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Wenn Oscar nicht frisst: C. Bernd Sucher über Hundeliebe | BR24

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Im Münchner Literaturhaus lesen Prominente berühmte Hunde-Geschichten – und die Vierbeiner sind als Gäste willkommen.

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Wenn Oscar nicht frisst: C. Bernd Sucher über Hundeliebe

Fröhliches Gebell im Münchner Literaturhaus: Zuschauer dürfen ihre Hunde mitbringen, wenn Prominente aus berühmten Hunde-Geschichten von Virginia Woolf, Thomas Mann und Anton Tschechow lesen. Kritiker C. Bernd Sucher erklärt die Textauswahl.

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Im Saal des Münchener Literaturhauses ist ein "Abend über Hundeliebe und Literatur" angekündigt, Titel: "Die Damen und der Herr mit den Hündchen", frei nach einer Novelle von Anton Tschechow ("Die Dame mit dem Hündchen", 6. Februar, 20.00 Uhr im 3. OG). Genug Anlass mit dem Münchner Feuilletonisten und Kritiker C. Bernd Sucher zu sprechen, der neben der Verlegerin Felicitas von Lovenberg und der Schauspielerin Annette Paulmann von den Münchner Kammerspielen den Abend bestreiten wird. Barbara Knopf führte das Gespräch für die kulturWelt auf Bayern 2.

Barbara Knopf: Sie sind nicht alleine gekommen. Hund Oscar begleitet Sie. Es ist aber kein Hühnerhund wie Thomas Manns "Bauschan" aus dessen Idyll "Herr und Hund", oder?

C. Bernd Sucher: Er jagt Hühner, er ist ein Jagdhund, und es ist schwierig, draußen auf dem Land mit ihm Gassi zu gehen. Wenn irgendwo Hühner frei herumlaufen, dann werden die gezupft.

Um mal Loriot zu zitieren: Kann ihr Hund sprechen?

Nein! Wir haben eigentlich durchgehend Texte gesucht, die wirklich Mensch und Hund sind. Also nicht nur Hund. Wir haben Gedichte von Wilhelm Busch. Wir haben Loriot, den sie schon ansprachen, wir haben Virginia Woolfs Hunde-Biografie "Flush", auch Thomas Mann. Und ansonsten steht dahinter die Idee, dass wir drei, also Felicitas von Lovenberg, Annette Paulmann und ich persönliche Hunde-Geschichten erzählen. Was ist uns denn mit diesen Hunden passiert? Wenn man einen Hund hat, kommt man in Situationen, von denen man nicht wusste, dass es sie gibt.

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Start ins Hundeleben

Zum Beispiel?

Mein Hund vor Oscar, alle meine Hunde oder unsere Hunde haben immer literarische Namen. Der Hund davor hieß Balzac, deshalb heißt Oscar "der Wilde". Balzac hat es mal geschafft, in der Isar schwimmen zu gehen und abgetrieben zu werden. Ich zog mich bis auf die Unterhose aus und schwamm ihm hinterher. Also, ich schaffte es auf die gegenüberliegende Seite, aber ich hatte nur eine nasse Unterhose an und dachte, lieber Gott, bitte, bitte, erspare mir die Maximilianstraße in meiner nassen Unterhose. Und eine Frau rettete mich, weil sie brachte dann meine Kleidung auf die andere Seite.

"Der Hund frisst nichts"

Elias Canetti, der Tiere sehr gerne beobachtet hat, wenn auch immer nur aus der Ferne, der hat gesagt, wenn man ein Tier genau betrachtet, hat man das Gefühl, ein Mensch, der drinnen sitzt, macht sich über einen lustig.

Ein schönes Canetti-Zitat, ohne Zweifel! Nein, das denke ich nicht, dass in Oscar ein Mensch steckt. Ich denke nur, dass er uns irgendwie "naht", das glaube ich schon. Oscar hat drei Tage nichts gefressen, und ich bin dann mit diesem Hund in die Klinik gegangen. Ich sagte, der Hund frisst nichts, und er wurde geröntgt und ein Ultraschall gemacht, und das kostete unheimlich viel Geld und dauerte viereinhalb Stunden. Und am Schluss sagen diese netten Ärztinnen, passen Sie auf, wir probieren es mal mit Frolic. Man muss wissen, Frolic ist das Allerbilligste und Fürchterlichste, was man Hunden geben kann. Und dann frisst dieser Oscar ein Pfund Frolic. Und da fühle ich mich natürlich wirklich veräppelt. Also ich glaube schon, dass sie einen zum Narren halten.

Aber ich würde trotzdem gerne noch mal auf die Texte, die sie ausgewählt haben, Bezug nehmen. Warum haben Sie die ausgewählt, die Sie ausgewählt haben? Denn ich glaube, es gibt viel Literatur, in der Hunde vorkommen.

Ich hatte im Vorhinein nur gesagt, ich möchte unbedingt mit Frau Paulmann zusammen so im Wechselspiel aus dem "Flush" von Virginia Woolf lesen. Felicitas von Lovenberg wollte unbedingt Loriot. Es sind eigentlich persönliche Vorlieben. Wie weit wir da überhaupt kommen, wissen wir gar nicht. Diese Hunde und Hündinnen – es ist ja nur ein Hund, nämlich Oscar, die anderen sind Hündinnen – die können uns einen Strich durch unsere Rechnung machen.

© Britta Pedersen/dpa

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit Diensthund

Warum will der Hund am Klavier Pedal-Einsatz?

Die Hunde sind immer auf der Bühne mit dabei, haben Sie ja vorhin angekündigt, auch die Zuschauer bringen ihre Hunde mit.

Ja, das ist entsetzlich. Diese Vorstellung, dass ganz viele Menschen mit Hunden da sind. Also ich weiß, dass zwei Jäger mit Hunden da sind, aber Jagdhunde, die sind wohlerzogen. Da kann eigentlich nichts passieren. Bloß, wenn jetzt wirklich Zuhörer ihren Pudel mitbringen oder Spitz und so, dann kann ich für nichts garantieren. Ich bin sicher, dass Oscar dann sofort losrennt. Also, da ist kein Halten mehr, obwohl ich eine ganze Tüte voll getrockneter Lunge dabei habe. Aber die ist dann irgendwann alle. Und er rennt rum.

Es verspricht, ein legendärer Abend zu werden. Hunde haben das Image treu, aber doof zu sein. Muss ein Tier eigentlich, damit man es gern hat, intelligent sein? Zumal Oscar, der ja nach Oscar Wilde benannt ist, und davor Balzac, in einem akademischen, möglicherweise ja sogar musischen Haushalt lebt. Färbt das ab?

Ja, er liebt es, wenn ich Klavier spiele und legt sich komischer Weise in die Nähe des Pedals. Und wenn ich dieses Pedal zu wenig benutze, dann beißt er mir ganz vorsichtig in die Hacke. Wenn ich Klavier spiele, ist er immer da. Warum will er den Pedaleinsatz? Das habe ich ihn gefragt, und er hat nicht geantwortet.

Donnerstag, 6. Februar um 20 Uhr im Saal (3. OG) des Münchner Literaturhauses am Salvatorplatz. "Die Damen und der Herr mit den Hündchen", ein Abend über Hundeliebe und Literatur mit Felicitas von Lovenberg, Annette Paulmann und C. Bernd Sucher, Moderation: Marion Bösker. Im Rahmen der Ausstellung "Treue Freunde" im Bayerischen Nationalmuseum München, noch bis 19. April 2020.

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