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Wegen Roman Polanski: Vorstand der César-Akademie zurückgetreten | BR24

© Beata Zawrzel/Picture Alliance

Roman Polanski

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    Wegen Roman Polanski: Vorstand der César-Akademie zurückgetreten

    Die französische Filmbranche ist in Aufruhr, seit Polanskis Dreyfus-Drama "Intrige" für den wichtigsten Preis des Landes nominiert wurde. Dem Regisseur wird vorgeworfen, 1975 eine Frau vergewaltigt zu haben. 400 Filmschaffende fordern Konsequenzen.

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    Die gesamte Führung der französischen Académie des Césars ist zurückgetreten, um den Weg für eine umfassende Reform der Institution frei zu machen, was Pariser Zeitungen als "Blitzeinschlag" bewerteten. Die Verantwortlichen, darunter der 70-jährige Vorsitzende Alain Terzian, hatten Roman Polanskis Drama über die Dreyfus-Affäre, "Intrige" ("J'accuse"), in zwölf Kategorien für die französische Filmauszeichnung César" nominiert, darunter auch als "bester Film" und "beste Regie-Leistung". Am 28. Februar werden die Preise verliehen. Schon die Nominierungen empörten zahlreiche Filmschaffende und Frauenrechtlerinnen, weil Polanski seit vielen Jahren wegen angeblicher sexueller Belästigungen und einer möglichen Vergewaltigung im Jahr 1975 heftig umstritten ist. In den Vereinigten Staaten droht Polanski (86) ein Prozess wegen Sex mit einer Minderjährigen, den er bereits 1977 einräumte. Zu einer gerichtlichen Klärung kam es jedoch nie, da der Regisseur die USA verließ.

    General-Aussprache geplant

    Seitdem musste sich Polanski weiteren Vergewaltigungsvorwürfen stellen, weswegen die Premiere von "Intrige" in Paris im vergangenen November zu öffentlichen Protesten führte. Namentlich die Fotografin und Schauspielerin Valentine Monnier beschuldigt Polanski. Der Regisseur war im Mai 2018 wegen der Vorwürfe aus der Oscar-Academy ausgeschlossen worden, schaltete jedoch Anwälte ein, um sich in die wichtigste Filmakademie der Welt wieder einzuklagen. Beim obligatorischen César-Lunch der Nominierten am vergangenen Sonntag sorgte Polanski durch seine Abwesenheit für eine gedrückte Stimmung. Auch sein Hauptdarsteller Jean Dujardin war nicht erschienen.

    Reaktionen widersprüchlich

    Der französische "Figaro" zitiert mehrere Filmschaffende mit Reaktionen auf Polanskis Verhalten. "Wir haben den Eindruck, dass es in diesem Jahr ein Vorher und ein Nachher geben wird", sagte der Regisseur Olivier Nakache. "Die Mitglieder der Akademie haben gewählt, sie finden den Film gut. Er hat das Publikum berührt. Was wollen Sie, wir werden niemanden ins Gefängnis bringen, weil er die Öffentlichkeit berührt hat", äußerte sich der Regisseur Arnaud Desplechin und ergänzte: "Ein Filmprofessor sagte einmal zu mir: Eine Kinokarte ist wie ein Stimmzettel." Auch Akademie-Chef Terzian hatte betont, seine Institution sei "keine moralische Instanz".

    Dagegen betonte die Schauspielerin Nina Meurisse, die in der Kategorie beste Nachwuchsdarstellerin für "Camille" nominiert ist, sie habe Polanskis Film nicht gesehen und werde das auch nicht nachholen, weil sie "dessen Werte nicht teile". Ähnlich formulierte es die französische Gleichstellungs-Ministerin Marlène Schiappa: "Für mich ist es unmöglich, dass ein Theaterpublikum aufsteht und dem Film eines Mannes applaudiert, der wiederholt der Vergewaltigung beschuldigt wird." Sie frage sich, welche Botschaft die Beteiligten Opfern sexueller Gewalt damit sendeten.

    © Stanislaw Rozpedzik/dpa

    Sorgt für Unruhe: Roman Polanski

    Wie es aus der César-Akademie hieß, die von einem 21-köpfigen Direktorat geleitet wird, soll nach dem 28. Februar so schnell wie möglich ein neuer Vorstand gewählt werden, um wieder "Ruhe einkehren" zu lassen. In der Zeitung "Le Monde" hatten 400 Filmschaffende, darunter Omar Sy, Michel Hazanavicius, Jacques Audiard und Marina Foïs, eine "tiefgreifende Reform" angemahnt und der Institution "Intransparenz" und veraltete Statuten vorgeworfen. Bei der anstehenden Neuwahl des Führungsgremiums soll es nun auch eine General-Aussprache über die "Modernisierung" geben.

    Kulturminister zurückhaltend

    Der César ist Frankreichs nationaler Filmpreis, benannt nach dem Bildhauer César Baldaccini. Kulturminister Franck Riester reagierte zurückhaltend. Die Académie des Césars sei privatrechtlich organisiert, bekomme keine öffentlichen Gelder und solle ihre Unabhängigkeit bewahren, teilte er via Twitter mit. Die neue Führung sollte es ermöglichen, das französische Kino in seiner ganzen Vielfalt zu zeigen. Die Akademie hat 4.700 Mitglieder, allesamt Filmprofis. Um aufgenommen zu werden, müssen sie mindestens zwei Patenschaften haben und in fünf Jahren an mindestens drei Spielfilmen beteiligt gewesen sein. Die Akademie selbst wird von der Vereinigung zur Förderung des Kinos (APC) geleitet, der Roman Polanski angehört.

    Polanskis Film "Intrige" handelt von dem Offizier Alfred Dreyfus, der 1894 zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt wurde. Die Dreyfus-Affäre war einer der größten Justizirrtümer Frankreichs.

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