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Wenn Erinnerung verloren geht | BR24

© BR / Tom Leitl

Alzheimer. Als die Mutter von Peggy Elfmann die Diagnose erhält, ist sie erst 55 Jahre alt. Auch für die Tochter bricht damals eine Welt zusammen. Heute hält sie ihre Gedanken zum Leben mit der demenzkranken Mutter in einem Blog fest.

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Wenn Erinnerung verloren geht

Alzheimer: Als die Mutter von Peggy Elfmann die Diagnose erhält, ist sie erst 55 Jahre alt. Auch für die Tochter bricht damals eine Welt zusammen. Heute hält sie ihre Gedanken zum Leben mit der demenzkranken Mutter in einem Blog fest.

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Wenn Peggy Elfmann läuft, werden Erinnerungen wach. Erinnerungen an ein gemeinsames Erlebnis mit ihrer Mutter. Gemeinsam haben sie einen Halbmarathon bestritten. Nach 21 Kilometern sind sie gemeinsam ins Ziel und einander in die Arme gefallen. Eine wertvolle Erinnerung, die die Tochter immer mit sich trägt.

Allein mit den Erinnerungen

Ob sich die Mutter an den Marathon erinnert, weiß Peggy Elfmann nicht. Vor neun Jahren erhielt ihre Mutter die Diagnose Alzheimer. An einem Donnerstag im August 2011 erfuhr Peggy Elfmann davon. "Es war ein Schock", erinnert sie sich. "Alles in meinem Kopf ist verschwommen."

Erst langsam versteht die junge Frau, was es heißt, dass die Erinnerung wohl für immer verloren ist. Fragen, die ihre Kindheit anbelangen und das frühe Verhältnis zur Mutter, kann nun niemand mehr beantworten. Als ihre Mutter noch geistig präsent war, standen diese Themen nicht im Vordergrund. Jetzt, wo sich Peggy Elfmann dafür interessieren würde, geht es nicht mehr.

Ein Blog als Ausweg

Vor gut einem Jahr hat die Tochter begonnen, ihre Fragen, ihre Emotionen und Erinnerungen aufzuschreiben und mit anderen zu teilen. "Alzheimer und wir", heißt ihr Blog. Denn Alzheimer betrifft die ganze Familie: Den Partner, die Enkel, die Freunde. Peggy Elfmann zeigt, wie ihre Familie mit der Krankheit der Mutter umgeht.

Außerdem verarbeitet sie ihre Gedanken in Briefen an ihre Mutter. An eine Mutter, die zwar da ist, die die Briefe aber selbst nicht mehr lesen kann und die vor allem keine Rückmeldung gibt. Durch das Schreiben findet Peggy Elfmann im Idealfall eine Antwort für sich.

Mit ihrem Blog hat die Journalistin offenbar einen Nerv getroffen. Er wurde schon für den Grimme-Online Award nominiert, außerdem arbeitet Peggy Elfmann mit der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft zusammen.

Erinnerungen aufbauen

Peggy Elfmann hat selber drei Töchter. Die Kinder stellen viele Fragen. Sie bekommen mit, dass ihre Oma anders ist als andere Großmütter. Sie kennt zum Beispiel ihre Namen nicht. Dabei würde sich Peggy Elfmann wünschen, dass ihre Kinder eine typische Enkel-Oma Beziehung-haben.

Wie sich die Kinder einmal an ihre Oma erinnern werden, ist daher ein Thema, das sie sehr beschäftigt. Damit mehr bleibt als die Krankheit, versucht Peggy Elfmann, ihren Kindern so viel wie möglich von der Großmutter zu erzählen. Von ihr als Kind, als Jugendlicher, als erfolgreicher Sportlerin, als Mutter. Von Oma Kerstin, dem Familienmenschen.

Zumal es immer wieder auch positive Momente gibt, wie Peggy Elfmann betont. So könne ihre Mutter herzhaft lachen, mit einer Freude, die alle anstecke.

Gemeinsam lachen

Mit ihrem Blog möchte Peggy Elfmann dazu anregen, mehr über Alzheimer und Demenz zu sprechen. Betroffene ruft sie auf, sich auszutauschen und zu vernetzen. Denn eines ist ihr durch die Krankheit der Mutter ganz deutlich klar geworden. Nämlich, wie wertvoll es ist, Erinnerungen zu haben und wie besonders, jemanden zu haben, mit dem man sie teilen kann. "Weil es einfach nicht selbstverständlich ist".

Hier bloggt Peggy Elfmann: https://alzheimerundwir.com/

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