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David Simon

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    Wegen Abtreibungsrecht: TV-Produzent dreht nicht mehr in Texas

    Die Republikaner haben durchgesetzt, dass in Texas ein Schwangerschaftsabbruch nur noch in den ersten sechs Wochen nach der Empfängnis möglich ist. Das sorgt für viel Aufregung - jetzt schlägt die Wirtschaft Alarm, und Hollywood reagiert ebenfalls.

    Von
    Peter JungblutPeter Jungblut
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    Die emotionalen Wogen gehen hoch, nachdem Texas das Abtreibungsrecht drastisch verschärft hat. Der TV-Produzent David Simon, Autor der populären Krimi-Serie "The Wire", die in Deutschland 2008 auf dem Fox Channel lief, hat sich jetzt zu Wort gemeldet und angekündigt, dass er für sein neues Projekt auf keinen Fall im "Lone Star-State" drehen will: "Als Arbeitgeber ist das für mich jenseits aller Politik. Ich werde nächsten Monat an HBO Drehbücher für eine dokumentarische Miniserie übergeben, deren Handlung auf den Ereignissen in Texas beruht, aber ich kann und werde von weiblichen Mitwirkenden nicht verlangen, dass sie ihre Bürgerrechte aufgeben, um dort vor der Kamera zu stehen. Was sieht so ähnlich aus wie Dallas/Ft. Worth?"

    "Sie haben mich total missverstanden"

    Die Filmförderungsbehörde von Texas reagierte umgehend und stellte klar, dass die Gesetze eines Staates nicht notwendigerweise mit der Haltung der Gesamtbevölkerung übereinstimmten. Ein Boykott trage nur zur weiteren gegenseitigen Entfremdung bei.

    Daraufhin erwiderte Simon wenig versöhnlich: "Sie haben mich total missverstanden. Meine Stellungnahme beruht nicht auf irgendwelchen Debatten über politische Einflussmöglichkeiten oder der Angemessenheit irgendwelcher Boykotte. Meine einzige Verantwortung zielt darauf, die Bürgerrechte aller an der Produktion Beteiligten zu sichern und aufrechtzuerhalten. Wenn nur eine unserer Beschäftigten die volle Kontrolle über ihren Körper und ihre Wahlmöglichkeiten beansprucht, und wenn ein Gesetz das verhindert oder uns unter Strafe stellt, wenn wir sie unterstützen wollen, sollten wir woanders drehen."

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    Bildrechte: Eric Gay/Picture Alliance

    Proteste gegen texanisches Abtreibungsrecht

    HBO hat sich bisher nicht in den Streit eingemischt, Paramount Network dreht nach Angaben des Branchenblatts "Hollywoodreporter" derzeit wie geplant in Texas. Allerdings steht Gouverneur Greg Abbott von vielen Seiten unter massivem Druck. So solidarisierte sich die Schauspielerin Uma Thurman in einem Meinungsbeitrag für die "Washington Post" mit allen Frauen in Texas und bekannte sich zu einer Abtreibung in ihrer Jugend. Sie kritisierte die jetzt getroffene Regelung in dem Südstaat scharf, wonach ein Schwangerschaftsabbruch nicht mehr möglich ist, sobald der Herzschlag des Fötus messbar ist, was bereits in der sechsten Woche nach der Empfängnis der Fall sein kann. Dabei wird eine Schwangerschaft üblicherweise ab dem ersten Tag der letzten Monatsblutung berechnet, da der genaue der Zeitpunkt einer Befruchtung oft nicht genau bestimmbar ist.

    Uma Thurman: "Beweist Mut"

    "Das texanische Abtreibungsrecht ist eine Menschenrechts-Krise für amerikanische Frauen", so Thurman. Sie sei sehr betrübt, ja erschrocken. "Sie mögen an der Meinung einer Schauspielerin nicht interessiert sein, aber angesichts dieser neuen Ungeheuerlichkeit halte ich es für meine Pflicht, in den Schuhen der Betroffenen aufzubegehren." Sie rief die texanischen Frauen dazu auf, dem "rücksichtlosen Jagdeifer" zu widerstehen: "Beweist Mut." Sie sei untröstlich, dass das Gesetz Bürger gegeneinander aufhetze und "Bürgerwehren" ermutige, benachteiligte Frauen zu ihrer Beute zu machen.

    Uber will Gerichtskosten übernehmen

    Mehr als fünfzig US-Firmen, darunter der Outdoor-Mode-Hersteller Patagonia, die Kosmetikvertreiber Lush und The Body Shop, die Eiscrememarke Ben & Jerrys und Netzfirmen wie Yelp und Lyft gingen ebenfalls mit einem offenen Brief hart ins Gericht mit dem texanischen Gesetzgeber. Das Abtreibungsrecht widerspreche den Werten dieser Firmen und schade ihrem Geschäft. Konkret verwiesen sie auf eine Berechnung des Institutes for Women's Policy Research, wonach schon das alte Abtreibungsrecht in Texas den Staat 14,5 Milliarden Dollar Umsatzausfälle gekostet habe.

    Große Konzerne wie Microsoft und Starbucks wollten bei der Aktion nicht mitmachen, andere Multis wie Facebook, Apple und Google waren ebenfalls nicht beteiligt. Der Fahrdienst Uber hat inzwischen mitgeteilt, er werde die Gerichtskosten übernehmen, falls ein Fahrer, der einen Gast zu einem Abtreibungstermin befördert, verklagt werden sollte.

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