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Was Thelma Buabeng über eine schwarze Arielle denkt | BR24

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007 und Arielle, die Meerjungfrau: Beide Filmfiguren sollen demnächst von dunkelhäutigen Frauen dargestellt werden. Im Netz sorgten diese Nachrichten für Hysterie. Schauspielerin Thelma Buabeng hingegen findet: Das ist ein guter Anfang.

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Was Thelma Buabeng über eine schwarze Arielle denkt

007 und Arielle, die Meerjungfrau: Beide Filmfiguren sollen demnächst von dunkelhäutigen Frauen dargestellt werden. Im Netz sorgten diese Nachrichten für Hysterie. Schauspielerin Thelma Buabeng hingegen findet: Da geht noch mehr.

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Diversität in Medien und im Theater – mit dem Thema ist die Schauspielerin Thelma Buabeng vertraut. Sie ist in Ghana geboren, im Rheinland aufgewachsen, spielt Theater an der Volksbühne, dem Berliner Ensemble, dem Gorki Theater und dreht Filme mit Karoline Herfurth oder Katharina Wackernagel.

Barbara Knopf: Wenn Sie das Angebot hätten, "Arielle, die Meerjungfrau" zu spielen oder einen weiblichen James Bond – würden Sie Ja sagen?

Thelma Buabeng: Natürlich würde ich sofort Ja sagen. Ich bezeichne mich schon als Feministin und auch so ein bisschen als Fighterin für Diversität in der Deutschen Film- und Theaterlandschaft. Ich finde es gut, dass die Ära angebrochen ist – umso stärker seit der metoo-Debatte, dass das Ende der weißen alten Männer begonnen hat. Deswegen: Ich würde das sofort machen, definitiv.

Meinen Sie nicht, es ist nur ein Feigenblatt der Hollywood-Industrie, dass man sagt: Naja, da geben wir jetzt auch mal einer schwarzen Frau die Rolle?

Feigenblättchen hin oder her. Ehrlich gesagt, ist mir das egal. Ich finde das ein sehr gutes Statement. Es war ja ganz lange die Rede von Idris Elba, der James Bond verkörpern sollte. Er ist Brite, schwarz, da haben die Leute ja schon zum Teil empört reagiert. Auch damals habe ich schon gedacht, warum man sich überhaupt darüber aufregt, dass wir immer noch in einer Gesellschaft leben, wo Menschen sich darüber aufregen, dass ein Mensch mit schwarzer Hautfarbe eine Figur verkörpern soll. Noch lächerlicher ist es bei Arielle. Ich habe Posts gesehen von Leuten, die geschrieben haben, die lebt doch unter Wasser, da kriegt sie doch gar keine Sonne ab, wie soll die denn schwarz geworden sein – und wir reden hier von einer Zeichentrickfigur. Ich finde es super, dass so etwas passiert, und ich finde das ist ein guter Anfang.

Sie haben eine Serie gedreht, die kann man auf YouTube anschauen, die hat diesen wunderbaren Namen "Tell me nothing from the horse". Da sind Sie zu sehen zum Beispiel als klassische schwarze Church-Lady, als aufgebrezeltes Modell in so einem Glitzerfummel – ich finde, die sieht ja schon ein bisschen aus wie Arielle als Berliner Kiezgröße…

Stimmt! Das habe ich damals gar nicht so gedacht, als ich das gemacht habe, aber stimmt absolut!

Sie verkörpern all diese Frauen selbst und jede arbeitet sich an Vorurteilen und Rassismen ab. Die erleben sie vermutlich im Alltag oder auch im Theater und im Film?

Absolut. Die ersten Rollen, die ich gespielt habe, waren Sklavinnen, Dienstmädchen, Prostituierte und Refugees. Vor zehn Jahren ungefähr konnte sich die deutsche Filmindustrie noch nicht vorstellen, dass eine schwarze Frau eine ganz normale Rolle spielt, auch mal eine Hauptrolle beziehungsweise das Love-Interest vom Hauptdarsteller. Es musste quasi immer ein Problem geben, bevor Schwarze überhaupt vorkommen, und dann durfte ich meistens nur gebrochenes oder gar kein Deutsch sprechen. Obwohl ich eigentlich ‘ne Kölsche Mädsche bin, ich bin deutscher als man sein kann. Ich empfinde mich als Afrodeutsche, natürlich auch mit afrikanischen Wurzeln, die ich auch liebe und so bin ich auch groß geworden. Aber ich war nominiert als beste Schauspielerin für den Jupiter Award Tabula für den Film "Wenn Fliegen träumen" von Katharina Wackernagel. Meine erste Hauptrolle!

Und es dürfte sich nicht um eine Prostituierte, ein Refugee oder eine Drogendealerin handeln?

Nein, ich spiele eine Therapeutin.

Seit ein paar Jahren gibt es Diskussionen, dass die Ensembles an den Theatern diverser sein sollten, Menschen mit verschiedenen Hautfarben und Ethnien mehr repräsentiert sein sollten. Sie spielen auch Theater – haben Sie wie im Film die Erfahrung gemacht, dass sich da schon was tut?

Ach, ich habe jetzt langsam das Gefühl, es ist en vogue, divers zu sein. Ich glaube, die Leute merken, es ist eine neue Ära angebrochen, man kommt da gar nicht mehr dran vorbei… Die Vorreiterin war auf jeden Fall Shermin Langhoff, die Intendantin des Maxim Gorki Theaters. Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt ziehen viele nach. Immer noch viel zu wenig, es ist meiner Meinung nach noch immer nicht repräsentativ. Wenn ich durch die Stadt laufe in Berlin, am Alexanderplatz oder in Mitte oder in Kreuzberg oder so, dann sehe ich ja nicht nur weiß, blonde, blauäugige Menschen, sondern meine Wirklichkeit, in der ich mich aufhalte und mich bewege, ist total divers und total bunt. Wenn wir ehrlich sind, die meisten Stücke, die in Theatern gespielt werden, bis heute, sind immer noch Stücke von alten weißen toten Männern. Shakespeare ist natürlich ganz vorne…

Wobei bei Shakespeare hat man immer noch die Hoffnung, vielleicht war‘s ja doch eine schwarze Frau…!

Wer weiß, wer weiß!

Welche Stücke würden Sie sich wünschen?

Es gibt mittlerweile so viele moderne Stücke, es gibt zu viele junge Leute die schreiben Texte, die viel heutiger sind. Das würde ich mir grundsätzlich wünschen.

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