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Bildrechte: BR/Leon Willner

Der Würzburger Akkordeonist und Hochschulprofessor Stefan Hussong hat Piazzolla selbst noch getroffen. Wie man Tango Nuevo auf dem Akkordeon spielt, gibt er seit nun mehr drei Jahrzehnten an seine Studentinnen und Studenten weiter.

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Wie Astor Piazzollas Musik die Tango-Szene Frankens prägt

Astor Piazzolla komponierte einen Tango, den man nicht tanzen kann. Sein Tango Nuevo eroberte die Welt, weil er mit dem Alten brach. Die Musik des Tango in Franken prägt Astor Piazzolla bis heute.

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Von
  • Leon Willner

Es ist Sonntag, mitten am Vormittag. Die scharfen Töne eines Bandoneons schwingen durch die Kirchenstraße in Nürnberg. Zunächst stehen sie sich gegenüber, jeweils auf einer Straßenseite, dann bewegen sich Valeria und Marco González im Takt aufeinander zu – bis ihre Hände ineinander liegen und sie tanzen. Zu einem Tango, der als untanzbar gilt: der Tango Nuevo von Astor Piazzolla. Die beiden Geschwister sind aus Formosa, im Norden Argentiniens. Seit sechs Jahren unterrichten sie in Deutschland den Tango Argentino.

Piazzolas Musik ist zum Zuhören komponiert

"Es wird ja immer behauptet, dass Piazzolla Tänzer gehasst haben soll", sagt Marco González. "Aber das stimmt nicht, er hat ja auch Stücke für Ballett geschrieben." González sagt, dass Piazzolla eine Musik zum Zuhören komponiert habe, zum Genießen. Wenn man sich auf sie einlasse, könne man auch dazu tanzen. "Ich mag Piazzollas Musik, weil sie frischen Wind in den Tango gebracht hat", sagt er. Ein bisschen wie ein Vorbote, seiner Zeit mindestens 20 Jahre voraus.

Stefan Hussongs Begegnung mit Astor Piazzolla

Auch der Würzburger Akkordeonist Stefan Hussong wusste nicht genau, was ihn erwarten würde, als er 1987 in der Stadthalle Tuttlingen zu einem Konzert von Astor Piazzolla und seinem Tangoquintett ging. Mit ihm seien nur um die 15 Menschen verloren in der großen Halle gestanden, der Meister machte trotzdem Programm. "Ein Programm mit einer unglaublichen Seriosität, mit unglaublich viel Energie. Und das war eine Musik, die mich sofort gepackt hat", sagt Hussong.

Nach dem Konzert kam es zu einer Begegnung, die Hussong nie vergessen wird. Fast schon entschuldigend, weil so wenige Leute da waren, ging der gebürtige Saarländer auf den Argentinier aus Mar del Plata zu. "Und er war müde, aber sehr nett sagte mir: Wer bist du, was machst Du?", erinnert sich Hussong, der Piazzolla von seiner Akkordeon-Musik erzählte und von ihm daraufhin einen Rat erhielt: "Leute wie du, die müssen das Gleiche, was ich für das Bandoneon gemacht habe, für das Akkordeon machen."

Hussong schreibt Piazzollas Musik für Akkordeon um

Daraufhin interpretierte Hussong Piazzollas Lieder auf dem Akkordeon, zu hören unter anderem auf der CD "Revolucionario". Und Piazzollas Rat, das Instrument weiterzuentwickeln, rein in die zeitgenössische Musik, den gibt der Professor gerne an seine Studentinnen und Studenten weiter.

Seit 1991 ist Hussong Professor an der Hochschule für Musik Würzburg, die während des Lockdowns Unterricht hinter Plexiglasscheiben anbietet. Gerade weil Akkordeon nicht das klassische Orchester-Instrument ist, will der 58-Jährige seinen Studierenden mitgeben, sich möglichst breit aufzustellen. Das heißt, verschiedene Stilrichtungen auszuprobieren, zu improvisieren, kreativ zu werden.

Valeria und Marco González lehren Tango-Argentino online

Das war auch für das Tango-Pärchen Valeria und Marco González in Nürnberg angesagt. Seit einem Jahr bieten die beiden Tango-Unterricht online an. Dazu stellen sie sich vor die Webcam, drehen auf einem Lautsprecher Tango Argentino auf und wiederholen die einzelnen Schritte. Die Tanzschülerinnen und -schüler tanzen zuhause in ihren Wohnzimmern und versuchen, es ihnen gleich zu tun. Das sei eine Notlösung, aber auch so lasse sich Technik trainieren.

Und wenn das Wetter gut ist, können Valeria und er auch in einen Park oder auf die Straße, wo es Applaus gibt - vom Fenstersims.

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