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Was Pixar von Studio Ghibli und Hayao Miyazaki lernen kann | BR24

© picture alliance / United Archives

Szene aus "Chihiros Reise ins Zauberland" von Hayao Miyazaki

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    Was Pixar von Studio Ghibli und Hayao Miyazaki lernen kann

    Hayao Miyazaki wurde mit einem Goldenen Bären und einem Oscar ausgezeichnet. In deutschen Kinos sind nur wenige Filme von ihm gezeigt worden, im Fernsehen liefen sie gekürzt. Jetzt sind sie fast alle auf Netflix zu sehen.

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    Eine magische Welt: Fabelwesen, Götter, Zauberer und Menschen leben in den Filmen von Hayao Miyazaki nebeneinander. Und in "Porco Rosso", einem Film über Flieger nach dem Ersten Weltkrieg, ist der Kriegsheld ein Pilot mit Schweinekopf. Magie und Realismus sind beim japanischen Regisseur untrennbar miteinander verbunden. Miyazaki wurde 1941 als Kind eines Flugzeugherstellers geboren – Fluggeräte aller Art, Zeppeline, Doppeldecker und riesige Flugschlachtschiffe begegnen einem auf Schritt und Tritt in seinen Filmen. Und Wolken. Schrecken und Schönheit liegen da dicht beieinander. Im Film "Porco Rosso" steigt Flugzeug um Flugzeug zu einem wunderschönen Kreisel auf – nur dass es ein Friedhof über den Wolken ist, denn es sind alles abgeschossene Flieger, die nun auf ewig am Himmel kreisen. Ein großes, poetisches Antikriegs-Sinnbild.

    Vorbild für Pixar

    Immer, wenn sie nicht weiter wussten, sagte Pixar-Gründer John Lasseter seinen Mitarbeitern: Schaut bei Miyazaki nach. Die Filme des Japaners haben Maßstäbe gesetzt: in der Liebe zum Detail, in der Tiefe seiner Drehbücher, der Originalität der Handlung sowie der Vielschichtigkeit seiner Figuren. Und heute scheint es, dass das Animationsstudio Pixar, das fast nur noch Fortsetzungen herausbringt, sich wieder mehr vom japanischen Großmeister inspirieren lassen sollte.

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    Anime-Regisseur und "Studio Ghibli"-Mitgründer Hayao Miyazaki

    Nach vier Jahren Ökonomie-Studium heuerte Miyazaki in einem Zeichenstudio an. 1982 schrieb er den siebenbändigen Manga: "Nausicaä im Tal der Winde". Ein großer Erfolg in Japan, in dem Miyazaki eine post-apokalyptische Welt entwirft. Die Menschheit kämpft ums Überleben, immer mehr Lebensräume sind vergiftet, aber die Herrschenden haben nichts Besseres zu tun, als gegeneinander Krieg zu führen. Doch wie so oft bei Miyazaki – selbst die Antihelden haben gute Seiten, kümmern sich um ihre Leute, einige zeigen sogar Einsicht. Und seine Heldin, das junge Mädchen Nausicaä, die tiefer als alle anderen die Ursachen der Umweltverschmutzung begreift, wird mit in den Krieg hineingezogen und tötet – obwohl sie genau das nicht will.

    Zeichentrickfilm – aber nicht nur für Kinder

    Der Erfolg des Mangas erlaubt es Miyazaki, einen ersten langen Zeichentrickfilm nach dem Nausicaä-Manga zu drehen. Der allerdings hat noch nicht die Meisterschaft seiner späteren Filme. Mit jedem weiteren aber arbeiteten Miyazaki und seine Mitstreiter vom Studio Ghibli daran, den Zeichentrickfilm als gleichwertiges Medium neben dem Realfilm zu etablieren. Spätestens mit "Prinzessin Mononoke" gelingt es ihm – einem der schönsten Filme, die es gibt. Menschen kämpfen gegen Tiergötter um die Vorherrschaft. Der Kampfplatz ist ein Wald, den die einen bewahren, die anderen abholzen wollen. Die Menschen werden angeführt von der abgebrühten Iboshi, einer furchtlosen Frau, die sich nicht einmal davor fürchtet, Götter zu töten.

    Für die Tiere ist Iboshi der Inbegriff des Bösen. Ihre menschlichen Mitkämpfer aber sind Leprakranke, die sie aufopfernd pflegt, und Frauen, die sie aus Bordellen herausgekauft hat. Auch das macht sie zu einer der komplexesten Figuren der Filmgeschichte.

    Alles – bloß kein Disney

    Für den 2001 herausgekommenen Zeichentrickfilm "Chihiros Reise ins Zauberland" erhielt Miyazaki einen Oscar und einen Goldenen Bären. Seither spricht er davon, sich zurückzuziehen – eine Drohung, die er bisher nicht wahr gemacht hat. Zum Glück für seine Fans. In seinen wenigen Interviews gibt er sich wortkarg. Nur eines will er nicht: als "Disney Japans" bezeichnet werden.

    Denn Walt Disney war kein Autor – nicht einmal Micky Maus hat er gezeichnet. Miyazaki aber ist ein Autorenfilmer. Er schreibt die Drehbücher, zeichnet selbst und führt Regie. Dank des Erfolgs und der Gründung des Ghibli-Studios (zusammen mit Isao Takahata und Toshio Suzuki) konnte er bis heute seine unabhängige Stimme bewahren. Und dank seiner Filme, die alle Grenzen sprengen – und in Japan Kassenschlager sind.

    Alle erwähnten Filme von Háyao Míyazaki sind bei Netflix abrufbar.

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