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Was tun bei Einsamkeit in Zeiten der Corona-Krise? | BR24

© picture alliance / dpa Themendienst

Eine Seniorin allein in ihrer Wohnung.

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    Was tun bei Einsamkeit in Zeiten der Corona-Krise?

    Für alte Menschen ist es eine wichtige Vorsichtsmaßnahme, sich in die eigenen vier Wände zurückzuziehen. Für manche ist aber die Angst vor der Einsamkeit noch größer als die vor dem Virus.

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    Zuerst schließt das Fitnessstudio, dann fällt der Gottesdienst aus. Soziale Kontakte. Ansprache. Gerade in Zeiten der Krise und Unsicherheit ist das besonders wichtig. Wenn wegen der Gefahr der Ansteckung jetzt viele Möglichkeiten für Begegnungen wegfallen, kann das für einzelne Menschen, gerade wenn sie krank sind oder allein leben, dramatisch werden für die Psyche.

    "Natürlich kann das dazu führen, wenn es eine Vorveranlagung gibt für Depression, dass die wieder ausbricht. Weil soziale Kontakte sind ja immer wichtig", sagt Jens Benninghoff, Arzt für Gerontopsychiatrie vom Zentrum für Altersmedizin in Haar. "Wir empfehlen unseren Patienten in normalen Situationen, unter Leute zu gehen, den sozialen Austausch zu pflegen. Und wenn der nicht mehr stattfindet, kann das natürlich dazu führen, dass depressive Symptome wieder auftreten."

    Coronavirus: Alles Wissenswerte finden Sie hier.

    Soziale Kontakte sind notwendig für eine gesunde Psyche

    Die Malteser haben ihren Besuchsdienst für alte Menschen mittlerweile ausgesetzt. Normalerweise gehen 1.000 Ehrenamtliche allein in München einmal in der Woche zu einsamen Menschen. Pilar zu Salm, Stadtbeauftragte der Malteser für München, sagt, dass der Dienst aber telefonisch weitergeführt wird, wenn das für beide Seiten in Ordnung ist: "Das ist ganz wichtig, dass man auch ein Zeichen setzt, dass wir jetzt in Zeiten der Unsicherheit auch zusammenhalten. Wenn es um die Seele geht, um den Menschen - das wollen wir auf keinen Fall vergessen."

    Schon jetzt zeigt sich beispielsweise bei der evangelischen Telefonseelsorge ein erhöhter Bedarf, gar ein sprunghafter Anstieg. Eine große Verunsicherung unter älteren und pflegebedürftigen Menschen meldet auch das Patientenschutztelefon der Deutschen Stiftung Patientenschutz.

    Zur Not kann auch digital Kontakt gehalten werden

    Kontakt halten um jeden Preis. Das rät auch Gerontopsychiater Benninghoff: "Soziale Kontakte sind essentiell für die psychische Gesundheit. Die Stimme hören ist schon mal etwas, besser als gar kein Kontakt. Der persönliche Kontakt ist natürlich immer zu bevorzugen. Vielleicht kann man auf so etwas wie Videotelephonie, Skype oder Facetime ausweichen."

    Der Notfallseelsorger vom Erzbistum München und Freising, Andreas Müller-Cyran, der Menschen in Krisen und Ausnahmesituationen betreut, warnt davor, sich immer nur die Corona-Meldungen anzuschauen, dadurch werde die Stimmung nicht besser: "Ganz wichtig ist es, mich von der Angst vor dem Coronavirus nicht runterbringen zu lassen. Sondern mir auch der Gegensätze bewusst werden, dem was schön ist. Das jetzt das Frühjahr kommt, dass es warm wird, dass ich vielleicht etwas habe, womit ich mich gerne beschäftige, was ich gerne höre, was ich gerne lese. Also aus der Not auch bewusst versuchen eine Tugend zu machen.

    Sich trotz Corona auch die schönen Dinge bewusst machen

    Den Frühling genießen. Und viel lachen, auch das raten Experten wie Müller-Cyran. Nicht immer so leicht. Gerade durch die immer größeren Einschränkungen im öffentlichen Leben kippt die Stimmung bei vielen. Eine Sorge, die man ernst nehmen muss. Und die für unser Gesundheitssystem noch weitreichende Folgen haben kann.

    Genauso wie das Virus. Darum ist es wichtig, niemanden allein zu lassen. Wer allerdings wegen Quarantäne allein zu Hause sein muss, für den hat der Gerontopsychiater Jens Benninghoff Tipps: "Auch wenn ich nicht rausgehen kann, zu schauen, was macht mir Spaß, habe ich ein Lieblingsbuch oder ein Lieblingsmusikstück. Und man sollte die eigene Biographie als Ressourcenkoffer nutzen. Also auch die Bilder der Familienmitglieder aufstellen, dass die präsenter sind, auch im Raum mehr anwesend sind. Das ist ein wichtiger Schritt."