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Was dem Marx sein Engels, war dem Max Horkheimer sein Felix Weil

Die Frankfurter Schule, zu der Philosophen und Sozialforscher wie Theodor W. Adorno und Max Horkheimer zählten, ist weltberühmt. Nun porträtiert ein Buch den kaum bekannten Mäzen des Frankfurter Instituts für Sozialforschung. Von Knut Cordsen

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Felix Weil war „Der argentinische Krösus“, der dem Buch der in Bayern geborenen Autorin Jeanette Erazo Heufelder den Titel gibt – ein Multimillionär, ein aus Deutschland nach Südamerika emigrierter Jude, ohne dessen finanzielles Engagement die deutsche Geistesgeschichte vermutlich anders verlaufen wäre.

„Ich bin auf die Felix-Weil-Geschichte über ein vorhergehendes Projekt gestoßen: Ich habe in Buenos Aires über die Geschichte von Ellen Marx recherchiert, eine der Mütter der Plaza de Mayo und jüdisch-deutsche Emigrantin, und habe mich deshalb v.a. in der deutschen Emigranten-Gemeinde bewegt, die alle in dem Stadtteil Belgrano wohnen. Und kam immer an einem Haus an einem Platz vorbei, das unheimlich schön war und unter Denkmalschutz stand. Und habe gelesen, dieses Haus gehört Alfredo Hirsch, einem der großen Getreidehändler des 19., 20. Jahrhunderts, und da bin ich auf die Geschichte des argentinischen Getreidehandels zunächst gestoßen und wurde darauf aufmerksam, dass einer dieser Getreidehändler zugleich der Finanzier der Frankfurter Schule war.“ Jeanette Erazo Heufelder:

Ein Bill Gates des frühen 20. Jahrhunderts

Jeanette Erazo Heufelder recherchierte die Geschichte dieses Mäzens Felix Weil, den 1926 der Maler George Grosz porträtierte und der sehr früh als Volkswirtschaftler Marxist wurde. Wie schon sein Vater Hermann Weil, den Bertolt Brecht als „Weizenspekulant“ verspottete, so unterstützte Felix Weil bis zu seinem Tod 1975 das Frankfurter Institut für Sozialforschung mit immensen Beträgen.

„Vielleicht kann man das eben vergleichen mit Figuren, die jetzt hier weltweit mit großen mäzenatischen Projekten in Erscheinung treten wie Bill Gates. Felix Weil hat ja auch diesen globalen Hintergrund - ein Argentinier, der in Deutschland ein marxistisches Institut finanziert plus nebenbei noch die gesamte linke Kultur in Berlin von ihm lebt – das ist durchaus vergleichbar. Also er hatte über all die Jahre in das Institut gesteckt im heutigen Wertmaßstab um die sechzig Millionen Dollar.“ Jeanette Erazo Heufelder

Diese Millionenbeträge halfen Friedrich Pollock und Max Horkheimer bei ihrer späterhin berühmten Forschungsarbeit und sicherten ihnen bis zuletzt ein gutes Auskommen. So wie diese beiden Fabrikantensöhne hatte auch Felix Weil mit eigenen Augen gesehen, wie ein zügelloser Kapitalismus viele Menschen verelenden ließ. Der Vergleich mit dem vermögenden Friedrich Engels als Finanzier von Karl Marx drängt sich angesichts dieser Lebensgeschichte geradezu auf - ein Kapitalist und Kommunist zugleich.

Jeanette Erazo Heufelder: „Der argentinische Krösus. Kleine Wirtschaftsgeschichte der Frankfurter Schule“. Berenberg. 208 Seiten. 24 Euro