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Wenn Killerroboter ohne menschliche Kontrolle töten | BR24

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Eine Rakete am Eurofighter in der Flugwerft Schleißheim.

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    Wenn Killerroboter ohne menschliche Kontrolle töten

    Schießen oder nicht? Bisher entscheiden das Menschen. Doch weltweit entwickeln Militärs Waffensysteme, bei denen Künstliche Intelligenz diese Entscheidung treffen soll. Darf man die Verantwortung über Leben und Tod Algorithmen überlassen?

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    Noch fliegt der Eurofighter, der in der Flugwerft Schleißheim zu sehen ist, bemannte Einsätze. Das heißt: ein Pilot feuert die Raketen ab. Doch künstliche Intelligenz könnte solche Kampfflieger bald Geschichte sein lassen.

    Entwicklung von unbemannten Flugzeugen und Schiffen

    Vor rund zwei Jahren hat der europäische Flugzeugbauer Airbus an der Ostsee erstmals unbemannte Drohnen getestet. Die Drohnen begleiten Kampfflugzeuge, der Pilot steuert vom Cockpit aus den Drohnenschwarm. Das System soll den Piloten entlasten und schützen, erklärt Airbus. Noch ist es hier der Mensch, der die Entscheidung trifft. Weltweit entwickeln Militärs allerdings Waffensysteme, bei denen Künstliche Intelligenz den Menschen immer mehr ersetzt.

    "Neu ist, dass die Entscheidung über Zielauswahl und Bekämpfung zukünftig vom Menschen weg delegiert wird, hin zu einem Algorithmus oder Computer. Das gab es in der Geschichte der Menschheit noch nie. Ganz egal, ob man Steine oder Bomben geworfen hat: bislang war das immer eine menschliche Entscheidung." Prof. Frank Sauer, Universität der Bundeswehr München

    So hat beispielsweise die US-Militärbehörde Darpa ein autonomes Roboter-Schiff entwickelt. Die Seahunter ist mit Kameras, Sensoren und Computern ausgestattet und soll feindliche U-Boote aufspüren und verfolgen. Noch sind keine Waffen an Bord, theoretisch ist das aber möglich.

    KI-Forscher und Gegner warnen vor Killerrobotern

    In Zukunft ist mit künstlicher Intelligenz aber noch viel mehr möglich. Was passieren könnte, davor warnt ein fiktives Video, das US-amerikanische KI-Forscher und Gegner von Killerrobotern als Abschreckung produziert haben. In einer Szene werden Drohnen losgeschickt, um politische Gegner aus dem Weg zu räumen. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz und Gesichtserkennung machen die Drohnen Jagd auf Studenten, die politisch aktiv sind. Die Drohnen identifizieren ihre Ziele selbstständig und töten dann gezielt einzelne Personen.

    "Technisch sind wir davon nicht weit entfernt. Der Kern der Problematik, die auch in diesem Video zum Ausdruck kommt, ist sicher, dass mit diesen neuen Technologien wir als Menschen uns sehr, sehr weit vom Akt der Tötung entfernen. Wir können nur noch grob Kategorien definieren und dann Algorithmen die Aktionen ausführen lassen und das Töten dann an den Computer delegieren." Prof. Frank Sauer, Universität der Bundeswehr München

    Darf ein Computer über Leben und Tod entscheiden?

    Der Einsatz von autonomen Waffensystemen und Killerrobotern wirft vor allem ethische Fragen auf, sagt Frank Sauer. Denn wenn Algorithmen töten, beschäftigt sich kein Mensch mehr mit dem Sterben von Menschen. Sie würden zu Datenpunkten reduziert, die von einer anonymen Maschinerie algorithmisch nur noch abgearbeitet werden. Für Prof. Stefan Bauberger von der Hochschule für Philosophie in München sind Killerroboter ein absolutes "No-Go". Diese Ansicht vertritt der Jesuit auch in Kommissionen, in der Wissenschaftler Ethikrichtlinien für den Umgang mit künstlicher Intelligenz erarbeiten. Die Entscheidung über Leben und Tod dürfe niemals an eine Maschine delegiert werden.

    Verbot von autonomen Waffen?

    Bei den Vereinten Nationen in Genf wird seit 2014 über ein Verbot autonomer Waffen beraten. Bislang ohne Erfolg. Widerstand kommt unter anderem aus Russland, den USA und China. Gestritten wird, ob autonome Waffen mit dem Völkerrecht vereinbar sind. Kritiker fürchten zudem ein Wettrüsten mit unabsehbaren Folgen.

    Mehr zum Thema "Wie Künstliche Intelligenz Mensch und Moral verändert" am 9. Oktober 2019 in STATIONEN im BR-Fernsehen und im Anschluss in der Mediathek.