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Wenn Gott verschwindet: Ein Pfarrer kämpft mit Depressionen | BR24

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Seelsorger und Pfarrer kümmern sich, wenn Patienten oder Gemeindemitglieder eine seelische Last plagt. Doch wie gehen sie damit um, wenn sie selbst an einer Depressionen erkranken?

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Wenn Gott verschwindet: Ein Pfarrer kämpft mit Depressionen

Seelsorger und Pfarrer kümmern sich, wenn Patienten oder Gemeindemitglieder eine seelische Last plagt. Doch wie gehen sie damit um, wenn sie selbst an einer Depressionen erkranken?

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Für Pfarrer Matthias Storck war seine Depression eine harte Prüfung. "Unsere christliche Botschaft ist ja eine freudige Botschaft", sagt Storck. Es sei eine Botschaft der Hoffnung, die daraus resultiere, dass Gott dem Menschen nahe gekommen sei, eine Botschaft, die Menschen stark mache und Freude verbreite.

"Wenn Sie da so mit runtergezogenen Mundwinkeln dastehen und so eine Botschaft sagen, dann ist das nicht überzeugend, das nimmt einem keiner ab." Pfarrer Storck meint: Wenn die Freude abhanden kommt, dann verschwindet auch Gott. So hat er es zumindest wahrgenommen.

Seelsorger mit verwundeter Seele

Pfarrer Matthias Storck hat ein bewegtes Leben hinter sich. Im Jahre 1978 wurden er und seine spätere Frau wegen ihres Engagements gegen den Wehrkundeunterricht in der DDR verhaftet. Sein Pfarrer hatte ihn an die Staatssicherheit verraten. Nach 14 Monaten Haft kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland frei. Daraufhin siedelte er nach Münster über und beendete sein Theologiestudium.

Nach 18 Jahren in Kirchlengern wurde er 2006 Pfarrer in Herford. Dort war er äußerst beliebt, seine Predigten bereitete er akribisch vor. Immer mit einem hohen Anspruch an sich selbst, interessant zu predigen, seinen Gemeindemitgliedern authentisch zu begegnen.

Zu viele Aufgaben führten zu Burnout

Doch die Aufgaben wurden ihm zu viel. Der Verwaltungsaufwand für die große Gemeinde mit 4.000 Gläubigen, die Verwaltung der Gebäude und der Liegenschaften kamen zu den seelsorgerischen Aufgaben dazu. Pfarrer Storck merkte, dass er selbst ins Wanken geriet. Er wurde krank. Die Diagnose lautete zunächst Burnout.

Nach sechs Wochen Auszeit im Kloster Barsinghausen kehrte er wieder zurück in den Dienst. Sofort packte ihn der Alltag, und die Kraftlosigkeit kehrte zurück. Noch stärker als vorher. Aber Matthias Storck wollte es nicht wahrhaben.

"Das ist dann eine Depression, man hat es plötzlich und gibt es nicht mal zu. Die Selbstlüge, dass ich mir nicht eingestehen wollte, dass ich krank bin. Wenn meine Frau zu mir gesagt hätte, Du bist krank, dann wäre ich beleidigt davon gegangen." Pfarrer Matthias Storck

Matthias Storck gab am 1. Oktober 2019 seine Stelle in Herford auf. Er ist nach Bielefeld umgezogen und macht nun die ersten Schritte zurück in seinen Beruf. Wenn er wieder vollständig gesund wird, kann er im Kirchenkreis Halle als Pfarrer arbeiten. Aber bis dahin ist es noch ein Weg.

"Wenn ich Menschen beistehen sollte und sie seelsorglich begleiten müsste, dann wäre ich mir nicht so sicher, ob ich ihnen das, was sie brauchen, wirklich auch geben kann", befürchtet der Pfarrer, "und so lange diese Unsicherheit da ist, möchte ich das den Menschen lieber nicht zumuten."

Die Depression fühlte sich für Storck an, als wäre Gott aus seinem Leben verschwunden - wird er wieder zurückkehren? "Es ist ein mühsamer Weg, aber der schönste Weg, den man sich vorstellen kann, ist der zu den Menschen - und da trifft man auch Gott."

Mehr zum Thema "Wege aus der Depression" am Mittwoch, 29. Januar 2020 um 19 Uhr im BR-Fernsehen in STATIONEN und im Anschluss in der BR-Mediathek.