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Weltmusik aus Texas: Khruangbin und ihr neues Album "Mordechai" | BR24

© Bayern2

Die Band Khruangbin beim Roskilde-Festival in Dänemark

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Weltmusik aus Texas: Khruangbin und ihr neues Album "Mordechai"

Rockmusik ist auch nicht mehr das, was sie einmal war, zum Glück gibt es junge Bands, die Neues wagen: Die Formation Khruangbin aus Houston, Texas, zeigt auch auf dem neuen Album "Mordechai", wie man ausgetretene Pfade meidet.

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Zwei Jungs und eine Frau – Khruangbin sind in mehrfacher Hinsicht divers, stylish und zeitgenössisch Multikulti. Hinter dem Drumset sitzt ein Afroamerikaner namens Donald Johnson, Spitzname DJ. Gitarre zupft Weißbrötchen Mark Speer, ein Typ, der bei Auftritten Langhaar-Perücken und Sonnenbrille trägt – das Image vom weißen Rockstar persiflierend. Der Bass wird von Laura Lee Ochoa bedient, eine ehemalige Kunststudentin mit lateinamerikanischen Wurzeln. Zu Beginn hat ihr Mark noch Unterricht gegeben, bis es dann ganz schnell ging: "Vor zehn Jahren hab ich mit dem Bass spielen angefangen. Damals unterrichtete ich Mathe an einer Schule, das Unterrichten fand ich zwar gut, aber das Drumherum hat mich genervt. Mark ging mit einer Band auf Tour und die brauchten einen Bassisten. Ich hatte gerade erst angefangen, mein Selbstvertrauen war gering, aber Mark hat mich überredet. Ich hab’s probiert, es funktionierte und ich schmiss meinen Lehrerjob. Nach der Tournee wollte ich dann nichts anderes mehr machen."

Rockmusik ohne Frauen? Geht gar nicht

Khruangbin spielen nicht einfach drauf los. Schlagzeuger und Gitarrist arbeiten Skizzen aus, nehmen sie auf und schicken die Aufnahmen der Bassistin. Die überlegt sich zuhause, was sie dazu spielen könnte. Was erklärt, warum die Musik dieses Trios recht luftig und fluffig wirkt. Hier wird nicht alles zugekleistert, sondern Freiraum gelassen. Rockbands, die heutzutage noch ohne Frauenbeteiligung spielen, sind ein Auslaufmodell. Khruangbin haben das kapiert. Sie kommen, obwohl sie die klassische Rock-Trio-Besetzung haben wie Cream, die Jimi Hendrix Experience und The Police, ohne Rock-Klischees aus, ohne hammerharte Gitarrenriffs oder Punkrock-Versatzstücke.

Seelenruhe zählt

In der Gospelband einer Kirche haben sie sich kennen gelernt – der dunkelhäutige Drummer und der hellhäutige Gitarrist, in derselben Gemeinde übrigens, in der auch mal Beyoncé und Solange Knowles im Chor sangen. Drummer DJ erklärt: "Das ist eine ausgefallene Kirche in Houstons Innenstadt, ein wunderbarer Ort. Hier kümmert man sich viel um Obdachlose. Viele der Gemeindemitglieder versuchen sich hier von Alkohol- und Drogenmissbrauch zu erholen. Es ist ein Schutzraum."

Die beiden mögen es jedenfalls locker, ruhig und beseelt. Wichtig ist der Groove. Alles andere findet sich. Gitarrist Speer ist zudem ein extremer Weltmusik- und Dub-Reggae-Fan: "Ich bin mit viel mit Dubmusic aufgewachsen. Das ist ja wie die Röntgen-Aufnahme von Musik. Zuerst hörst du nur den Bass und das Schlagzeug und irgendwann kommen die Vocals dazu oder ein paar Akkorde und erst da wird klar, was du bisher nicht gehört hast." Dem gruppendienlichen Spiel dieses Musikers hört man an, dass er zwar viel kennt und kann, aber nur das Allernötigste zeigt. Als hätte er die Gospelband nie verlassen, so klingt dieser versierte Gitarrist.

The World Is A Ghetto

Khruangbin ist thailändisch und heißt Flugzeug oder Fluggerät. Gemeint ist hier natürlich die Musik, die einen abheben, aufsteigen lässt, erhebt – auf spektakulär-unspektakuläre Weise. Khruangbin bedienen sich lustvoll im großen Schallarchiv der aufgezeichneten Musik. Mal ziehen sie Seventies-Thai-Funk aus der Schublade, mal verwenden sie orientalische Tonleitern, Surfrock oder Akkordfolgen der klassischen Musik. Im Grunde handelt es sich bei dieser Band also um eine Weltmusik-Combo.

Weltmusik oder Global Pop?

Auch wenn der Terminus Global Pop bei vielen Musikfans Aversionen auslöst, die drei Südstaatler beweisen, dass Weltoffenheit selbst für ein Rocktrio einen hohen Stellenwert haben kann: Man muss eben nicht immer nur Blues spielen, auch wenn man aus Texas kommt. Auf ihrem Album "Mordechai" setzen Khruangbin übrigens erstmals in größerem Umfang Vocals ein – klingt gar nicht übel. Mordechai war übrigens jene alttestamentarische Gestalt, die den Kniefall verweigerte. Was erst zu Todesdrohungen gegen die Juden in der Diaspora führte, schlussendlich aber ein Umdenken einleitete: Mordechai wurde zum angesehenen Mann an Persiens Königshof, ein Aufrechter, auf den die Leute stolz waren. Auf ihr neues Studio-Album darf dieses Rocktrio ebenfalls stolz sein.

Das Album "Mordechai" von Khruangbin ist bei Dead Oceans / Night Time Stories erschienen.

© Dead Oceans / Cargo / BR-Grafik

Da Cover des Album "Mordechai" der Band Khruangbin

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