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Weihnachten: Die Geburt Jesu in Judentum und Islam | BR24

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Christkind in der Krippe

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    Weihnachten: Die Geburt Jesu in Judentum und Islam

    Weihnachten wird nicht nur von Christen gefeiert. Konfessionslose, aber auch Menschen aus anderen Religionen kaufen Weihnachtsgeschenke oder stellen einen Christbaum auf. Doch was erzählen ihre heiligen Bücher über die Geburt Jesu?

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    Von
    • Nabila Abdel Aziz

    Die schwangere Maria irrt mit Josef auf Herbergssuche von Haus zu Haus. Schließlich finden sie in einem Stall Zuflucht. Zwischen Ochs und Esel kommt Jesus zur Welt. Maria legt ihn in eine Krippe, drei Weise aus dem Morgenland kommen zu Besuch. Die christliche Version der Geschichte findet sich im Matthäus- und im Lukasevangelium.

    Jesus im Judentum

    "In außerchristlichen Quellen kommt Jesus nur sehr vereinzelt vor", sagt der Rabbiner und jüdische Theologe Walter Homolka von der Universität Potsdam, "etwa mit einigen Sätzen bei Flavius Josephus, einem jüdischen Geschichtsschreiber des ersten Jahrhunderts." Auch im Talmud - einer jüdischen Schriftensammlung - wird Jesus nur in wenigen kurzen Sätzen erwähnt, teilweise kryptisch oder auch kritisch.

    Das hat etwas mit der Verfolgungssituation zu tun, unter der Juden im Mittelalter litten. Sie konnten nicht frei über Jesus schreiben. Erst im 18. und 19. Jahrhundert beginnen Juden damit, sich intensiver mit dem Leben Jesu zu befassen. Die Figur des historischen Jesus ist jetzt kein Tabu mehr. Jakob Enden und Moses Mendelssohn seien der Frage nachgegangen, ob dem Christentum nicht eine positive Seite abzugewinnen sei, so Walter Homolka.

    Allerdings stehen auch in dieser Auseinandersetzung mit Jesus die Umstände seiner Geburt nicht im Vordergrund. Die Vorstellung einer unbefleckten Empfängnis sei einfach zu weit von jüdischen Ideen entfernt.

    Jesus im Islam

    Ganz anders sieht es im Islam aus. Als jüngste der großen monotheistischen Religionen befassen sich die muslimischen Quellen ausführlich mit dem Leben und der Geburt Jesu. Der Koran erwähnt Jesus 24 Mal, so Farid Suleiman, islamischer Theologe an der Universität Erlangen. Den Propheten Muhammad dagegen nur vier Mal. Allerdings ist Jesus im Islam nicht Gottes Sohn, sondern ein Prophet unter anderen Propheten.

    Die Geburt Jesu wird in der 19. Sure des Koran mit dem Namen "Maria" beschrieben. "Der Engel Gabriel wird zu Maria geschickt, um sie zu benachrichtigen, dass sie ein Kind empfangen wird und sie ist sehr verwundert, weil sie keine sexuellen Beziehungen zu einem Mann hatte", erklärt Farid Suleiman. "Und der Engel sagt ihr, er kann Jesus auch so erschaffen."

    Im Islam gibt es ebenso wie im Christentum die Idee der unbefleckten Empfängnis. Allerdings werden die Umstände der Geburt anders als im Christentum überliefert. Maria hat keinen Josef an ihrer Seite und bringt Jesus alleine unter einer Dattelpalme zur Welt. Nur der Engel Gabriel ist bei ihr, der ihr tröstende Worte zuspricht. Gott lässt Datteln auf sie regnen und erschafft für sie einen kleinen Bach mit Trinkwasser.

    Koran: Unbefleckte Empfängnis und keine Spur von Josef

    Der Engel Gabriel sagt zu Maria über Jesus: "Wir machen ihn zu einem Zeichen für die Menschen und zu einer Barmherzigkeit von uns." Auffällig in der koranischen Erzählung ist, wie viel Platz Maria eingeräumt wird, sagt Farid Suleiman. Ähnlich wie im Christentum, ist nicht nur Jesus sondern auch Maria von heilsgeschichtlicher Bedeutung.

    "Maria wird natürlich nicht als Muttergottes gesehen", so Farid Sulaiman, "aber sie ist eine wichtige Figur im Koran, die an sehr vielen Stellen vorkommt und gelobt wird als Vorbild für die Menschen. Es gibt sogar Stimmen in der islamischen Tradition, die Maria als Prophetin ansehen."

    Das heilige Kind im alten Ägypten

    Die Vorstellung einer Frauenfigur, die ein heiliges Kind gebiert, sei älter als die monotheistischen Religionen selbst, sagt die Ägyptologin Sylvia Schoske, Direktorin des Ägyptischen Museums in München. In der ägyptischen Mythologie finde sich auch so etwas wie die Weihnachtsgeschichte: Die Geburtslegende der Pharaonen, der alt-ägyptischen Könige.

    Darin heiße es am Anfang: "Der Göttervater beschließt, den nächsten König zu zeugen", so Schoske, "und er schickt einen Boten, um die große königliche Gemahlin über diesen Plan in Kenntnis zu setzen." Ähnlich wie der Engel Gabriel, der in Bibel und Koran Maria von der Geburt Jesu erzählt. Irgendwie weihnachtet es also in vielen Religionen.

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    Sendung

    Bayern 2 am Sonntagvormittag

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    • Nabila Abdel Aziz
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