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Wer das Brot hat, hat die Macht | BR24

© picture alliance/chromorange

Jesus bricht das Brot und reicht es seinen Jüngern

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    Wer das Brot hat, hat die Macht

    "Unser tägliches Brot gib uns heute" gehört zum Christentum wie die "Brotzeit" zum Arbeitstag. Doch Brot ist nicht nur Lebensgrundlage und ein Symbol für Gemeinschaft, sondern war in früheren Zeiten auch politischer Zündstoff.

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    Seit Urzeiten ist Brot für uns Menschen mehr als ein Grundnahrungsmittel. In der babylonischen und der ägyptischen Mythologie gibt es Gottheiten, die den Menschen das Geheimnis des Brotbackens überbracht haben. Und im Neuen Testament der Bibel nimmt die gemeinsame Brotzeit eine zentrale Stellung ein. In der Geschichte der wundersamen Brotvermehrung versorgt Jesus mehrere tausend Menschen mit Essen.

    "Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll." Johannes, Kapitel 6

    Brot ist Macht

    Jesus, der König des Brotes: Manche Exegeten meinen darin eine klare Kritik an den politischen Verhältnissen zur Zeit des Neuen Testaments zu erkennen: "Panem et Circenses" - "Brot und Spiele", dieses Motto war eine Grundlage der römischen Herrschaft. Mit extrem günstigem Brot und Spielen wurde das Volk gefügig gehalten, konnten die Machthaber relativ ungestört regieren.

    Wer Brot verteilen konnte, war mächtig und hatte Einfluss. Und ausgerechnet Jesus übernimmt in dieser Situation am See Genezareth die Position des Brotverteilers, des Brötchengebers. Diese Aussage hat Symbolkraft.

    Auch der Ausspruch "unser tägliches Brot gib uns heute" aus dem Vaterunser war ursprünglich eine "Spitze gegen das römische Imperium", meint P. Stephan Dähler, Provinzial der Mitteleuropäischen Provinz der Steyler Missionare. "Das tägliche Brot meint nicht nur diesen Bissen Brot, sondern das, was man wirklich braucht, um das Leben gestalten zu können." Zumindest als Symbol hatte das Brot zur damaligen Zeit einen revolutionären Beigeschmack.

    Wie das Brot zur Hostie wurde

    Der "Leib Christi" als Brot des Lebens ist eine eigenartige Vorstellung, über die sich Theologen und Philosophen seit nunmehr fast 2.000 Jahren die Köpfe zerbrechen. Transsubstantiation – Brot verändert sich im Glauben der katholischen und orthodoxen Lehre durch die Wandlung in seinem Wesen zu Christi Leib und Blut. Trotzdem wird im Gottesdienst in der Regel kein Laib Brot, sondern eine recht geschmacksneutrale Oblate verspeist.

    Religionsgeschichtlich kann man hier sehr gut erkennen, dass das Christentum seinen Ursprung im Judentum hat. Beim Pessach-Fest, das an den Auszug Israels aus Ägypten erinnert, wird ungesäuertes Brot gegessen. Denn Sauerteig muss reifen, gutes Brot braucht Zeit um einen vollmundigen Geschmack zu entwickeln. Zeit, die die Israeliten in der biblischen Geschichte nicht hatten. "Sie bereiten die Flucht vor und nehmen ungesäuertes Brot ohne Hefe als Kraft für den Weg", sagt P. Stephan Dähler.

    "Sieben Tage sollst du Ungesäuertes essen, Brot des Elends – denn in Hast bist du aus Ägyptenland geflohen –, auf dass du des Tages deines Auszugs aus Ägyptenland gedenkst dein Leben lang." Deuteronomium, Kapitel 16

    Brot kann also ein Symbol für Notsituationen und Armut sein, aber auch für die Macht eines ganzen Imperiums oder eines revolutionären Propheten stehen. Nicht zuletzt ist mit dem Abendmahl das Brot im Christentum aber auch ein Symbol für Gemeinschaft.

    "Unser tägliches Brot: Ein Grundnahrungsmittel zwischen Altar und Verschwendung" hören Sie am Sonntag, 04.10.2020, von 08:05 bis 08:30 Uhr auf Bayern 2 oder als Podcast in der Reihe "Religion - Die Dokumentation".