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Wichtiger denn je? Das Institut für Zeitgeschichte wird 70 | BR24

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Das IfZ sollte kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die NS-Geschichte aufarbeiten. Ein Rückblick.

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Wichtiger denn je? Das Institut für Zeitgeschichte wird 70

Das Institut für Zeitgeschichte in München hat Geburtstag. Es ist eine der wichtigsten geschichtswissenschaftlichen Institutionen in Deutschland. Seit 70 Jahren arbeitet es die deutsche Geschichte auf - und findet immer noch weiße Flecken.

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Der unscheinbare Plattenbau in der Münchner Leonrodstraße stammt zwar erst aus den 70ern, aber das Institut für Zeitgeschichte (IfZ) hat schon im Mai 1949 seine Arbeit aufgenommen - damals noch unter dem Namen "Deutsches Institut für Geschichte der nationalsozialistischen Zeit".

Auftrag, die NS-Zeit aufzuarbeiten

Im Auftrag von Bund und Freistaat sollte das IfZ als erstes Institut überhaupt die NS-Zeit aufarbeiten. Die Alliierten in der amerikanischen Besatzungszone plädierten für eine solche Einrichtung.

"Das war ein Impuls, der aus der Geschichte, aber auch aus politischen Kontexten gekommen ist. Man wollte sich dieser Vergangenheit auf einer wissenschaftlichen Ebene stellen." Andreas Wirsching, Leiter des IfZ

So erstellte das Institut in den folgenden Jahren zahllose Gutachten zur Zeit des Nationalsozialismus - darunter auch die Gutachten zu den Angeklagten der Frankfurter Auschwitz-Prozesse.

Frei von Kritik blieb das IfZ nicht. In den Anfangsjahren schrieb dort etwa ein ehemaliger Wehrmachtsoffizier über die Rolle der Wehrmacht in der NS-Zeit. Der heutige Leiter Andreas Wirsching wünscht sich, dass auch die Geschichte seines Instituts wissenschaftlich aufgearbeitet wird.

Geschichte von 1918 bis heute

Heute steht längst nicht mehr nur die Nazidiktatur im Fokus. Die Wissenschaftler am IfZ beschäftigen sich mit der gesamten deutschen Geschichte seit dem Ende des Ersten Weltkriegs. Aktuell läuft etwa ein Forschungsprojekt zur Geschichte der Nachhaltigkeit. In einem neuen Großprojekt will das Institut an der Geschichte des Kalten Kriegs weiterforschen.

Die NS-Zeit macht trotzdem noch einen großen Teil der Forschung aus. Am historischen "Führersperrgebiet" Obersalzberg in Berchtesgaden errichtete das IfZ im Jahr 1999 einen Lern- und Erinnerungsort: die Dokumentation Obersalzberg. Vor gut drei Jahren brachte das Institut eine kritische Neu-Edition von Hitlers "Mein Kampf" heraus.

"Sicherlich die öffentlichkeitswirksamste Publikation, die das Institut jemals gemacht hat - ein Highlight der jüngeren IfZ-Geschichte." Andreas Wirsching, Leiter des IfZ

Perspektive der Opfer

Vom Plattenbau des IfZ zwei Häuser weiter, sitzt Frank Bajohr - in einem Neubau. Dort leitet er eines der jüngsten Projekte des IfZ: das Zentrum für Holocauststudien. 2013 wurde es mit dem Ziel gegründet, die Perspektive der Opfer noch stärker in den Blick zu nehmen. Mehrere Doktoranden schreiben hier ihre Dissertationen. Das Thema Holocaust ist in den Augen von Bajohr immer noch eine historische und analytische Herausforderung für die deutsche Geschichtswissenschaft.

Das Institut ist international vernetzt. Dieses Jahr werden Holocaustforscher aus der ganzen Welt ihren Kongress "Lessons and Legacies" in München abhalten – auf Einladung des IfZ.

Immer noch weiße Flecken in der deutschen Geschichte

Neben dem Münchner Hauptsitz hat das Institut zwei Abteilungen in Berlin. Außerdem gehören eine Bibliothek und ein Archiv in München dazu. Bund und Länder finanzieren gemeinsam die Daueraufgaben des IfZ.

Die Erforschung der deutschen Geschichte sei nach wie vor unverzichtbar, meint Institutsleiter Andreas Wirsching. Es gebe immer noch weiße Flecken. Außerdem stelle jede Generation neue Fragen.

"Das ist eine Vergangenheit, die wir nicht loswerden und die man auch weiter wissenschaftlich behandeln muss." Andreas Wirsching, Leiter des IfZ

Gerade in Zeiten von Fake News sei es wichtig, dass es eine ständige Aufarbeitung gebe. Dazu trägt das Münchner Institut für Zeitgeschichte immer noch einen großen Teil bei – auch 70 Jahre nach seiner Gründung.

© BR/Manuel Rauch

Das Institut für Zeitgeschichte in München ist eine der wichtigsten geschichtswissenschaftlichen Institutionen in Deutschland. Seit 70 Jahren arbeitet es die deutsche Geschichte auf. Eine große Bedeutung hat das Institut bis heute.

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B5 Bayern

Autor
  • Manuel Rauch
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