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Wie die Butter in den Christstollen kam - eine Kulturgeschichte | BR24

© BR/ Barbara Weiß

Christstollen auf dem Stollenmarkt in München

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    Wie die Butter in den Christstollen kam - eine Kulturgeschichte

    Für viele ist der Christstollen zu Weihnachten ein Muss. Heute beinhaltet das einstige Fastengebäck gut 40 Prozent Butter. Nur die wenigsten Stollenliebhaber aber dürften wissen, dass sie ihren Hüftspeck einem Papst aus dem 15. Jahrhundert verdanken.

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    Ganze 40 Prozent Butteranteil muss ein guter Stollen heute haben, sagt Bäckerei-Inhaber Wilhelm Boneberger aus Gilching: "Natürlich kann man billige Rohstoffe in einen Stollen rein tun, aber Sie können gern mal zwei Stollen, einer mit Butter, einer mit Margarine nebeneinander legen und probieren: Der Unterschied ist so enorm vom Geschmack her, so viel intensiver beim Butterstollen, dass es sich lohnt, ein bisschen mehr auszugeben."

    Aber Butter im Christstollen zu verarbeiten - das war im Mittelalter lange verboten. Zwar wurde der Stollen bereits im Jahr 1329 in einer Urkunde in Naumburg erwähnt. Die Bäcker der Stadt mussten ihrem Bischof jeweils "zwey lange weyssene Brothe, die man Stollen nennet" als Weihnachtsabgabe backen, hieß es dort. Köstlich war der Stollen aber damals ganz und gar nicht. Er war als Fastengebäck gedacht und wurde nur aus Mehl, Wasser und Rübenöl hergestellt.

    Der Stollen - früher eher Mehlklumpen denn Köstlichkeit

    Denn im Mittelalter gab es mehrere Fastenzeiten im Kirchenjahr: Der Advent war eine dieser Fastenzeiten und galt der Vorbereitung auf die Geburt Jesu. Kurfürst Ernst von Sachsen störte sich an dieser Regel im 15. Jahrhundert. Deshalb schrieb der Regent zusammen mit seinem Bruder Albrecht kurzerhand an den Papst und bat das Butterverbot aufzuheben.

    Es dauerte mehrere Jahre, bis 1491 Papst Innocenz VIII. mit seinem sogenannten Butterbrief endlich die Erlaubnis gab, edlere Zutaten, wie eben Butter, verwenden zu dürfen. Seit Ende des 15. Jahrhunderts wurde die Rezeptur des Stollens immer weiter verfeinert und es wurde zum Brauch, dass die sächsischen Kurfürsten zu Weihnachten immer den allerbesten geliefert bekamen, den es in der Gegend gab. So wandelte sich der Stollen vom Mehlklumpen zum königlichen Gebäck.

    Gewickelt wie das Kindlein

    Das Weihnachtsgeschäft mit der Kalorienbombe boomt auch heute noch. Allerdings hat sich das Angebot erweitert vom Rosinenstollen hin zum Cranberry-Stollen. Geblieben ist die Form: oval und in der Mitte eine Längsfalte. Das soll ans gewickelte Christkind erinnern, sagt Bonebergers Konditormeister Robert Zandt: "Weiß abgestaubt, dass es die Windel darstellt vom gewickelten Christkindlein, ich glaub, dass wir das in der Bäckerschule so gelernt haben, dass das die traditionelle Form ist."

    Warum der Stollen "Stollen" heißt, weiß man nicht so genau. Das Wort Stollen kommt wohl vom Althochdeutschen "stollo", und das bedeutet "Pfosten" oder "Stütze". Dass der Stollen von Bergleuten als haltbares Nahrungsmittel unter Tage mitgenommen wurde und ihm daher der Name zugeschrieben wurde, eben wie der "Stollen", in dem er verzehrt wurde, ist dagegen nicht bewiesen.

    Sendung

    Theo.Logik

    Von
    • Daniela Burkhard
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