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Wenn Rechtsextreme Unterstützung bei Christen suchen | BR24

© picture alliance/Michael Kappeler/dpa

03.10.2018, Berlin: Teilnehmer der rechtspopulistischen Demonstration "Tag der Nation" des Bündnisses "Wir für Deutschland".

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    Wenn Rechtsextreme Unterstützung bei Christen suchen

    Reichkriegsflaggen und rechte Parolen auf T-Shirts – daneben auch Slogans von vermeintlich christlichen Gruppierungen. Nicht nur auf der Demo in Berlin am vergangenen Wochenende versuchen rechte Kreise, Gläubige für ihre Sache zu gewinnen.

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    Wer zusammen mit Rechtsextremen demonstriere, und, wie am 29. August 2020 in Berlin beobachte, wie sich diese Zutritt zum Reichstag verschaffen wollen, könne später nicht behaupten, nichts davon gewusst zu haben, so Christian Staffa, Antisemitismusbeauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland. Und das gelte natürlich auch für Christen.

    BR24: Herr Staffa, gibt es ein Problem der mangelnden Abgrenzung zwischen Christen und Rechten?

    Christian Staffa: Ja, auch zum Beispiel beim Thema Abtreibungsgegnerschaft. Die Lebensschützer, die sich auf Montagsdemos bundesweit versammeln und mit Rechtsradikalen zusammen laufen. Nicht alle Abtreibungsgegner sind rechtsextrem, aber es gibt diese Brückenfunktion, wie sie im christlich-evangelikalen Milieu auch bei Homosexuellenfeindlichkeit existiert. Es gibt relativ gezielte Strategien am Rand der konservativen Christen, um Unterstützung für rechtsextreme Positionen zu generieren.

    Woran lässt sich erkennen, ob jemand aus christlicher oder aus rechter Gesinnung heraus für oder gegen ein Thema demonstriert?

    Man kann es kontextuell relativ gut sehen: Wenn das Deutsch-Nationale im Vordergrund steht. Bei den Lebensschützern wäre das zum Beispiel der "Schutz des deutschen Volkes". Wenn sie sagen, wir sind Abtreibungsgegner, weil wir für den Erhalt des deutschen Volkes kämpfen, wir müssen Kinder kriegen, weil wir sonst überrannt werden von einer "islamischen Flut". Solche Parolen sind sehr leicht zu entschlüsseln.

    Warum grenzen sich konservative Christen nicht deutlicher von solchen Positionen ab?

    Das fragt man sich und ich bin davon überrascht. Aber, wenn wir in die USA schauen, fragt man sich auch jeden Tag zweimal: Wie können Christenmenschen diesen Präsidenten unterstützen, der offen sexistisch ist, was nicht evangelikales Hauptstück ist? Dass sie es trotzdem tun, ist mir auf der Werte-Ebene unverständlich.

    Was tut die Evangelische Kirche in Deutschland, um sich gegen rechts abzugrenzen und müsste hier mehr getan werden?

    Es gibt sehr viele Stellungnahmen und Positionierungen auch innerhalb des Rates der EKD, aber auch der Landeskirchen, die sich eindeutig von rechts abgrenzen. Jetzt ist die Frage, wie stark müssen wir das theologisch qualifizieren? Ich finde, wir müssten den Begriff der Sünde neu politisieren. Theologisch gesprochen ist gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, Rassismus und Antisemitismus, Sünde. Es ist nicht einfach nur gegen das Grundgesetz, sondern zutiefst häretisch.

    Wie würden Sie das Christen erklären, die trotz rechtsextremer Mitdemonstranten auf der Demo in Berlin mitgelaufen sind?

    Das Christentum ist eine internationale, multikulturelle, auf Egalität und Menschenwürde hin ausgerichtete Religion. Migration ist nicht die Mutter aller Probleme, biblisch-theologisch ist Migration die Mutter aller Entwicklung: Abraham, die Israeliten, Jesus - wir haben viel Migration in der Heiligen Schrift. Vor Gott sind alle gleich. Das ist ein biblisch-theologischen Befund. Hierarchisierungen, wie sie Nationalisten und Reichsbürger vornehmen, sind nicht christlich.

    Vielen Dank für das Gespräch!