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Hinterhöfe und Picknickdecken statt schicker Kleider und teurer Karten: Beim Mozartfest in Würzburg ist 2020 alles anders. Das Festival behilft sich mit Live-Streams und will in der Stadt noch sichtbarer werden.

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Wie das Würzburger Mozartfest trotz Corona weitermacht

Hinterhöfe und Picknickdecken statt schicker Kleider und teurer Karten: Beim Mozartfest in Würzburg ist 2020 alles anders. Das Festival behilft sich mit Live-Streams und will in der Stadt noch sichtbarer werden.

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Mozart, Beethoven und auch ein bisschen Schumann erklingt aus einem blauen Oldtimer-LKW: die "Bühne" bei einem Konzert des Mozartfestes. Auf der Ladefläche des sogenannten "Blauen Eumel" steht ein schwarzer Flügel. Auf der großen Wiese davor lauschen etwa 50 Besucher der Musik, die meisten sind Kinder. Das Mozartfest 2020 ist so ganz anders als die vorherigen Auflagen.

Viele Open-Air-Konzerte beim Mozartfest

Wegen der Corona-Pandemie finden beim diesjährigen Festival viele Konzerte im Freien statt. Je eine Familie sitzt nun mit viel Abstand zur nächsten auf ihrer Picknickdecke. "Ein Konzert draußen auf Decken – das find' ich cool!", sagt die neun Jahre alte Theresa Range. Sie ist gemeinsam mit ihren Eltern und Geschwistern gekommen. Auch Vater Peter Range freut sich auf das Konzert: "Wir wollten sowieso zum Mozartfest gehen. Und jetzt gibt es dieses Alternativprogramm und da dachten wir, schauen wir uns das mal an."

Künstler brachten ihre Ideen für Alternativen ein

Als klar war, dass das Festival, wegen der Coronakrise nicht wie geplant stattfinden kann, mussten andere Ideen her. Normalerweise lockt das Mozartfest tausende Besucher. Damit das Festival trotzdem stattfinden kann, war Einfallsreichtum gefragt. Künstler brachten ihre Vorschläge ein und sind nun selbst zu Programmgestaltern geworden.

Kostenlose Konzerte beim Mozartfest

Pianistin Ragna Schirmer zum Beispiel kam die Idee für die sogenannten "Corönchen". So lautet der Titel ihrer beiden Konzerte, die sie in dem blauen Oldtimer-Lkw spielt. Für die Besucher ist diese Veranstaltung kostenlos. Spontan vorbeikommen ist trotzdem nicht möglich: Die gewohnten Corona-Sicherheitsauflagen gelten auch im Kulturbetrieb. Konzertbesucher müssen sich vorher namentlich anmelden. 15 Plätze sind auf der Wiese markiert. Dort angekommen, dürfen die Besucher ihre Masken abnehmen. Für die Künstler ist das viel wert:

"Es ist schon schöner, wenn man ins Publikum guckt und man fühlt sich nicht wie im Krankenhaus, sondern wie im Konzert." Ragna Schirmer, Pianistin

Viele Konzerte im Live-Stream

Solche Open-Air-Konzerte sind jedoch nur ein Teil des Festival-Programms. Die meisten der 43 Alternativ-Veranstaltungen, die die Organisatoren des Mozartfests aus dem Boden gestampft haben, finden im Live-Stream statt. So etwa das Auftaktkonzert aus dem Kaisersaal der Würzburger Residenz. Dort begrüßte Moderatorin Ursula Adamski-Störmer die Zuschauer an den Bildschirmen: "Sie sehen: kein Publikum vor Ort. Denn Sie wissen ja, in diesem Jahr ist alles anders." Auf dem Facebook-Kanal von BR Klassik wurde das Eröffnungskonzert bereits über 87.000 Mal aufgerufen.

Absage des Würzburger Festivals stand nicht im Raum

Das Klassik-Musikfestival ganz abzusagen, war für Intendantin Evelyn Meining unterdessen nie eine Option. Das diesjährige Motto lautet: "Widerstand. Wachsen. Weitergehen." Ursprünglich sollte dieser Leitspruch auf Parallelen zwischen Mozart und Beethoven hinweisen und künstlerische Grenzen herausfordern. Angesichts der Corona-Pandemie ist das Motto nun zum Appell für Meining und ihr Team geworden.

"Das ist auch der Kunst eigen, dass sie so kreativ ist und krisenerfahren. Sie hat gelernt, an Widerständen immer wieder Neues zu schaffen" Evelyn Meining, Intendantin

Coronavirus als Chance für Alternativen

Ursprünglich waren beim Mozartfest 75 Konzerte an fast 30 Spielorten geplant. Das jetzige Programm ist abgespeckt, aber nicht weniger vielseitig.

"Die Saison gibt uns eine wunderbare Möglichkeit: Wir können zeigen, dass das Mozartfest wirklich für alle da ist. Dass es keine elitäre Veranstaltung ist, die abhängt von Wohlstand oder Geldbeutel." Evelyn Meining

Der Hornist Christoph Eß zum Beispiel wird mit seiner Formation "german hornsound" durch Würzburg ziehen und kurze Konzerte spielen: auf Stadtbalkonen oder von Türmen hoch über den Straßen. Die Zeitpunkte bleiben geheim. Damit sich keine allzu großen Menschenansammlungen bilden.

Und auch für den "Blauen Eumel" waren die "Corönchen"-Kinderkonzerte nicht der letzte Einsatz beim Mozartfest: Der Lkw wird in neun Hinterhöfen in Würzburg Halt machen und den Anwohnern Konzerte vor die Haustür bringen.

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