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Was Künstliche Intelligenz kann – und was nicht | BR24

© picture alliance/AP Images

Schachweltmeister Garry Kasparov spielt am 13.2.1996 gegen den IBM-Rechner Deep Blue

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    Was Künstliche Intelligenz kann – und was nicht

    Künstliche Intelligenzen, die aus Erfahrung lernen und dann selbständig entscheiden, sind keine Science Fiction mehr, sondern längst Realität. Doch wie leistungsfähig sind sie im Vergleich mit einen menschlichen Gehirn?

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    Im Mai 1997, setzt der IBM-Computer Deep Blue den legendären Spieler Garri Kasparov schachmatt, den damaligen Schachweltmeister. Knapp 20 Jahre später, im März 2016 trat ein Computer, der selbständig lernt und entscheidet, gegen einen Menschen im Go an. Go, das ist ein asiatisches Brettspiel, das als noch komplizierter als Schach gilt. Gegner des Algorithmus war der achtzehnmalige koreanische Go-Weltmeister Lee Sedol. Auch dieses Mal unterlag am Ende der Mensch der Maschine.

    Die Maschine kann mehr üben

    Jakob Macke, Professor für Neuroengeneering an der Technischen Universität München, forscht in der Entwicklung künstlicher neuronaler Netze, auf denen auch die Rechenleistung von Alpha Go Zero beruht, des Schach- oder Go-Computers, der besser spielt als die Besten der Welt. Ein Mensch müsste Jahrzehnte oder Jahrhunderte trainieren, um so viele Spiele zu spielen wie diese Maschinen, erklärt Macke. Ein Computer könne ein Schachspiel sehr schnell durchspielen und ein Mensch könne das nicht. "Das heißt einer der Unterschiede ist, dass ein KI-Algorithmus sehr viel mehr Daten verarbeiten kann, als das ein Mensch je tun könnte."

    Aber: Maschinen sind eben Maschinen – noch

    Sind die selbstständig lernenden und entscheidenden KI-Algorithmen also bereits intelligenter als wir? Haben die künstlichen neuronalen Netze unserem Gehirn etwas voraus? Ja und Nein, sagt Jakob Macke. Im Vorteil ist die KI nur, wenn es um ganz bestimmte Problemlösungen, bei klarer Aufgabenstellungen geht, wie bei Schach eben. Anderswo hat die künstliche Intelligenz aber noch ihre Probleme. Nämlich dann, wenn es um das Verstehen, um Transferleistungen geht, wie Macke am Beispiel eines Unterscheidungsspiels erläutert. Sollen Rechner lernen Menschen von Kühen anhand der Hörner zu unterscheiden, würde ein Rechner einen Mensch mit einem Helm mit Hörner als Kuh identifizieren. "Also der Computer hat gelernt anhand bestimmter Kriterien Aufgaben zu lösen, aber er hat nicht verstanden, worum es in der Aufgabe geht."

    Künstliche Intelligenz ist von der Leistungsfähigkeit eines menschlichen Gehirns noch sehr weit entfernt, sagt auch Moritz Helmstaedter, Direktor des Max-Planck-Instituts für Hirnforschung in Frankfurt am Main - allein, was die Energiemengen angeht, die eine Maschine im Gegensatz zu einem menschlichen Gehirn braucht. Befürchtungen, dass Künstliche Intelligenz der menschlichen in absehbarer Zeit gleich kommt, hält Moritz Helmstaedter deshalb für unberechtigt. Das menschliche Gehirn hat der KI voraus, dass es in immer neuen und veränderten Situationen lernbereit und fähig ist, vorausschauend zu denken, zu reflektieren und Aussagen zu treffen über das Verhalten anderer. "Wenn ich auf etwas vertraue, dann ist es die Anpassungsfähigkeit der menschlichen Gehirne. Ich sehe da überhaupt keinen Grund zu Kulturpessimismus."

    Jakob Macke von der TU München allerdings will die Wahrscheinlichkeit einer künstlichen Superintelligenz für die Zukunft nicht ausschließen. Wir würden die Grenzen künstlicher Intelligenz heute ebensowenig kennen, wie die genauen neuronalen Schaltprozesse im menschlichen Gehirn.