| BR24

 
 

Bild

Männer in der Zwickmühle
© picture-alliance/dpa

Autoren

Matthias Dänzer-Vanotti
© picture-alliance/dpa

Männer in der Zwickmühle

Bayern 2-radioWelt: Wenn wir über Vereinbarkeit von Beruf und Familie reden, dann meinen wir in der Regel die Mütter, die in ihrer beruflichen Entwicklung benachteiligt sind. Stecken Männer und Väter heute nicht oft in der Zwickmühle: In der Familie werden hohe Erwartungen gestellt, im Beruf auch?

Sascha Schmidt: Dem ist so, definitiv! Das ist eine innere Zwickmühle, weil die Männer, die Väter, gerade die neuen, jüngeren Väter sagen: Ich möchte anders Vater sein, Ich möchte als Vater präsent sein, nicht wie mein eigener Vater sozusagen durch Abwesenheit glänzen und als Ernährer der Familie, sondern es gibt da eine neue Perspektive: Man möchte eine Bindung zu seinem Kind, das finde ich wunderbar, weil für Kinder ist väterliche Bindung etwas ganz ganz Wichtiges und Schönes. Und natürlich in Metropol-Regionen, da gibt es immer mehr Frauen, die auch sagen: Hey, Familie ja, aber nicht allein auf meinem Rücken!

Bayern 2-radioWelt: Nun geht’s ja nicht nur um den Arbeitgeber, der mitspielen muss, es geht auch um das Zusammenleben Frau-Mann. Viele wollen heute paritätisch Familie besetzen, beide sollen sich gleichermaßen um Kinder, um Haushalt kümmern und gleichermaßen auch die Chance auf Arbeit haben. Funktioniert das überhaupt?

Sascha Schmidt: Manchmal. Häufig ist es so, dass man doch einen Hauptverdiener hat. Sehr oft der Mann, manchmal aber auch die Frau, wenn Männer dann bewusst sagen: Ich bleibe zu Hause! Aber als Familienmodell: Es gibt einen Hauptverdiener und einen Zuverdiener. Das liegt dann häufig auch daran, dass Männer mehr verdienen, leider, immer noch für die gleiche Tätigkeit, so dass Familien dann in der Familiengründung, in der berühmten Rushhour des Lebens, also Familie gründen, Karriere machen, Führungsaufgaben übernehmen, Einfamilienhaus abbezahlen, alles zwischen 30 und 40, dass dann wenig Spielraum da ist und dann häufig geguckt wird: Wer verdient mehr?

Bayern 2-radioWelt: Was glauben denn Sie, wie sich die Familien entwickeln werden? Wird sich das paritätische Modell durchsetzen, wird es eher oldfashioned bleiben oder wird’s ganz viele Familien-Modelle nebeneinander geben?

Sascha Schmidt: Ich glaub, das letztere. Ich glaub, die Zeiten sind vorbei, in denen wir ein traditionelles Familienbild haben: die Frau zu Hause, der Mann in der Arbeit. Ich lebe in Schleswig-Holstein, auf dem Land, da ist das manchmal noch so. Ich arbeite aber auch hier in München, in einer Metropole, und erlebe andere Familienmodelle. Wir haben Regenbogen-Familien. Ich glaube, es wird immer heterogener, immer vielfältiger, immer bunter und damit auch immer herausfordernder.

Bayern 2-radioWelt: Muss da nicht auch der Umgang mit dem Arbeitsleben noch etwas bunter werden, etwas vielfältiger? Wir haben im Moment Halbtagsjobs und Ganztagsjobs - brauchen wir da nicht noch mehr Nuancen?

Sascha Schmidt: Ja, wobei die Nuancen häufig vorhanden sind. Also von 25 Prozent bis 100 Prozent - die Frage ist: Wird es angenommen? Da sind wir wieder beim Geld. Und die nächste Frage ist natürlich – Stichwort Home-Office – wenn Sie im Krankenhaus arbeiten, wenn Sie bei BMW am Fließband arbeiten, Sie können ja nicht das Auto oder die Patienten mit nach Hause nehmen, da ist jeder Arbeitgeber auch gebunden an das, was er produziert. In der IT-Branche, bei Journalisten, also bei allen, die sozusagen flexibel, digital arbeiten können, ist das schon weiter fortgeschritten, dass die da auch flexibel sind.

Autoren

Matthias Dänzer-Vanotti

Sendung

radioWelt vom 19.11.2018 - 06:05 Uhr