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Wegen Corona: Galway verlängert sein Jahr als Kulturhauptstadt | BR24

© Audio: BR/ Bild: Thomas Spickhofen

Erst Schlechtwetter, dann Pandemie: Galways Jahr als Europäische Kulturhauptstadt lief anders als geplant

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Wegen Corona: Galway verlängert sein Jahr als Kulturhauptstadt

Geplant waren 2.000 Events: Wegen Covid-19 konnte die Europäische Kulturhauptstadt Galway aber nur einen Teil ihres Programms realisieren. Jetzt geht die irische Stadt in die Nachspielzeit – bis Ende April 2021. Und hofft doch noch auf Besucher.

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Von
  • Thomas Spickhofen

In den Trailern von Galway2020 heißt es schon seit einiger Zeit: "Das ist ein Jahr wie kein anderes – eins, wie es sich keiner hätte vorstellen können." Das Kulturhauptstadtjahr ist für Galway so gar nicht nach Plan verlaufen. Das ging schon Anfang Februar los, als die große Eröffnungsveranstaltung im wahrsten Sinne des Wortes kurzfristig abgeblasen wurde: Sturmtief Chiara fegte über das Land und ließ das geplante Groß-Event mit 45.000 Zuschauern unter freiem Himmel nicht zu.

Geplant waren rund 2.000 Kulturhauptstadt-Veranstaltungen

Trotzdem freute sich Galway auf die bevorstehenden Monate. Die kleine Stadt an der Westküste der irischen Insel, direkt am Atlantik, ist sonst mehr ein Geheimtipp am Rande des Kontinents, jetzt wollte sie im Rampenlicht stehen und zigtausende Besucher empfangen. Declan Collins zum Beispiel, Musiker und Musiklehrer, war voller Optimismus: "Das wird toll, das wird brillant, wir freuen uns alle. Das wird ein tolles Jahr, das bringt uns noch weiter nach vorn. Es wird viele Bands von auswärts geben, wir selbst werden auch neues Publikum haben. Wir werden viele neue Leute kennen lernen. Das wird großartig, da kommen viele Menschen zusammen."

Und dann kam die Pandemie. Auch Irland ging in den Lockdown, teilweise strikter als andere, und Galway ist vom Rest Europas aus auch nicht grade leicht zu erreichen. Rund 2.000 Veranstaltungen waren ursprünglich geplant gewesen. Vieles davon konnte gerettet werden, sagt Marilyn Gaughan-Reddan, die Programmchefin von Galway2020, im Oktober in einem Fernseh-Interview. "Wir werden das Versprechen unserer Bewerbung von 2016 halten. 70 Prozent der Veranstaltungen konnten nun doch in irgendeiner Art und Weise stattfinden, das immerhin haben wir geschafft."

Rund eine Milliarde Euro weniger eingenommen

Aber das meiste fand nun, wie auch anderswo, nur online statt: Lesungen, Theatervorstellungen, Livestream-Konzerte. Dazu ein paar Außenveranstaltungen, beeindruckende Licht-Installationen, fantasievolle Spielereien mit Skulpturen – aber der große Ansturm von Gästen blieb natürlich aus. Fachleute schätzen, dass rund eine Milliarde Euro an Einnahmen nicht reingekommen sind, mit denen man eigentlich im Kulturhauptstadtjahr gerechnet hat. Das Programm von Galway2020 wird jetzt gestreckt bis Ende April in der vagen Hoffnung, dass es vielleicht doch noch einmal geht.

© Thomas Spickhofen

Europäische Kulturhauptstadt 2020: Das irische Galway

Galway2020 ist eine kleine Tragödie für seine großartigen Einwohner geworden, aber sie stemmen sich tapfer gegen das Schicksal, das ihnen die Pandemie bereitet hat. Große, bleibende Bauten, architektonische Erbstücke waren für Galway2020 nie geplant, das Städtchen wollte sich viel mehr mit einer "Botschaft der kulturellen Vielfalt" präsentieren, als vibrierende, junge, hippe Kulturstadt. Diesen Ruf und diesen Status allerdings kann Galway nach Corona jederzeit wieder zurückgewinnen – auch ohne den Titel "Kulturhauptstadt".

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