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Weinstein-Anklägerin schreibt Musical über sexuelle Gewalt | BR24

© Jim Ruymen/Picture Alliance

Louisette Geiss (links) mit ihrer Anwältin

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    Weinstein-Anklägerin schreibt Musical über sexuelle Gewalt

    Der frühere Hollywood-Produzent Harvey Weinstein hat mit sexuellen Übergriffen ihre Filmkarriere zerstört, so die Ex-Schauspielerin Louisette Geiss. Jetzt hat sie darüber ein Musical geschrieben, das allerdings nur als Filmversion zu sehen sein wird.

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    Es wird eine mit Spannung erwartete Uraufführung sein im Theater der Barrington Stage Company in Pittsfield/Massachusetts, auch, wenn das Musical "The Right Girl" dort wegen der Pandemie nicht live zu erleben sein wird, sondern nur in einer Filmaufzeichnung. Das besondere Interesse der amerikanischen Medien gilt dem Thema und der Autorin: Es geht um die Machenschaften des früheren Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein, der wegen einer Reihe von sexuellen Übergriffen im vergangenen März zu 23 Jahren Haft verurteilt wurde. Das Buch zum Musical hat Louisette Geiss geschrieben, eine ehemalige Schauspielerin, die das kriminelle Verhalten von Weinstein schon 2017 auf einer Pressekonferenz öffentlich gemacht hatte. So soll sich der damalige Film-Mogul vor ihren Augen selbst befriedigt haben, als er Geiss 2008 auf dem Sundance Film Festival traf, um mit ihr über einen Drehbuch-Entwurf zu sprechen.

    "Schmutziges Geheimnis"

    Im Stück, das am 1. November erstmals öffentlich präsentiert wird, geht es um eine Filmproduzentin namens Eleanor Stark, die ihr ganzes Leben davon geträumt hat, als Kreativchefin an die Spitze des fiktiven Studios "Ambrosia Productions" zu kommen. Dort allerdings erfährt sie vertraulich, dass einer ihrer mächtigen Kollegen seit Jahren Frauen sexuell belästigt und muss sich entscheiden, wie sie mit diesem "schmutzigen, aber streng gehüteten Geheimnis" umgeht.

    Beim Verfassen der Songtexte bekam Louisette Geiss Unterstützung von Co-Autor Howard Kagan und Komponistin Diane Warren, die bereits elf Mal für den Oscar nominiert war, unter anderem für "Pearl Harbour", "Armageddon" und in diesem Jahr für "Breakthrough - Zurück ins Leben". Die Regie führt Susan Stroman, die als Choreographin und für ihre Broadway-Inszenierungen vielfach mit Tony Awards ausgezeichnet wurde.

    © Dennis van Tine/Picture Alliance

    Harvey Weinstein

    Obwohl die Story fiktiv ist, sollen fast alle Dialoge, Songtexte und Situationen auf persönlichen Beobachtungen der Macherinnen und im Gerichtsverfahren bekannt gewordenen Fakten beruhen, so Kagan, der in der amerikanischen Presse mit dem Satz zitiert wird: "Unser Ziel war es vom ersten Tag an, die Stimmen all dieser Frauen zu verstärken und in Ehren zu halten, und das Publikum zu ermutigen, ihnen dabei zu helfen, die Welt zu verändern." Für Louisette Geiss war die zweijährige Arbeit am Musical nach eigenen Worten ein "Reinigungsprozess". Das Kreativteam habe sich mit insgesamt mehr als zwanzig weiblichen Opfern von sexueller Gewalt zusammen gesetzt, die von etwa einem Dutzend Männern in der Unterhaltungsindustrie missbraucht worden seien. Manches, was dort berichtet worden sei, habe noch nicht den Weg in die Presse gefunden, daher gehe es mit der Bühnenproduktion auch darum, die Vorfälle noch deutlicher anzuprangern und Betroffene zu motivieren, ihre Geschichten öffentlich zu machen.

    Eigentlich sollte "The Right Girl" in einem Off-Broadway-Theater live uraufgeführt werden, doch wegen Corona entschlossen sich die Beteiligten, bei den Mitwirkenden zuhause mit Abstands- und Hygieneregeln zu drehen und daraus eine Video-Premiere zu machen. Gleichwohl will das ganze Team am 1. November im neuenglischen Pittsfield für eine Nachbesprechung zur Verfügung stehen - dann allerdings nicht vor den 520 Zuschauern, die das dortige Theater eigentlich fasst, sondern nur vor 160.

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