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Was die Menschen beim "Dark Tourism" so fasziniert | BR24

© picture alliance/imageBROKER

Durchlöchert: Gedenkstätte für die im April 1994 ermordeten belgischen Blauhelm-Soldaten in Kigali, Ruanda, Afrika

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    Was die Menschen beim "Dark Tourism" so fasziniert

    Noch ziehen Traumstrände, wunderbare Plätze und berühmte Bauten die meisten Menschen an. Aber der Trend zum "Dunklen Tourismus" wird immer stärker. Tschernobyl, Kigali, Ground Zero: Immer mehr Menschen reisen zu Orten des Schreckens.

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    Totenschädel an Totenschädel, Knochen auf Knochen erinnern in der Gedenkstätte in Ruanda an den Völkermord, 1994, bei dem, je nach Schätzung, bis zu einer Million Menschen ums Leben kamen.

    Es sind Orte wie diese, die Peter Hohenhaus bevorzugt bereist. Orte, an denen viele Menschen ihr Leben verloren haben. Das atomar verseuchte Tschernobyl oder der Ground Zero in New York sind ebenfalls solche Reiseziele, die er in seinem Reiseführer über "Dark Tourism" beschreibt.

    In Hitlers Bunkeranlage am Obersalzberg

    Diesmal ist Peter Hohenhaus an einem der düstersten Orte Bayerns unterwegs: am Obersalzberg. "Ein merkwürdiges Licht", fällt ihm ins Auge, als er auf Hitlers Bunkeranlage blickt, wo sich die Nazi-Größen verschanzen wollten, um ihre Gräueltaten zu Ende zu bringen. "Einerseits findet man das optisch toll", sagt der "Dark Tourist", "andererseits erinnert man sich daran, was es ist. Das ist immer eine emotionale Achterbahnfahrt." Zu den Orten zu gehen, sei etwas anderes als ein Buch auf dem Sofa zu lesen.

    In der Bunkeranlage am Obersalzberg läuft Peter Hohenaus durch die langen Gänge, blickt durch Gitterstäbe und entdeckt Hinweise auf die Vergangenheit, Botschaften, die in die Wände geschlagen wurden. "Es hat schon was Gespenstisches", beschreibt Hohenhaus, "man weiß vieles gar nicht, was hier hätte entstehen sollen. Das muss man sich ausmalen. Dafür ist so ein Ort gut."

    Aura der Geschichte - greifbar in Tschernobyl?

    Einen Ort, der noch heute lebensbedrohlich ist, das radioaktiv verseuchte Tschernobyl, hat Peter Hohenhaus seit 2006 schon dreimal besucht. "Beim vorletzten Mal waren wir auch im Inneren, konnten also auch in einen der Kontrollräume gehen", schwärmt Hohenhaus, "die sind alle gleich gebaut. Es ist, als würde man im Block 4 im Kontrollraum des Reaktors stehen. Da ist die Aura der Geschichte mit beiden Händen zu greifen."

    Keine fröhlichen Schnappschüsse im Sonnenuntergang. Es sind Erinnerungen der anderen Art, die der Linguist mitbringt. Was ist der Reiz am düsteren Reisetrend "Dark Tourism"? Es sei für viele ein Mittel, sich mit der eigenen Sterblichkeit auseinanderzusetzen, findet Peter Hohenhaus. Bei ihm sei das aber nicht der Fall: "Unterm Strich überwiegt der Erkenntnisgewinn über sich selbst."

    Ausgestellte Leichen in Ruanda

    Ist Dark Tourism Voyeurismus? Peter Hohenhaus sieht es vielmehr als ein Gedenken an die Opfer. Sie bekommen eine Stimme. Doch auch er kam schon an seine Grenzen, als er zum Beispiel nach Ruanda zu den Gedenkstätten des brutalen Völkermordes reiste. "Da werden die Leichen der Opfer ausgestellt, das tun sie vor allem, um der Leugnung des Völkermordes im eigenen Lande einen Riegel vorzuschieben", erklärt Hohenhaus. "Das war an emotionaler Schockwirkung für mich das heftigste."

    Einen Strandurlaub - auch das gibt es beim "Dark Touristen" Peter Hohenhaus. Allerdings nicht so, wie man ihn sich vorstellt: "Die Strände der Normandie, von der Invasion der Alliierten - da geh ich dann schon mal an den Strand. Aber ein Strandurlaub im klassischen Sinne, in einem Ressort - das ist für mich die Hölle auf Erden."

    Der ganze Beitrag ist am Mittwoch im BR-Fernsehen um 19.00 Uhr in STATIONEN zu sehen und im Anschluss in der Mediathek.