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Alba August in der Rolle der jungen Astrid Lindgren, Filmstill aus "Astrid"
© DCM Filmdistribution

Autoren

Klaus Lesche
© DCM Filmdistribution

Alba August in der Rolle der jungen Astrid Lindgren, Filmstill aus "Astrid"

Mit "Wir Kinder aus Bullerbü", "Pippi Langstrumpf" und "Michel aus Lönneberga" hat Astrid Lindgren Millionen Kindern Spaß am Lesen vermittelt. Ihre eigene Kindheit war weit weniger unbeschwert – und sie war sehr früh zu Ende. Von der Zeit, als Astrid Lindgren noch Astrid Ericsson hieß, erzählt jetzt der Spielfilm "Astrid", der jetzt ins Kino kommt.

Fährt Astrid der Jazz in die Glieder, ahnt man: Die ist irgendwie anders. Zeigen darf sie das kaum im Dörfchen Vimmerby, vor allem nicht gegenüber der frömmelnden Mutter. Für die kann schon ein neuer Haarschnitt eine Todsünde sein. "Ich glaube, Gott denkt über andere Dinge nach als die neue Frisur einer hübschen Sekretärin" – so sieht das dagegen der Chef des Lokalblatts. Er hat die talentierte Astrid angestellt. Bald tippt sie keine Artikel mehr ab, sie schreibt selbst welche. "Zeitung" – allein das Wort beflügelt Astrids Fantasie.

Irgendwann beginnt die noch nicht volljährige Astrid eine Affäre mit dem verheirateten Redakteur und wird schnell schwanger. Ein Skandal im Schweden der 20-er Jahre. So verlässt Astrid ihr Dorf, das nur für Kinder ein Idyll ist. Sie schlägt sich als Sekretärin in Stockholm durch. Ihren Sohn gibt sie gleich nach der Geburt zu einer Pflegemutter in Dänemark. Da soll er bleiben, findet Astrids Mutter, die möchte, dass Astrid ihr Kind in Dänemark lässt und nach Hause zurückkehrt. Das aber kommt für Astrid nicht in Frage.

Die Schriftstellerin, die für Millionen Kinder schrieb, blieb von ihrem eigenen jahrelang getrennt. Manchmal kippt der Film ins Melodramatische. Doch "Astrid" macht auch deutlich, dass wir nostalgischen Fantasien über gute alte Zeiten und heile Welten misstrauen sollten. Vimmerby war kein Bullerbü.

Autoren

Klaus Lesche

Sendung

Rundschau vom 04.12.2018 - 21:45 Uhr