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Wie der World Cinema Fund ein vielfältiges Kino fördert | BR24

© Varsovia Films

Das Kino zeigt sehr oft die gleichen Schauplätze, Geschichten aus armen Regionen der Welt haben es schwer. Das will der von der Berlinale mitgetragene World Cinema Fund ändern – und versteht Filmförderung auch als einen politischen Akt.

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Wie der World Cinema Fund ein vielfältiges Kino fördert

Hollywood, Manhattan, Paris: Das Kino zeigt oft die gleichen Schauplätze, Geschichten aus armen Weltregionen haben es schwer. Das will der von der Berlinale mitgetragene World Cinema Fund ändern – und versteht Filmförderung auch als politischen Akt.

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Suliman und drei weitere Mitglieder des Sudanesischen Filmclubs wollen ein altes Kino neu beleben. Sie versuchen, die Besitzer auf ihre Seite zu kriegen, stoßen dabei aber immer wieder auf Widerstände. Zwischendurch sitzen sie zusammen und reden über ihre Vergangenheit, über die Verfolgung als oppositionelle Künstler und über Folter, lesen sich alte Briefe aus dem Exil vor und träumen von einem Sudan, in dem die Kunst und das Denken frei sein könnten.

Filmförderung als politische Arbeit

Der Dokumentarfilm "Talking About Trees" von Suhaib Gasmelbari gewann letztes Jahr im Rahmen der Berlinale den Dokumentarfilmpreis sowie den Panorama Publikumspreis. Seine Helden: vier alte Männer. Sie haben drei Demokratien und drei Diktaturen überlebt. Dass ihr berührendes Schicksal letztes Jahr um die Welt ging und der Film nach der Berlinale noch bei vielen anderen Festivals gezeigt wurde, ist dem World Cinema Fund (WCF) zu verdanken, einer ziemlich einzigartigen Einrichtung, die am Mittwoch ihren 15. Geburtstag feierte.

Die 2004 gegründete, der Berlinale zugeordnete und von der Bundeskulturstiftung geförderte Initiative setzt sich für ein diverses Weltkino ein, vor allem in armen Regionen, in denen es keine Strukturen für die professionelle Entwicklung von Drehbüchern und die Durchführung von Dreharbeiten gibt. Auf die Idee kam der in Venedig geborene Vincenzo Bugno. Er unterbreitete sie dem ehemaligen Festivalleiter Dieter Kosslick – und der setzte sie sofort um. Der World Cinema Fund förderte seitdem 232 Projekte.

Bugno hat klar politische Vorstellungen von Zusammenarbeit und internationalem Austausch: "Dabei muss man sich natürlich auch mit Postkolonialismus auseinandersetzen. Die meisten Regionen, die wir unterstützen, haben entweder eine uralte oder relativ neue koloniale Vergangenheit: Lateinamerika selbstverständlich, ganz Afrika und auch asiatische Länder. Damit muss man sich schon befassen."

© Ali Ghandtschi/Berlinale 2015

Vincenzo Bugno

Filme aus armen Regionen ins Kino bringen

Dieses Jahr eröffnete "Las Mil y Una – One in a Thousand" die Berlinale-Sektion Panorama. Es ist der zweite Film der 30-jährigen Clarissa Navas. Auch sie wurde vom WCF gefördert und bekam so die Chance, eine Region der Welt ins Kino zu holen, die dort bisher kaum eine Rolle spielte: den Norden Argentiniens. Argentinien sei ein sehr großes Land, sagt Clarissa Navas, es bestehe aus vielen Ländern in einem. Der Norden sei besonders arm und sehr konservativ.

Clarissa Navas erzählt in "La Mil y Una" von Corientes, der Stadt, aus der sie selbst kommt. Berührend setzt sie zwei junge Frauen in Szene, die in einer Sozialsiedlung leben und die Tage und Nächte in den weiten Innenhöfen zwischen den Wohnblocks verbringen. Es geht um Sex und Coming Outs, um Armut und die Träume, ein anderes Leben zu führen.

In Berlin wurde der Film, bisher einer der schönsten des Festivals, mit seinen schwebenden, oft dokumentarisch anmutenden Bildern gefeiert. Könnte gut sein, dass auch er – wie letztes Jahr "Talking About Trees“ – den Panorama Publikumspreis gewinnt, und danach hoffentlich Unterstützer findet, die ihn weltweit ins Kino bringen. Genau dafür wurde der World Cinema Fund vor 15 Jahren gegründet.

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