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Wenn der Pfarrer die Kirche auf den Marktplatz zieht | BR24

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Die Zahl der Kirchenaustritte steigt - und damit auch die Zahl der Kirchgänger. Kein Grund Trübsal zu blasen, findet Pfarrer Heiko Kuschel. Um Vertrauen zurück zu gewinnen und ins Gespräch zu kommen, schiebt er seine Kirche zu den Leuten.

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Wenn der Pfarrer die Kirche auf den Marktplatz zieht

Die Zahl der Kirchenaustritte steigt, die Zahl der Kirchgänger sinkt. Kein Grund Trübsal zu blasen, findet Pfarrer Heiko Kuschel. Um Vertrauen zurück zu gewinnen und ins Gespräch zu kommen, schiebt er seine Kirche zu den Leuten.

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Wie sieht die Zukunft der katholischen und evangelischen Kirche aus? Einer aktuellen Prognose zufolge nicht zu gut. Bis 2060 soll sich die Zahl der Gläubigen in beiden Konfessionen fast halbieren. Beide Kirchen in Deutschland stehen vor dem größten Wandel und der vielleicht größten Herausforderung ihrer Geschichte.

Wenn die Leute nicht mehr in die Kirche kommen ...

Um Vertrauen zurückzugewinnen, gehen der evangelische Pfarrer Heiko Kuschel und der katholische Pastoralreferent Ullrich Göbel in Schweinfurt ungewöhnliche Wege. Wenn die Menschen nicht mehr in die Kirche kommen, dann muss die Kirche zu den Menschen gehen bzw. gezogen werden - so ihr Credo.

Im Hinterhof der Heilig-Geist-Kirche machen sie daher die Wagenkirche startklar: eine Holzkonstruktion auf einem knapp vier Meter langen Gestell auf Rädern. Im Glockenturm ist ein Lautsprecher verbaut und natürlich gibt es auch eine Kirchturmuhr, die die Zeit anzeigt.

... muss die Kirche zu den Leuten rollen!

Jeden zweiten Freitag zwischen 12 und 14 Uhr rollt die Wagenkirche scheppernd durch die Schweinfurter Innenstadt. In einem kleinen Dialog bringt das ökumenische Duo Themen auf den Marktplatz, die ihnen gerade wichtig sind: Fußball oder die Europawahl – sie unterhalten sich über Themen aus dem Alltag. Wenn es schnell gehen muss, schaut Heiko Kuschel dafür am Morgen auch mal in den Twitter-Trends nach. Oberflächlich bleibt das gerade mal vier Minuten lange Gespräch trotzdem nicht – immer ist auch ein Standpunkt dabei.

Seelsorgegespräche und Beschimpfungen

Und dann besteht natürlich Gelegenheit für Gespräche. Die beiden haben schon viel erlebt, erzählt Göbel: "Wir hatten schon die Situation, dass wir beide im Gespräch waren. Da hatte Heiko ein Seelsorge-Gespräch und ich wurde daneben beschimpft. Das war schon krass, das muss man verdauen."

Auch wenn heute keiner kommt, um über die angesprochenen Themen zu diskutieren. Fast alle Passanten bleiben kurz stehen, hören hin oder lächeln beim Anblick der kleinen Wagenkirche. Die meisten Passanten in Schweinfurt finden die Idee gut. "Ist doch schön, wenn Kirche rauskommt aus ihrem verstaubten Image mitten rein ins Leben. Mit Themen, die jeder kennt und bei denen jeder mitreden kann", sagt eine Frau. Eine andere pflichtet ihr bei: "Sind mutig die Männer, sich hier öffentlich hinstellen und reden macht nicht jeder!"

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Weniger Kirchgänger? Kreative Lösungen! Frank Müller ist in Aschaffenburg mit Deutschlands erster Busseelsorgerin unterwegs, besucht in Schweinfurt die Wagenkirche und entdeckt im Spessart "Secret Places", also geheime Orte.