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Räucherstäbchen, Symbolbild: Mediation

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    Weihrauch, Benzoe, Sandelholz - Der Duft der Religionen

    In katholischen Kirchen wird Weihrauch verbrannt, in der Ostkirche Benzoe, an muslimischen Sterbebetten wird Rosenwasser verspritzt und hinduistische Einäscherungen sollten möglichst mit Sandelholz brennen. Wie also riecht Religion?

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    Von
    • Markus Kaiser
    • Friederike Weede

    Das Alte Testament erzählt von Isaak, der im Alter seinen Sohn Esau nur am Geruch erkennen kann. Er sieht zu schlecht. Der Vater glaubt, dass er seinen einzigen Segen dem älteren seiner zwei Söhne gibt, Esau. Ihn kann er sozusagen besser riechen als dessen jüngeren Bruder Jakob. Zu spät aber bemerkt Isaak die heimtückische Täuschung. Er hat Jakob gesegnet, nicht Esau. Der jüngere Sohn trug die Kleider seines Bruders und konnte sich mit dessen Geruch das Erbe erschleichen.

    Hebräisches Wort für riechen bedeutet auch "sich ausruhen"

    Auch wenn in der Bibelgeschichte von Jakob und Esau der Geruch für einen Betrug missbraucht wird. Düfte haben in den Religionen zumeist eine positive Bedeutung, was bereits an der Mehrdeutigkeit des hebräischen Begriffs für Geruch und Riechen zu erkennen ist, so die Judaistik-Professorin Susanne Talarbardon von der Universität Bamberg. "Reah" bedeute nicht nur riechen, sondern auch "ausruhen" oder "sich erleichtert fühlen" oder "weit sein", so Talarbardon. "Das ist eigentlich eine sehr schöne Vorstellung, die schon sehr physisch ist. Wenn man zum Beispiel Bauchatmung betreibt, merkt man das. Und was mit dem Wort riechen sehr stark zusammenhängt im hebräischen ist das Wort 'ruah' – und das heißt 'Geist'."

    Im Judentum kennt man das Ritual Hawdala: Am Samstag zur Abenddämmerung nehmen die Juden vom Ruhetag Schabbat Abschied und zwar mit allen Sinnen. Dabei wird an Früchten oder Kräutern in der Besamimbüchse gerochen, so Susanne Talarbardon. "Man macht eigentlich das, was man selber als angenehm empfindet." Sie habe mit ihrer Tochter immer kleine Auseinandersetzungen, weil sie selbst Zitrusdüfte mag, die Tochter aber nicht. "Das muss man sozusagen aushandeln, wir haben auch schon an Rosmarin gerochen. Die Idee ist, den Schabbat mit allen Sinnen nochmal ganz tief in sich aufzunehmen, damit die Freude und das Wohlbefinden möglichst lange noch in der Woche anhält."

    Rauch soll böse Geister vertreiben

    Viele Kulturen verbrennen Kräuter, Harze oder Sandelholz, um böse Geister zu vertreiben. Der Rauch soll beruhigend und reinigend wirken. Jaganat Gardezi vertritt die afghanischen Hinduisten in Frankfurt am Main. Sie verbrennen Räucherstäbchen bei allen religiösen Ritualen im Tempel, aber auch bei privaten Angelegenheiten. An den Fastentagen würden die Räucherstäbchen genutzt, aber auch bei einem Hauskauf. Da sei es ein Zeichen des Danks.

    Welcher Geruch beim Räuchern verwendet wird ist Geschmackssache, er muss nur natürlichen Ursprung haben, wie Hölzer, Moschus oder Amber.

    Kein Fäulnisgeruch in Heiligengräbern

    Im Neuen Testament spricht der Apostel Paulus im zweiten Korintherbrief vom "Wohlgeruch Christi" und der könne als "Nähe zu Gott" interpretiert werden, so Klaus Metzl, Stadtpfarrer in Altötting: "Man spricht ja den Heiligen insgesamt einen guten Duft zu." So sei überliefert, dass aus Heiligengräber nie ein Fäulnisgeruch, sondern ein wohlriechender Duft gekommen sei. "Und deswegen bringt man ja auch am Hochfest Mariä Himmelfahrt die Kräuter dar und macht die Buschen aus den verschiedenen Heilkräutern."

    Gut riechenden Substanzen wird in der christlichen Tradition eine heilende Wirkung zugeschrieben: Das Salböl Chrisam, aus Olivenöl und süßlich riechenden Balsamen, steht für Gesundheit, Stärke und Glück. Und der Weihrauch wurde früher auch zur Desinfektion der Luft verwendet. Weihrauch in Santiago de Compostela etwa kann den gesammelten Schweiß der Jakobs-Pilger übertünchen.

    Beim Weihrauch geht's um die Optik

    Der eigentliche Zweck des Weihrauches hat in der katholischen Kirche allerdings weniger mit seinem Duft als mit seiner Optik zu tun. Er steht für das Gebet, das zu Gott aufsteigt. Hierzulande bekannt als typisch katholischer Kirchengeruch, ist der Weihrauch in anderen Ländern ein Alltagsduft, weiß Roland Lackner, der in seinem Online-Shop "rauchtum" das Harz des Weihrauchbaums Boswellia zum Räuchern verkauft.

    Seiner Meinung nach kommt der beste Weihrauch der Welt nach wie vor aus dem Oman. "Und es wird auch nach wie vor gerade im Oman praktiziert, dass man sich mit dem Weihrauch parfümiert, das heißt, man stellt sich über eine Schale mit Räucherkohle und Weihrauch darauf und lässt den Rauch aufsteigen und der legt sich in die Kleidung mit einem sehr angenehmen, wohltuenden, hebenden Geruch." Nicht zuletzt wegen seiner desinfizierenden Wirkung wird Weihrauch-Harz auch gekaut und ist als historischer Vorläufer des Kaugummis ein Mittel gegen Mundgeruch.

    Prophet Mohammed empfiehlt Parfüm

    Auch Muslime legen viel Wert auf die Körperpflege vor dem Freitagsgebet. Hierzu sollen sie den besten verfügbaren Geruch auftragen, empfiehlt der Prophet Mohammed. Viele Muslime greifen zu Parfümen mit Halal-Siegel, die keinen Alkohol enthalten. Der Prophet selbst soll Moschus- und Amber-Duft bevorzugt haben. Auch Bergamotte, Lavendel, Jasmin und Henna verbreiten ihren Geruch im Islam.

    Als Duft des Paradieses gilt aber der Rosenduft, sagt Gönül Yerli, Vizedirektorin der Islamischen Gemeinde in Penzberg. "Das ist eine Tradition, die geblieben ist, in diesen Lebensphasen wie Geburt oder Hochzeit oder der Tod, dass dann zu den Festtagen die Gäste begrüßt werden, dass ihnen dann Rosenwasser gereicht wird, das man sich in die Handflächen reibt und sich an den Paradiesduft sozusagen schon mal einstimmt." Muslimische Babys hingegen brauchen kein Parfüm. Ihr Körpergeruch alleine gilt bereits als paradiesischer Duft. "Die Eltern oder die Verwandtschaft begrüßt das Kind mit den Worten: Du riechst, wie das Paradies riecht. Also der Duft des Paradieses wird sozusagen mit hier auf die Erde gegeben."

    Die Düfte der Religionen stehen für Glück, Ruhe, die Nähe zu Gott oder das Paradies. Dabei gilt in der Regel: Wo es gut riecht, ist das Böse fern.

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