| BR24

 
 

Bild

Familie vor einer Kirche
© picture alliance/Friso Gentsch/dpa

Autoren

© picture alliance/Friso Gentsch/dpa

Familie vor einer Kirche

An der Wand in Stefan Hirblingers Wohnzimmer hängt noch ein schweres Holzkreuz. Eine Erinnerung an sein früheres Leben. 30 Jahre lang war er katholischer Priester in Amberg. Jetzt ist er verheiratet und hat eine zweijährige Tochter. An der Wand hängt jetzt auch ein buntes Kindermobile. Im Januar 2017 ging er zum Regensburger Bischof, um sich zu seiner schwangeren Freundin zu bekennen.

"Ich bin reingegangen als Religionslehrer und Priester, mit Amt und Würden und allen Funktionen und rausgekommen bin ich als Suspendierter ohne alle Funktionen und ohne jedes Amt." Stefan Hirblinger

Bis jetzt gilt der Zölibat in der katholischen Kirche. Ein Priester kann nicht gleichzeitig Kinder haben und seinen Dienst in der Kirche leisten. Dass es auch Ausnahmen von diesem Grundsatz gibt, deutet Klaus Metzl, Generalvikar beim Bistum Passau im Gespräch mit dem Bayerischen Rundfunk an: "Wenn mit der Mutter und den Umständen eine Lösung gefunden werden kann, kann das möglich sein. Uns ist so ein Fall nicht bekannt."

Trotz Zölibat Vater sein?

Mit der Mutter eine Lösung finden? "Das wäre bei mir wahrscheinlich auch gegangen", vermutet Stefan Hirblinger, "dass man es einfach unterm Deckel hält. Dann wäre ich jetzt wahrscheinlich nicht mit meiner Frau zusammen und hätte nur einen sehr spärlichen Kontakt zur Tochter." Wie genau mit Priestern verfahren wird, die sich gegen den Zölibat entscheiden, ist nicht allgemein geregelt.

Die bayerischen Bistümer sind vage in ihren Auskünften. Oft bekommen die betroffenen Priester ein Übergangsgeld und werden gesetzlich nachversichert. Stefan Hirblinger musste im Bistum Regensburg alle Aufgaben abgeben, selbst Religionslehrer durfte er nicht bleiben. Doch so müssen die Diözesen nicht verfahren, sagt Stefan Haering, Professor für Kirchenrecht an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

"Es ist durchaus möglich, dass ein Priester, der aus dem Priesteramt ausgeschieden und kein Kleriker mehr ist, andere kirchliche Aufgaben wahrnimmt, etwa als Religionslehrer tätig ist, wenn das Verfahren ordentlich abgeschlossen ist. Das ist denkbar und es gibt auch viele Beispiele dafür." Prof. Stefan Haering, LMU München

Eine neue Richtlinie des Vatikan zu dem Thema betont: Wenn ein Priester Vater eines Kindes wird, soll das Wohl des Kindes sein primäres Anliegen sein. Die Väter sollen sich um ihre Kinder kümmern und das Priesteramt aufgeben. Beides zusammen geht nicht: eine Lockerung des Zölibats ist erstmal nicht in Sicht.

Für den Kirchenrechtsprofessor Stefan Haering ist der Zölibat eine Kraftquelle der Kirche. Ganz anders sieht das der ehemalige Priester Stefan Hirblinger: "Ich denke um der Priester und um des Lebens willen, müsste man diese Schranke endlich aufbrechen und abbrechen." Ein verheirateter Priester könne manche Aufgaben sogar kompetenter erfüllen, so Hirblinger, besonders im Bereich der Familienberatung. Mit seiner Geschichte geht er an die Öffentlichkeit, um auf die Not von Priestern und ihren Kindern aufmerksam zu machen.