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Michael Piazolo, Generalsekretär der Freien Wähler in Bayern
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Knut Cordsen
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Michael Piazolo, Generalsekretär der Freien Wähler in Bayern

Online seit 17.10.2018, geändert am 05.11.2018

Das ging – verhältnismäßig – schnell: Die CSU geht erstmals eine Koalition mit den Freien Wählern ein. Dafür gibt sie fünf Ministerien an den neuen Partner ab, darunter auch das Ministerium für Unterricht und Kultus. Neuer bayerischer Kultusminister wird Michael Piazolo, bisher kulturpolitischer Sprecher der Freien Wähler, Landtagsabgeordneter seit 2008 und Professor für Europäische Studien in München. Knut Cordsen hat mit ihm über die kulturpolitischen Ziele seiner Partei gesprochen.

Knut Cordsen: Wir reden miteinander in der Annahme, dass es auf ein Bündnis der CSU mit den Freien Wählern hinausläuft. Für wie wahrscheinlich halten Sie selbst das?

Michael Piazolo: Wir werden wahrscheinlich morgen Sondierungsgespräche führen und dann wird man sehen. Inhaltlich gibt es sicherlich ein paar Differenzen, aber ich glaube, wir und die CSU sind inhaltlich näher beieinander als die Grünen und die CSU. Insofern ist es nicht unwahrscheinlich.

Bisher stellt die CSU mit Bernd Sibler und Marion Kiechle die Wissenschaftsministerin und den für Bildung und Kultus zuständigen Minister. Das sind Ressorts, die für Sie sehr interessant sein dürften, schließlich sind sie der kulturpolitische und hochschulpolitische Sprecher Ihrer Fraktion im Landtag. Gelüstet es Sie nach einem dieser Ämter?

Es ist immer so: Über die Ämter wird am Schluss geredet. Erstmal geht es um Inhalte. Ich glaube, die Menschen in Bayern wünschen sich nicht, dass wir nur über Personen und Positionen reden, sondern über die Themen, die sie unmittelbar angehen und die auch gelöst werden sollten. Insofern ist es schon richtig, wenn das ganz zum Ende kommt.

Sie haben 2017 die "Borniertheit" der bayerischen Kulturpolitik beklagt und sich für eine ausgewogene Förderung von Tradiertem und Avantgardistischem, der Spitzen- und der Breiten- Kultur ausgesprochen. Worin genau besteht für Sie die Borniertheit und was genau wollen Sie kulturpolitisch ändern?

Für uns ganz entscheidend ist das in der Verfassung verankerte Prinzip gleichwertiger Lebensverhältnisse. Das gilt auch für die Kultur. Wir dürfen nicht nur in die Ballungsräume schauen, wo sehr viele und schöne Kultur stattfindet, sondern wir dürfen die ländlichen Räume nicht vergessen. Das ist das Eine, was es auszugleichen gilt. Und das Zweite ist: Es geht ja nicht nur um die sogenannte Hochkultur, sondern es geht um viel "Grassroot-Kultur", die es oft in Bayern sehr sehr schwer hat, und diese beiden Aspekte, die wollen wir mehr in den Mittelpunkt rücken als bisher.

Das heißt auch im Umkehrschluss, dass sie womöglich Gelder umverteilen werden: Weniger Förderung von Metropolen, mehr Förderung in der Region?

Ja, manches ist natürlich langfristig angelegt, wenn wir jetzt an den Konzertsaal in München oder auch in Nürnberg denken, die ich beide ausdrücklich begrüße. Aber das sind natürlich dreistellige Millionenbeträge. Und mancher Künstler würde sich freuen, wenn er, sagen wir mal, in einigen Jahren fünf oder zehntausend Euro als Unterstützung bekommt. Insofern müssen wir hier schon ein bisschen umdenken, und für mich gilt auch das Prinzip "Menschen vor Beton". Es ist immer schön und eindrücklich, auch für einen Politiker, wenn er ein Gebäude einweiht. Aber wichtiger sind die Menschen, die Kultur machen und die Menschen, für die man Kultur macht. Und da wollen wir einen stärkeren Schwerpunkt setzen.

Gerade ist bekannt geworden, dass das Theater an der Rott in Eggenfelden, also in der niederbayerischen Region, vom Freistaat in diesem Jahr mit 360.000 Euro gefördert wird. Das ist eine Unterstützung, die dann ganz in Ihrem Sinne stattfindet, oder?

So ist es. Wir haben eine reichhaltige Theaterlandschaft, aber auch Musiklandschaft in Bayern, die ja eigentlich schon aus der Jugendarbeit erwächst. Und die wollen wir stärken, über das ganze Land verteilt. Da gibt es das eine oder andere Juwel, das sich durchaus schwertut und dort Unterstützung zu gewähren, ohne die Hochkultur zu vergessen, das ist unser Ziel.

Sie haben sich als Hochschullehrer auch sehr stark in der Hochschulpolitik engagiert und eingesetzt für eine Abschaffung der Studiengebühren, Sie waren der Initiator dieses Volksbegehrens gegen die Studiengebühren. Wie sehen weitere hochschulpolitische Konzepte von Ihnen aus für die Zukunft?

Auch da gilt es weiterzumachen bei Regionalisierungs-Strategien, die es jetzt schon gibt. Das heißt auch hier: ländliche Räume stärken. Aber was mir ganz am Herzen liegt, sind die Studierenden und ihre Situation. Nehmen Sie die Orte, in denen studiert wird, nicht nur München, Bamberg, Regensburg und viele mehr: Die Studierenden kriegen dort kaum Wohnraum. Auch das ist eine Aufgabe der Hochschulpolitik, zu schauen, dass die sozialen Bedingungen der Studierenden passen. Denn nur wenn es sozial passt, kann man auch gut studieren. Ansonsten kümmert man sich nur um das tagtägliche Leben, und dann geht manchmal das Studium dabei verloren.

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Knut Cordsen

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kulturWelt vom 16.10.2018 - 08:30 Uhr