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Journalistin und Autorin Wibke Bruhns ist gestorben | BR24

© picture-alliance / schroewig

Wibke Bruhns

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    Journalistin und Autorin Wibke Bruhns ist gestorben

    1971 präsentierte Wibke Bruhns als erste Frau die heute-Nachrichten im ZDF – und hatte damit eine Männerdomäne des westdeutschen Fernsehens erobert. Auch als Autorin machte sich Bruhns einen Namen. Nun ist sie im Alter von 80 Jahren gestorben.

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    Sie wollte schon früh Journalistin werden – und sie erfüllte sich ihren Traum: Ihr Volontariat bei der BILD-Zeitung brach Wibke Bruhns 1961 aus politischen Gründen ab, sie wechselte zum ZDF und wurde Reporterin in Hamburg. Zehn Jahre später hatte sie eine kleine Sensation geschafft: Am 12. Mai 1971 präsentierte erstmals eine Frau die Spätnachrichten des Senders. Doch bald war Bruhns auch das nicht mehr genug: Sie wollte nicht mehr nur Informationen verlesen, sondern selbst Journalismus machen.

    Journalistin aus Leidenschaft

    Bruhns, geboren 1938 in Halberstadt als Kind einer großbürgerlichen Familie, arbeitete als Korrespondentin für das Magazin Stern in Jerusalem und Washington, moderierte die Talkshow "Drei vor Mitternacht", drehte Fernsehfilme, ging zu VOX, wurde später Kulturchefin beim Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB). Ihre journalistische Handschrift könnte man als kühl im Ton und passioniert im Zugriff auf ihre Themen beschreiben, für Bruhns selbst war der Journalismus ganz ohne Zweifel der schönste Beruf der Welt.

    Doch sie machte auch als Buchautorin auf sich aufmerksam: Ihre Erfahrungen aus der Jerusalemer Zeit hielt sie in ihrem Band "Mein Jerusalem" fest, erschienen 1982. In "Meines Vaters Land" (2004) erzählte sie ihre eigene Familiengeschichte – und damit auch ein Stück deutsche Zeitgeschichte: Ihr Vater Hans-Georg Klamroth war als Mitwisser des Attentats auf Hitler vom 20. Juni 1944 hingerichtet worden. Bruhns' Annäherung an ihren Vater, den sie kaum kannte und in einer TV-Dokumentation über den Prozess am Volksgerichtshof wiedersah, wurde ein Bestseller, von der Kritik als "subtil komponierter Familienroman" und "sozialhistorische Abhandlung" gewürdigt.

    Ein politischer Kopf und ein hartnäckiges Gerücht

    Wibke Bruhns war schon immer ein politischer Kopf gewesen, bereits als Studentin in Hamburg trat sie in die SPD ein. Die Verbindung mit der Partei wurde in ihrem Fall allerdings vor allem in einem hartnäckigen Gerücht wahrgenommen: Sie habe eine Affäre mit Willy Brandt gehabt. Sie selber dementierte, ging sogar vor Gericht und gewann – wurde den hartnäckigen Klatsch aber dennoch nicht los. In der Meldung zum Tod von Wibke Bruhns zitiert das ZDF die Journalistin mit den selbstironischen Worten: "Auf meinem Grabstein wird wohl stehen: Hier ruht die erste Nachrichtenfrau Deutschlands und die Geliebte Willy Brandts".

    Wibke Bruhns starb am Donnerstagabend im Alter von 80 Jahren, wie das ZDF unter Berufung auf ihre Familie mitteilte.

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