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Wie 8Chan weltweit den rechten Terror befeuert | BR24

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Am Samstag wurden bei einem rassistisch motivierten Massaker in El Paso 20 Menschen erschossen, weitere 26 wurden verletzt. Die Demokraten geben Trump und seiner rechten Rhetorik die Schuld. Andere sehen die Gründe im Internet.

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Wie 8Chan weltweit den rechten Terror befeuert

Am Samstag wurden bei einem rassistisch motivierten Massaker in El Paso 20 Menschen erschossen, weitere 26 wurden verletzt. Die Demokraten geben Trump und seiner rechten Rhetorik die Schuld. Andere sehen die Gründe im Internet.

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Die Seite 8Chan ist schon öfter negativ aufgefallen. Hier herrscht ein harter Ton, Hakenkreuze, KKK-Bilder und rechtsextreme Literatur werden gepostet. Am Samstag veröffentlichte der Täter von El Paso auf der Seite sein Manifest. BR-Netzexperte Christian Alt erklärt die Hintergründe.

Joana Ortmann: Was genau ist 8Chan, die Seite, auf der das Manifest erschienen ist?

Christian Alt: Bevor wir über 8Chan reden, müsste man erstmal klären, was 4Chan ist: Die Seite, aus der 8Chan hervorgegangen ist. 4Chan ist ein anonymes Board, das mehr oder weniger die Keimzelle für die Internettroll-Kultur ist. Früher gab's hier Jungenstreiche im Internet. Da haben sich 4Chan-User zum Beispiel zusammengetan, um Justin-Bieber-Fans davon zu überzeugen, dass ihr Lieblingsstar Krebs hat. Und man sich deswegen jetzt die Haare abrasieren müsste. "Shaving for Bieber" hieß das Ganze. Das ist total fies, aber jetzt noch nicht wirklich justiziabel. Aber: 4Chan hat sich radikalisiert. Die Alt-Right wurde hier geboren. Und jetzt schwenken wir noch mal zu 8Chan. Denn dem Erfinder von 8Chan, Fredrick Brennan heißt der, war 4Chan zu lasch. Denn da wurden auch hier und da mal Postings von Moderatoren gelöscht. Brennan wollte aber eine noch lautere "Anything Goes"-Variante von 4Chan. Also wurde 8 Chan geboren.

Sie haben eben gesagt, diese Seiten haben sich radikalisiert. Das passiert ja nicht von heute auf morgen. Wie läuft so was ab?

Auf den Seiten herrscht ein sehr derber schwarzer Humor. Über allem liegt ein Firnis von Ironie. Hakenkreuze werden total "ironisch" gepostet, auch Aufrufe zur Gewalt natürlich nur "ironisch". Ironie ist aber ein süßes Gift: Irgendwann hat man so oft "nur ironisch" homophoben, rassistischen Schwachsinn gesagt, dass man selbst daran glaubt. Gleichzeitig wollen sich aber auf der Seite alle mit krassen Sprüchen überbieten. Am besten beschrieben hat diesen Vorgang die Autorin Angela Nagle in ihrem Buch "Kill All Normies". Sie beschreibt, wie eine kleine Gruppe gegen alles schießt, was irgendwie normal ist: Empathie, Nächstenliebe, Respekt vor Minderheiten. Das sind die Werte, gegen die man in Opposition geht. Und das mündet dann eben in solchen Manifesten, wie man sie am Wochenende auf 8Chan lesen konnte.

Sie haben es schon gesagt: Das Manifest des Täters, in dem dieser die Verschwörungstheorie verbreitet, dass die amerikanische Bevölkerung durch Migranten ausgetauscht wird, das ist bei 8Chan erschienen. Wie war denn die Reaktion auf der Seite nach dem Anschlag?

Dort gab es Bewunderung für den Täter. Wir dürfen nicht vergessen: Das ist nicht der erste Anschlag, der von 8Chan-Nutzern ausgeht. Der Massenmörder von Christchurch hat hier live gepostet. Auch der Anschlag auf die Synagoge in Poway im vergangenen April geht anscheinend auf das Konto eines 8Channers. Für die ist das ganze Morden schon längst zum Spiel geworden: Da wird darüber gesprochen, dass der Täter von Christchurch einen Highscore aufgestellt hat, der sich so schnell nicht mehr einholen lassen wird. Und es wird gleich weiter rechtsextreme Literatur verbreitet. 8Chan ist wirklich wie waffenfähiges Plutonium.

Aber kann man denen nicht einfach den Saft abdrehen?

Das ist gar nicht so einfach. Wie lange wurde gegen Seiten wie PirateBay gekämpft, die sind heute immer noch online. Aber: Heute Nacht sind zwei Dinge passiert. Zum einen hat Cloudflare der Seite den Support abgedreht, damit ist sie jetzt verwundbar für DDOS-Attacken. 8Chan-Nutzer werden sich darauf einstellen müssen, dass die Seite jetzt öfter nicht erreichbar ist. Und das zweite: Fredrick Brennan, der Gründer von 8Chan, hat heute Nacht gesagt, dass 8Chan endlich vom Netz gehen muss. Unternehmen kann er jetzt leider nichts, weil er seit 2016 Jahr nicht mehr 8Chan leitet. Aber: Es ist ein kleiner Hoffnungsschimmer. Denn wir müssen leider festhalten: Hier ist eine der Keimzellen für rechten Terror, nicht nur in den USA, sondern weltweit.

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