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Warum "The Photograph" ganz auf eine Schwarze Crew setzt | BR24

© Audio: ARD / Bild: picture alliance/AP/Invision

Die Besonderheit des Films "The Photograph" zeigte sich schon auf der Weltpremiere in New York zu Beginn des Jahres: Schauspielerinnen und Schauspieler sind alle Schwarz.

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Warum "The Photograph" ganz auf eine Schwarze Crew setzt

"The Photograph" kann wie eine unpolitische Liebesgeschichte wirken und der Film ist im Kern auch unpolitisch. Doch die Black Lives Matter Proteste und der Cast von Regisseurin Stella Meghie lassen den Film in einem anderen Licht erscheinen.

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Als die Fotografin Christina stirbt, hinterlässt sie ihrer erwachsenen Tochter Mae, gespielt von Issa Rae, nicht nur ein gebrochenes Herz, sondern auch einen Brief, in dem sie über ihr Leben und die Liebe erzählt. Plötzlich taucht da auch noch ein Journalist für ein Magazin auf, der an den Fotografien von Maes Mutter interessiert ist, und in den sich die Galeristin Mae heftig verliebt. Kurzum: "The Photograph" erzählt zwei Liebesgeschichten aus zwei verschieden Jahrzehnten, verwebt eine Familiengeschichte mit Drama und Comedy und ist damit zunächst völlig unspektakulär. Aber es gibt etwas, das besonders ist an der Produktion: Denn "The Photograph" ist eine Liebesgeschichte, die auf ein komplett Schwarzes * Schauspielensemble setzt – das ist erwähnenswert, denn immer noch sind Liebeskomödien aus Hollywood vor allem: weiß.

Komplett Schwarze Besetzung

In den USA veröffentlicht wurde der Film schon im Februar 2020, vor den wiederaufflammenden Black Lives Matter Protesten und damit vor den Wochen, in denen Hollywood sich wieder verstärkt mit Rassismus und fehlender Diversität beschäftigen musste. Trotzdem, Regisseurin Stella Meghie, ebenfalls Schwarz, sagt, es tue sich langsam etwas in der Filmindustrie: "Viele Studios, Networks und Produzenten fangen an, außerhalb ihres üblichen Pools an Leuten zu suchen, mit denen sie sonst gearbeitet haben."

Es gebe, erklärt die Regisseurin, eine erhöhte Aufmerksamkeit für andere Gesichter, andere Geschichten. Und doch sei es noch ein weiter Weg, der vor ihnen liege. Als die Black Lives Matter Proteste auch in Hollywood ankamen, wurden immer wieder Forderungen laut, dass es mehr Diversität in der Branche geben müsse, in den Studios selbst und bei den Entscheidern. Die Oscar Akademie reagiert nun unter anderem mit der Entscheidung, die Kategorie "Bester Film" bald an Vorgaben zu knüpfen, die auf Diversität achten: Wie Haupt-und Nebendarsteller die Minderheiten repräsentieren oder eine Geschichte die nicht-repräsentierte Gruppen abbildet zum Beispiel.

Es scheint absurd, es auszusprechen, doch eine harmlose Liebeskomödie wie "The Photograph" ist für Hollywood noch immer ein besonderes Projekt, vielleicht sogar ein Risiko. Dabei ist der Film eine nette, lustige Liebeskomödie, nicht mehr aber auch nicht weniger.

*Schwarz groß geschrieben markiert die soziale Positionierung der Schwarzen und setzt sich betont ab vom biologischen Konstrukt der Rasse.

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