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Wenn sich der Kühlschrank in den Würfel von Mekka verliebt | BR24

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Wenn sich der Kühlschrank in den Würfel von Mekka verliebt

Küchengeräte suchen Freunde, Videokassetten sind zu nichts mehr gut und "Candy Crush" ist überall. In Berlin befassen sich Künstler mit dem digitalen Wandel, ihre Schau "Alien Matter" ist das Herzstück der transmediale. Christoph Möller

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Ein dunkler Raum im Haus der Kulturen der Welt. Zu Luftaufnahmen von Gletschern, Gebirgen und Wäldern spricht eine computergenerierte Stimme über das Handyspiel „Candy Crush“. Aus einem System von Glasrohren pufft weißer Dampf, ein Staubsauger-Roboter dreht stoisch seine Runden.

Seit 30 Jahren gibt es die Medien-Schau schon

Was auf den ersten Blick wirkt wie die Fantasie eines Jugendlichen, der zu viel Computer gespielt hat, ist die Hauptausstellung der 30. transmediale. Titel: „Alien matter“ – fremde Materie. Die Ausstellung reflektiert, wie digitale Technologie und künstliche Intelligenz zu unsichtbaren Gestaltern unseres Alltags geworden sind, erzählt Kuratorin Inke Arns.

„Und ich meine mit ‚alien matter‘, dass das, was man heutzutage künstliche Intelligenz nennt, dass das zunehmend irgendwie so diffundiert in alles Mögliche. Einerseits wird es zur Selbstverständlichkeit und andererseits sind wir uns dessen gar nicht mehr bewusst, eben weil es zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist." Inke Arns

Ein smarter Kühlschrank entwickelt menschliche Bedürfnisse

Die Videoinstallation „GreenScreenRefrigeratorAction“ von Mark Leckey spinnt den Gedanken weiter.

„Der Kühlschrank, wie jeder andere, sucht Freunde. Was macht der? Der macht eine Bildsuche im Internet und findet dann Objekte, die ähnlich aussehen wie er, nämlich zum Beispiel eine schwarze Limousine oder ein Smartphone oder die Kaaba in Mekka.“ Inke Arns

Im 30. Jahr der transmediale stellt sich die Frage: Wie kann Technologie durch Kunst überhaupt kritisch reflektiert werden, wenn an die Stelle analoger Gegenstände wie Bücher oder Schallplatten die Daten treten - und dann in immer kleineren Geräten wie dem Smartphone verschwinden?

Ein Berg aus Videokassetten - aber warum?

Was erzählt ein monolithischer Block aus 20.000 VHS-Kassetten im Zentrum der Ausstellung über das, was im Digitalen passiert? Vielleicht so viel: Information wird heute völlig anders gespeichert.

Und das wird vielleicht eine Erkenntnis der diesjährigen transmediale sein: Nicht die ausgestellten Artefakte sind das Wichtigste, sondern die unsichtbaren Diskurse, die dahinter stehen. Die neuen Ideen, Geschichten und Haltungen.