen der Welt zählt, und dass das niemanden störe. Sie bezeichnen die Empörung als "Doppelmoral".

    Forderung nach einem "öffentlich-rechtlichen" sozialen Netzwerk

    Die Macher des Weblogs "Volksverpetzer" sehen nicht die Tatsache, dass Elon Musk Twitter gekauft hat, als Problem: Wer nur auf diesen Milliardär und die Plattform schaue, übersehe "das eigentliche Problem: Öffentlicher Austausch passiert auf privaten Plattformen."

    Der ZDF-Satiriker Jan Böhmermann betont, nicht Twitter habe das ungeheure Potenzial, sondern "die hier mögliche Form der globalen Kommunikation und Repräsentation". Er schlägt den "Aufbau einer paneuropäischen öffentlich-rechtlichen Körperschaft zur Substituierung der kritischen Kernfunktionalität von Twitter" vor, "damit Bürger*innen, Behörden, Institutionen, Unternehmen und Medien über einen freien öffentlichen Ort des digitalen Austauschs verfügen." Und in satirischer Manier fragt er, ob nicht Europa Twitter kaufen könnte - "für eine Milliarde mehr?"

    Unter dem Hashtag #FreeGlobalNetwork fordert etwa auch User @LEN_1977 ein soziales Netzwerk, das öffentlich-rechtlich betrieben wird: "Es ist Zeit für ein EU-weit öffentlich-rechtlich betriebenes soziales Netzwerk als Alternative für #Facebook und Co., inklusive der Möglichkeit einer vollständigen Portierung aller Daten aus bestehenden Accounts."

    "Statt für 6 Milliarden Dollar den Welthunger zu beenden"

    Die Schriftstellerin Jasmin Schreiber kommentiert den Milliarden-Deal so: "Wenn man eigentlich für 6 Milliarden Dollar den Welthunger beenden wollte, dann aber irgendwie abgelenkt wird durchs im Internet herumscrollen und dann irgendwie spontan für 44 Milliarden Dollar Twitter kauft. Wer kennt‘s nicht."

    Die ARD-Satire-Sendung "extra3" witzelte über den milliardenschweren Übernahme-Deal: "Junge, was will er denn für einen versauten Kram twittern, dass ihm das 44 Milliarden wert ist?"

    Mit Material von dpa.

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