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Durch die Corona-Pandemie ist alles anders. Schon im Spätsommer machen sich Kirchenverantwortliche Gedanken über Weihnachten und überlegen sich Notfallszenarien, wie Gottesdienste gefeiert werden können.

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Weihnachten 2020: Die Befreiung aus dem Hamsterrad

In drei Monaten ist Heiligabend und wegen Corona wird er heuer ganz anders gefeiert werden als sonst. Der Theologe Werner Tiki Küstenmacher sieht die Pandemie auch als heilsame Unterbrechung, die für ein unvergessliches Weihnachten sorgen wird.

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Von
  • Andrea Neumeier

Für den evangelischen Theologen, Künstler und Autor Werner Tiki Küstenmacher ist es nicht zu früh, im September an Weihnachten zu denken. Weihnachten sei "ein ganz wichtiges Fest und wir wissen, dass es anders wird", sagt der Theologe in der Bayern 2-Sendung Theo.logik. Corona werde Weihnachten in diesem Jahr zu einem anderen Fest machen, so Küstenmacher. Und wenn früh genug darüber nachgedacht wird, wie Weihnachten in diesem Jahr trotz Corona, mit Abstand, Maske und Hygienekonzept zu einem schönen Fest wird, muss es nicht zu einem "Not-Weihnachten" werden.

Weihnachten auf dem Dorfplatz, im Park oder auf dem Friedhof

Beim Stichwort Weihnachten denken viele zurück an Ostern 2020 - an damals, als während des Lockdowns keine Familientreffen und Gottesdienste möglich waren. Viele sprechen mittlerweile von Ostern, dem Fest, das "ausgefallen" ist. "Das war auch mein Gefühl", sagt Werner Tiki Küstenmacher. Trotzdem: "Ich finde es immer schrecklich, darüber zu klagen, was wir nicht mehr haben. Wir können die Einschränkungen und die Tatsache, dass es Corona gibt, nicht ändern, auch wenn wir noch so viel klagen. Lasst uns darüber sprechen, was wir daraus machen können." Küstenmacher will Corona zwar nicht als "Chance" sehen, aber zumindest als eine "Unterbrechung", ein "Disruption" des Normalen.

Der Theologe lobt die vielen Ideen, den Weihnachtsgottesdienst auf dem Dorfplatz, im Park oder auf dem Friedhof zu feiern und betrachtet es als "Glücksfall, etwas mal ganz anders zu machen". "Ich habe eine Idee entdeckt, die wollen so eine Art Stationen-Weihnachten machen, auf dem Campus der Kirche. Drumherum kann man Lieder singen, ein Krippenspiel sehen", berichtet Küstenmacher. Man könne Weihnachten nicht nur im Gottesdienst feiern, der einen Anfang und ein Ende habe, sondern es auch als ein Event begreifen. "Lasst uns alles probieren, lasst uns experimentieren, ich bin da sehr optimistisch, dass dieses Weihnachten 2020 ganz besonders berührend wird", meint der Theologe.

Ein Fest zu Hause

Werner Tiki Küstenmacher persönlich freut sich in drei Monaten auf ein "Weihnachten zu Hause im kleinen Kreis". Der Bayerische Rundfunk und das Weihnachtsprogramm auf Bayern 2 habe ihm und seiner Frau in den 80er Jahren nach einem furchbaren Gottesdienst schon mal den Heiligabend gerettet.

Auch von anderen Religionen könne man lernen, wie dort Feste gefeiert werden. "Ich versuche von den Juden zu lernen. Bei den Juden sind die Feste Feste in der Familie, es sind Feste zu Hause. Die Synagoge spielt bei den Juden längst nicht die Rolle, die die Kirchen bei uns spielen", erklärt der Theologe. Er appelliert, daran zu denken, wie sich das Christentum entwickelt hat: mit Treffen in den Wohnhäusern. Daheim Weihnachten in der Familie zu feiern, habe für ihn etwas Urtümliches. Immerhin bleibe in überfüllten Gottesdiensten das Besinnliche häufig auf der Strecke.

Interkontinentales Weihnachten durch digitale Medien

Privat ist Werner Tiki Küstenmacher an Weihnachten auf digitale Medien angewiesen und plant den Ablauf schon weit im Voraus: "Unsere Familie ist auf mehrere Länder verteilt. Unser Sohn lebt mit seiner Frau und dem Enkelkind in Australien, da sind wir darauf angewiesen, das irgendwie medial zu machen und da gibt es großartige Möglichkeiten. Wir planen unser Weihnachten schon jetzt, dass wir es interkontinental veranstalten können", sagt Küstenmacher.

Auf die Frage, was ihm in der Corona-Pandemie aktuell besonders fehlt, antwortet er, das Oktoberfest fehle ihm nicht. "Mir fehlt gar nicht so viel. Ich persönlich habe Corona sogar als etwas Heilsames empfunden. Ich habe im Januar meinen Kalender angeschaut für 2020 und hatte so den Verdacht: Oh je, ich hab mir zu viel vorgenommen", erzählt der Theologe. Vor Corona wurde er bestimmt durch den Arbeitsalltag und Alltagsrituale. In Corona-Zeiten, mit Homeoffice und weniger Terminen, würden die Menschen wieder selbst ihren Rhythmus bestimmen und dem Hamsterrad entfliehen.

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