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Nicolas Gkotses hat mit seinem Fahrrad die Welt bereist.

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Was ein Weltumradler über Freiheit denkt

Nicolas Gkotses hat auf fünf Kontinenten die Freiheit genossen, zu fahren, wohin er wollte. Ein Jahr lang reiste er mit seinem Fahrrad um die Welt. Dann hielt ihn Corona in Bayern fest. Doch seine Freiheit gibt er nicht auf.

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Von
  • Bettina Weiz
  • Diana Isabel Geier
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Nicolas Gkotses auf seinem Rad in Bayern unterwegs

Mit 34 Jahren spürt Nicolas Gkotses, dass er einfach mal weg möchte. Weg aus Waldkraiburg, aus Bayern, aus Deutschland. Raus aus dem Berufsalltag als Gemeindereferent. 2019 nimmt er sich ein Sabbatjahr und geht auf große Tour - mit seinem Fahrrad. Alles, worum er sich kümmern will sind Essen, Schlafen und Fahren. Er macht sich auf den Weg mit Rad und Zelt.

Back to the Basics

Fahrrad, Zelt, Satteltasche und Rucksack. Die Beschränkung auf das Wesentliche gibt Nicolas Gkotses Freiheit: "Auf diesem kleinen Raum von vielleicht zwei Quadratmetern hat man alles, was man braucht. Mehr braucht man nicht. Und das ist dann schon einfach ein richtiges Gefühl der Freiheit." Sein Ziel damals: immer nach Osten, bis er irgendwann wieder bei sich zu Hause in Bayern ankommen würde.

Auf fünf Kontinenten mit dem Rad

Seine erste Etappe führt den Gemeindereferenten durch die Türkei und den Iran. Per Flugzeug geht es weiter zu seiner zweiten Radl-Etappe: von Hanoi nach Bangkok. Als dritte Etappe folgt Australien, dann radelt er einmal längs durch Neuseeland. Es folgt Südamerika. Und schließlich radelt Gkotses auch durch Afrika und weiter bis zum Polarkreis. Um irgendwelche Sehenswürdigkeiten geht es ihm dabei nie. Sightseeing interessiert ihn nicht – auch das ist eine Form von Freiheit.: nichts gesehen und erlebt haben zu müssen. Keine typischen Selfies vor Gebäuden und Schlangen mit Touristen. Der 34-Jährige wollte vielmehr erfahren, wie das ganz normale Leben tickt, sagt er. „Das Leben der Leute inhalieren“, wie er es nennt.

Und dann kam Corona …

Nicolas Gkotses lebt frei, radelt wann und wohin er will. Doch dann verbreitet sich das Virus Covid-19 rasch auf der ganzen Welt. Ab März 2020 wird das Überschreiten der Landesgrenzen kompliziert. Außerdem geht sein Sabbatjahr zu Ende. Er kehrt zurück nach Deutschland, ins oberbayerische und überschaubare Waldkraiburg. Und er kehrt zurück in seinen Dienst als Gemeindereferent. „Die Freiheit fehlt mir schon ein bisschen“, sagt Gkotses, „aber ich muss auch sagen, ich finde meinen Beruf einfach super. Ich bin gerne Gemeindereferent. In unserem Beruf ist kein Tag wie der andere.“ Nah am Leben sei er auch hier, an den Menschen und ihren Schicksalen, erzählt er.

Corona – ein Freiheitskiller?

Die große Freiheit als Rucksackreisender liegt nun hinter Nicolas Gkotses. Viele Fotos und Videos erzählen noch von seinen Abenteuern. Doch er lebt nicht eingesperrt, nur weil ein Virus die Freiheit einschränkt. In seinem Beruf nutzt er die gestalterische Freiheit. Weil seine Firmlinge keine Gottesdienste besuchen können, suchte er nach anderen Wegen. Die Jugendlichen in der Gemeinde können ihren Dank und ihre Wünsche auf Zettel schreiben und sie in die Ritzen der Kirchenwand stecken. Die Klagemauer in Jerusalem inspirierte Gkotses zu dieser Idee. In seinen Predigten lässt er auch Reiseerfahrungen einfließen – etwa seine Erfahrungen in der australischen Wüste, als er sorgsam seine Wasservorräte vorbereiten und planen musste.

Die große Freiheit im Kleinen

Corona hält ihn in Bayern fest. Aber hier freut sich Nicolas Gkotses nun über die kleinen Freiheiten. Er radelt immer noch viel: Von zuhause aus gerne bis in die Alpen – und zurück. Rund 160 Kilometer an einem Tag. Dazwischen steigt er auch manchmal noch auf einen Gipfel. Watzmann, Hochgern, Herzogstand - so viel sei er vorher nie gelaufen, sagt er. Die 15 Kilometer zur Arbeit legt er immer öfter joggend zurück. „Ich versuche, das Gefühl von Freiheit in meinem Lebensalltag einfach immer dabei zu haben“ sagt Gkotses.

Zum ersten Mal kultiviert der Seelsorger einen eigenen Garten. Die Hochbeete hat er selbst gebaut. Der erste Salat schlägt seine Wurzeln. „Jetzt macht es mir jeden Tag Freude, zu sehen, was blüht. Man sieht einfach, was man geschaffen hat. Das ist etwas Einfaches, aber auch etwas sehr Schönes“ sagt der Weltgereiste. Die große Freiheit spürt auch in seiner Berufung: „Seelsorger. Der schönste Beruf, den es gibt“, sagt er. Da habe er es schließlich auch mit der „ganzen Bandbreite des Lebens“ zu tun.

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