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Polizei-Einsatz in Hongkong: Szenenbild aus "Do Not Split"

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    Wegen Hongkong-Doku: Oscar-Gala soll in China ignoriert werden

    Der Druck wächst: Die chinesische Medienaufsicht ist alarmiert, weil in diesem Jahr für die Oscars eine Kurz-Dokumentation über die "Regenschirm-Revolution" in Hongkong nominiert wurde. Jetzt ist fraglich, ob die Gala in China zu sehen sein wird.

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    Von
    • Peter Jungblut

    Viel Aufregung um 35 Minuten: In Hollywood, und nicht nur dort, wird so mancher Filmproduzent inständig hoffen, dass die Academy am 26. April bei der nächsten Oscar-Preisverleihung nicht den Kurzfilm "Do Not Split" des Norwegers Anders Hammer auszeichnet. Für diesen Fall ist damit zu rechnen, dass Chinas Autoritäten sehr unwirsch reagieren werden. Schon wegen der Nominierung gibt es hinter den Kulissen erhebliche Irritationen. In dem Film geht es um die Unruhen in Hongkong: Neben Massenprotesten sind auch Gewaltszenen zu sehen, außerdem wird die zunehmende Verzweiflung der Demonstranten nach der Verabschiedung drakonischer neuer Sicherheitsgesetze gezeigt.

    Lokale Sender sollen Oscars ignorieren

    Die chinesische Zensurbehörde soll nach Informationen des Nachrichtendienstes Bloomberg und der Hongkonger Tageszeitung "Apple Daily" lokale Medien angewiesen haben, die Oscar-Gala keinesfalls live zu übertragen und das Thema in diesem Jahr überhaupt so weit wie möglich zu ignorieren. Nur "unumstrittene'" Preise sollen demnach Erwähnung finden.

    Der "Hollywood Reporter" (THR) beruft sich auf Quellen beim chinesischen Staatsfernsehen CCTV, wonach noch nicht abschließend entschieden wurde, ob dort eine Übertragung der Zeremonie in irgendeiner Form in Frage kommt. Offenbar warten die Verantwortlichen noch auf Anweisungen. Normalerweise wird die Oscar-Nacht auf M1905 gestreamt, einem Angebot des Filmkanals CCTV6. Weil die Oscarverleihung durch die Zeitverschiebung in China stets auf einen Montagmorgen fällt, sendet das Staatsfernsehen üblicherweise abends einen Zusammenschnitt.

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    Protest gegen die Diktatur: Demonstrant in Hongkong

    Die Oscars sorgen bei Chinas vielen Filmfans traditionell für Aufregung und haben in der Volksrepublik ein dankbares Publikum. Doch die Gala fällt in diesem Jahr in eine Zeit, in der es zwischen Hollywood und Peking erhebliche Spannungen gibt. So ist die Regisseurin des Oscar-Favoriten "Nomadland" über das Leben amerikanischer Wohnwagen-Bewohner am Rande der Gesellschaft, die gebürtige Chinesin Chloé Zhao, in ihrem Heimatland wegen angeblich verfänglicher Interview-Äußerungen in Ungnade gefallen.

    Geldgeber zunehmend nervös

    Sie hatte vor vielen Jahren behauptet, in China gebe es "überall Lügen", wobei gar nicht klar war, ob das politisch oder eher persönlich gemeint war. Seitdem ist offen, ob "Nomadland" im Reich der Mitte anlaufen kann und damit verbunden sind auch Blockbuster-Starts noch in der Schwebe, was Hollywood sehr umtreibt. Chinas Kinomarkt ist der größte und lukrativste der Welt, was die Nervosität vieler Geldgeber erklärt.

    In diesem Jahr ist mit "Better Days" übrigens als bester Auslandsfilm auch ein Werk des Hongkonger Regisseurs Derek Tsang Kwok-cheung nominiert. Es geht darin um eine idealistische chinesische Jugendliche in Peking, die von ihren Klassenkameraden gemobbt wird und mit der Polizei sehr schlechte Erfahrungen macht.

    In Hollywood wird darauf verwiesen, dass China schon die Oscar-Gala 2019 zensierte. Damals wurde aus "schwulen Männer" in der chinesischen Fassung "besondere Gruppen". Und Stargast Lady Gaga, die sich für die Unabhängigkeit Tibets einsetzt, wurde teilweise aus der Show rausgeschnitten.

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