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Wenn ein buddhistischer Mönch seine Robe ablegt | BR24

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27 Jahre war er "Bhante Nyanabodhi", ein buddhistischer Mönch. Bis heute leitet er das "Buddha-Haus" in der Nähe von Kempten. Doch seine Mönchsrobe hat er an den Nagel gehängt.

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Wenn ein buddhistischer Mönch seine Robe ablegt

27 Jahre war er "Bhante Nyanabodhi", ein buddhistischer Mönch. Bis heute leitet er das "Buddha-Haus" in der Nähe von Kempten. Doch seine Mönchsrobe hat er an den Nagel gehängt: Er wollte wieder einfach nur "Roland" sein.

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„Vieles ist im Umbruch, und so ist es auch bei uns…“, mit diesen Worten beginnt Roland Nyanabodhi die Bekanntgabe seiner Entscheidung im Internet. Irgendwie passt sie genau in die Corona-Zeit, in der ja auch vieles sich auflöst und neu entsteht.

Es ist der Pfingstmontag 2020, als er seine Robe ablegt, im Beisein einer buddhistischen Nonne. 27 Jahre lang war er Mönch. Die Entscheidung, die Robe abzulegen, ist über längere Zeit in ihm gereift. Jetzt will der spirituelle Leiter des buddhistischen Retreat-Zentrums Metta Vihara wieder einfach nur "Roland" sein. Doch wann nahm alles seinen Anfang?

"Würde ich am Sterbebett Reue empfinden?"

Als Roland Nyanabodhi, der damals noch "Bhante" hieß, 60 Jahre alt wurde, kamen einige Fragen in ihm hoch. Unter anderem die, was passieren würde, wenn er einmal im Sterbebett liegen würde. "Ich habe mich gefragt, ob dann ein Gefühl der Reue käme darüber, Dinge gemacht zu haben oder nicht gemacht zu haben."

Da habe er sich neu geöffnet, wie er sagt. "Ich wollte Dinge in mein Leben lassen, die ich vielleicht nicht gekannt habe. Fünf Jahre ist das jetzt her. Sein Lebensmittelpunkt ist nach wie vor die Metta Vihara, ein Ort der Stille und Herzensentfaltung, deren spiritueller Leiter Roland Nyanabodhi immer noch ist.

"Herzensschule" im Allgäuer Voralpenland

Das Retreat-Zentrum in den Allgäuer Voralpen ist ein Ort, an dem sich eine kleine Gemeinschaft darin übt, ein natürliches, einfaches und bewusstes Leben zu führen, im Einklang mit der buddhistischen Lehre, im Einklang mit der Natur.

"Metta" meint soviel wie "Güte des Herzens", und "Vihara" beschreibt eine Verweilstätte, wo liebevolle Achtsamkeit geübt werden kann. Die Ruhe und die Abgeschiedenheit haben etwas Inspirierendes: Überall auf dem Gelände stehen Kunstwerke, viele davon hat Roland Nyanabodhi selbst kreiert.

Wie "Roland" zu "Bhante" wurde

Roland Wildgruber führte einmal ein weltliches Leben. Geboren 1955 im oberbayerischen Türkenfeld hat er Architektur studiert, ist viel gereist und hat später als Landschaftsgärtner gearbeitet. Als er 1985 der deutschen Nonne Ayya Khema begegnet, verändert das sein Leben.

Er wird einer von jenen Schülern, mit denen sie einen Ort zum Üben und Weitergeben der Buddha-Lehre in Deutschland schaffen möchte. 1993 wird Roland buddhistischer Mönch und nennt sich von nun an Bhante Nyanabodhi. "Bhante" ist eine Anrede, etwa wie "ehrwürdiger Bruder". "Nyanabodhi" bedeutet "Weisheit der Erleuchtung".

Ayya Khema ist die Gründerin des Buddha-Haus-Projekts. Bei Buchenberg im Allgäu findet die Gemeinschaft später noch eine Alpengaststätte mit großem Grundstück, auf dem 1997 ein buddhistisches Waldkloster entsteht. Im gleichen Jahr stirbt Ayya Khema, Bhante Nyanabodhi übernimmt die Leitung des Buddha-Hauses und die spirituelle Leitung der Metta Vihara.

Als das Mönch-Sein an Kraft verlor

Wann genau war der entscheidende Moment, als es sich für Bhante Nyanabodhi nicht mehr zu 100 Prozent richtig anfühlte, Mönch zu sein? War es der 60. Geburtstag, als die Gedanken ans Sterbebett in ihm hochkamen und an die nicht gelebten Dinge? Oder war es, als sich die Klostergemeinschaft immer mehr auflöste?

Vor einem halben Jahr verließen die letzten beiden Mönche die Metta Vihara, zum Schluss blieb nur noch Bhante Nyanabodhi übrig. Er war nun der Einzige. "Ich habe keine Mitstreiter mehr gefunden. Da hab ich dann gedacht, ja vielleicht soll’s nicht sein, vielleicht ist ganz einfach etwas anderes angesagt", sagt Roland rückblickend.

Erleuchtet werden - ein unerreichbares Ziel?

Mönch sei er natürlich geworden mit dem Ziel der Erleuchtung, des völligen Befreitseins von Leid. Erst nachträglich versteht er, dass es für ihn auf etwas anderes ankommt: "Es hat sich so entwickelt, dass ich eigentlich immer mehr zufrieden bin mit dem, was ist. Das gelingt mir immer mehr".

Seit drei Jahren lebt Tanja Kaller in der Metta Vihara, auch sie hat hier die Stille gesucht und das Meditative. Buddhistin ist sie schon seit 17 Jahren. Inzwischen sind sie und Roland ein Paar. Gemeinsam mit ihr will er das Motto leben, mit dem er das Buddha-Haus-Projekt überschrieben hat: "Offen und weit, licht und leicht, ganz entspannt".

Dem Buddhismus fühlt er sich nach wie vor tief verbunden, daran hat das Ablegen der Mönchs-Robe nichts geändert.