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Mit rund 1,3 Millionen Objekten ist das Germanische Nationalmuseum Nürnberg das größte kulturgeschichtliche Museum im deutschen Sprachraum. Während der Corona-Pandemie kamen jedoch kaum Besucher und das Museum musste neue Konzepte entwickeln.

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Was nach Corona bleibt: Das Germanische Nationalmuseum im Wandel

Das Germanische Nationalmuseum Nürnberg ist das größte kulturgeschichtliche Museum des deutschen Sprachraums. Insgesamt besitzt das Haus 1,3 Millionen Objekte. Davon sind 25.000 ausgestellt. Diese allerdings hat dieses Jahr kaum ein Besucher gesehen.

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Von
  • Nicole Schmitt

Der Weg zur Kunst führt über ein Kunstwerk. Wer das Germanische Nationalmuseum Nürnberg (GNM) besuchen möchte, flaniert zunächst durch die Straße der Menschenrechte – durch diese eindrucksvolle Säulen-Passage, geschaffen vom israelischen Bildhauer Dani Karavan.

Auf den hoch aufragenden Säulen findet sich eine Kurzfassung der 30 Artikel der Menschenrechtserklärung von 1948. Das Kunstwerk in der Kartäusergasse erinnert an die Rolle Nürnbergs während der NS-Zeit und soll gleichzeitig auch eine Mahnung an die Zukunft sein. Aktuell ist die Installation unter freiem Himmel auch das einzige Kunstwerk des GNM, das frei zugänglich ist.

Germanisches Nationalmuseum am Museumstag geschlossen

Denn coronabedingt hatte das größte Museum für deutsche Kunst und Kultur in diesem Jahr gerade mal drei Tage geöffnet. Es sei eine schwierige Zeit für die Kultur- und Kunstszene, sagt Daniel Hess, Generaldirektor des GNM: "Wir feiern den Internationalen Museumstag und haben geschlossen. Wir haben zwei grandiose Ausstellungen und niemand kann sie sehen."

Aufbau mit Hindernissen: Eine Sonderausstellung entsteht

Die aktuelle Sonderausstellung "Europa auf Kur – Ernst Ludwig Kirchner, Thomas Mann und der Mythos Davos" beispielsweise hat bislang noch kein Besucher von innen gesehen. Aufgebaut ist sie seit Februar. Allerdings sei der Aufbau wegen Corona immens spannend gewesen, berichtet Generaldirektor Hess: "Das große Problem war, dass die Objekte überhaupt herkommen. Sie blieben zum Teil im Zoll in Dänemark hängen. Davos war komplett zugeschneit, wir mussten also die gesamten Transporte verschieben – der ganz normale Wahnsinn eines Ausstellungsaufbaus."

Digitale Angebote schaffen Nähe zu Kunstinteressierten

Etwa 300 Exponate fasst die aktuelle Sonderausstellung in den Räumlichkeiten des GNM. Wann diese für Besucherinnen und Besucher zugänglich gemacht werden können, hängt von den Inzidenzzahlen ab.

Inzwischen sollen digitale Angebote die Wartezeit verkürzen. Die analoge Ausstellung wurde quasi ins Netz geholt. 360-Grad-Rundgänge durch die Ausstellungsräume oder Online-Museumsgespräche können zumindest den digitalen Kontakt zwischen den Kunstschaffenden und den Kunstinteressierten herstellen. Gerade mit den virtuellen Museumsgesprächen habe man gute Erfahrungen gemacht, so Hess. "Wir haben da etliche internationale Gäste, die das Angebot wahrnehmen. Es wird sicherlich in der Zukunft so bleiben, dass wir so breiter und weiter über die Region hinaus ausstrahlen können."

Außerdem könne über digitale Kanäle auch ein junges Publikum erreicht werden.

Zum einen geht es darum, Menschen ins Museum zu holen, aber es geht auch darum, das Museum zum Menschen zu bringen. (Daniel Hess, Generaldirektor Germanisches Nationalmuseum Nürnberg)
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Das Skiparadies Davos ist zentrales Thema in der Ausstellung "Europa auf Kur"

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Auch Werke von Ernst Ludwig Richter sind in der Sonderausstellung "Europa auf Kur" zu sehen.

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Ein Spiel mit Licht und Schatten: Die Ausstellung "Europa auf Kur – Ernst Ludwig Richter, Thomas Mann und der Mythos Davos"

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Viele Künstler und Literaten suchten den Luftkurort Davos auf.

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Perspektivwechsel im Luftkurort Davos: Genesene in einem für die Zeit typischen Liegestuhl.

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Der "Blaue Heinrich" - ein Spuckfläschen für Hustende

Museum bekommt durch Corona "digitalen Schub"

Um den Kontakt zu den Besuchern auch während Corona nicht gänzlich zu verlieren, setzt das GNM seit der Krise vermehrt auf digitale Inhalte. "Wir haben unendlich viel online gemacht. Corona hat uns einen großen digitalen Schub verpasst, uns fortzuentwickeln. Auf der einen Seite ist das schön, aber auf der anderen Seite sind wir diejenigen, die die Originale betreuen. Eigentlich ist das ein ergänzendes Programm und kein Ersatzprogramm", erzählt Daniel Hess im BR-Interview.

Die Online-Formate würden als Ersatz sehr helfen, in der Zeit, in der die Museen geschlossen sind. "Aber wir hoffen natürlich inständig, dass dieses Programm ein ergänzendes zum Museumsbesuch ist in Zukunft." Bei der Davos-Ausstellung zum Beispiel sei es ja ganz entscheidend, dass viele unterschiedliche Facetten in einem Raum gemeinsam erlebbar würden. "Das können Sie durch keine digitalen Mittel ersetzen – auch nicht durch einen 360-Grad-Rundgang, der ja doch sehr künstlich bleibt, weil Sie nicht steuern können, wo Sie hingehen und wohin Sie sich bewegen", so Hess weiter.

Germanisches Nationalmuseum hofft auf Öffnung zu Pfingsten

Der Generaldirektor ist zuversichtlich, dass das Germanische Nationalmuseum zu Pfingsten wieder öffnen und die Sonderausstellung dann auch angemessen vor Publikum präsentiert werden kann. Eine Ausstellung, die unter dem Covid-Aspekt eine ganz andere Präsenz und Dringlichkeit bekommen habe, so Hess.

Das zentrale Thema: der mondäne Aufstieg des Ski- und Luftkurorts Davos zwischen 1860 und 1938. Dort schrieb Thomas Mann seinen Roman "Der Zauberberg" und dort widmete man sich auch der Therapie von Tuberkulose-Kranken. Bereits damals schon mit Hygienekonzepten. "Die Tuberkulose war nicht das Ende, sondern der Anfang einer unglaublich reichen Auseinandersetzung mit Literatur, Musik und Kunst. Das kann uns auch Hoffnung geben."

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