BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

"Was wenn keiner lacht": Die wunderbare Musik von Karl die Große | BR24

© Audio: BR / Bild: Karl die Große

Übergewichtige Mädchen, die Generationenfrage und Pegida – kommt alles vor bei Karl die Große aus Leipzig. Das neue Album der Band heißt "Was wenn keiner lacht".

Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

"Was wenn keiner lacht": Die wunderbare Musik von Karl die Große

Pop mit Widerhaken und Jazz-Elementen, eine selbstbewusste Sängerin und immer wieder funkelnde Momente: Das sind Karl die Große aus Leipzig. Ihr neues Album heißt "Was wenn keiner lacht", wirft die ganz großen Fragen auf – und findet Antworten.

Per Mail sharen
Von
  • Tobias Ruhland

Wie sehr werden Frauen in Politik und Kunst, die etwas erreichen wollen, immer noch auf ihr Äußeres reduziert? Das fragt sich Karl die Große-Sängerin Wencke Wollny gleich zu Beginn ihres neuen Albums "Was wenn keiner lacht". Dessen Ursprung liegt in einem beschwingten Nachhauseweg nach einem euphorischen Konzert. Da ploppte in der Leipzigerin die Frage auf: Wenn ich nachts umfiele – was wäre dann eigentlich übrig? Verbunden mit einem zutiefst positiven Gefühl der Dankbarkeit, soviel erlebt haben zu dürfen.

"Dann hab ich aber gemerkt, dass es ein bisschen übermütig war", sagt Wollny. "Dann gibt’s vielleicht doch ein Lied, das man noch nicht aufgenommen hat, oder man will einem wichtigen Menschen doch noch was sagen. Damit ging das los: Was wäre denn, wenn's heute vorbei wär."

Irgendwo zwischen Sophie Hunger und Billie Eilish

Entschuldigung sagen zum Beispiel an die nachfolgenden Generationen. Sie, Wollny, 31 Jahre alt, mitsamt der Generation X und Y, weiß, dass die Idee, dass es künftige Generationen automatisch immer besser haben werden, zur Illusion mutiert. Was sagen die Millenials dazu? Die Generation Z?

"Ja, was kommt nach Z? Neuanfang? Oder hört alles auf?", fragt Wollny. "Wie wird die Generation genannt? Lustigerweise heißt sie jetzt Alpha... Mir geht’s um die Frage, was hat unsere Generation schon bewusst oder unbewusst verbockt? Was hinterlassen wir? Und schafft man noch, das Ruder rumzureißen? Dass die es in 30 Jahren auch noch einigermaßen schön haben."

Karl die Große machen mit dem neuen Album auch musikalisch einen großen Schritt, sie sind facettenreicher geworden. Mehr Elektronik, mehr Beats, mehr HipHop und Jazz – und dazu immer wieder diese funkelnden, hoffnungsvollen Momente, wenn Wencke Wollny wie eine Mischung aus Sophie Hunger und Billie Eilish klingt.

© Universal

Er macht auch mit: Der aus München stammende Rapper Fatoni

"On my side", so heißt ein weiterer zentraler Song vom Album. Da trifft Wencke Wollny zusammen mit Gastrapper Fatoni auf Freunde von früher. Was wurde aus den großen Träumen und Idealen? Was hat sich verändert? Was hat die Freunde verändert – und sie zum Beispiel auf Demonstrationen von PEGIDA getrieben?

Einfach machen – oder lassen

"Was wenn keiner lacht" ist ein tolles Album voller Pop mit Widerhaken. Und Karl die Große erfüllt sich ihren Wunsch, einige Dinge auf ihrer innerlichen To-Do-Liste abzuhaken – was dann wie im Song "Allesgönner" eben auch bedeuten kann, Dinge aufzugeben.

"Ich erlaube mir was, ich habe genug geleistet, oder jemand anders gönnt mir was", resümiert Wollny. "Ich merke immer mehr, dass das mit dem Gönnen so tief in unserem Denken und unserem System drinsteckt, dass ich uns da ein bisschen Entspannung wünsche. Dass man einfach Sachen macht – ohne dass man sich danach ein Haus kaufen können muss davon."

Neugierig auf die Livequalitäten von Karl die Große? Hier geht es zur MDR-Clubsession mit der Band im UT Connewitz, dem ältesten noch erhaltenen Lichtspieltheater Leipzigs.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!