Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Burna Boy nennt sich "African Giant" – durchaus zurecht | BR24

© Bayern 2

Seine eigene Cornflakes-Sorte hat er schon rausgebracht: Der Musiker Burna Boy aus Nigeria ist nicht frei vom branchenüblichen Geltungsdrang, hat dazu aber gute Einfälle und viel Talent. Sein neues Album "African Giant" ist feinste Afrofusion.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Burna Boy nennt sich "African Giant" – durchaus zurecht

Seine eigene Cornflakes-Sorte hat er schon rausgebracht: Der Musiker Burna Boy aus Nigeria ist nicht frei vom branchenüblichen Geltungsdrang im Hip Hop, hat aber gute Einfälle und viel Talent. Sein neues Album "African Giant" ist feinste Afrofusion.

Per Mail sharen
Teilen

Er hat sie drauf, die aktuell gültigen Produktionsgimmicks. „African Giant“ von Burna Boy passt in jede hippe Playlist, die neue, potenziell erfolgreiche Talente feiert. Anders ist bei Burna Boy allerdings, dass es bei ihm explizit um Afrika geht. Es ist nicht nur reine Selbstgefälligkeit, wenn Burna Boy sein Album „African Giant“ nennt – und sich natürlich selbst damit meint. Die Egonummer, die im Hip Hop gang und gäbe ist, ist hier gepaart mit afrikanischem Selbstbewusstsein.

Ist das der afrikanische Musiker seiner Generation?

Die Grenzen sind fließend bei Burna Boy, einem Nigerianer, der seine Heimat verließ mit dem Ziel, seine Karriere von London aus voranzutreiben. Es ist ihm geglückt. Burna Boy ist in Afrika ein Superstar. Hierzulande kannte ihn bislang kaum jemand. Das hat sich in diesem Sommer geändert. Burna Boy spielt auf den internationalen Festivals. Dass sein Name auf den dortigen Plakaten nicht als Headliner angekündigt ist, darüber hat er sich in den Netzwerken lautstark beschwert. Dennoch: Burna Boy, der African Giant, wird nicht nur von sich selbst als der afrikanische Musiker seiner Generation gehandelt.

2012 wurde man auf ihn aufmerksam, seine Single „Like to Party“ war der Hit seines ersten Albums, das noch stark nach Afrobeat und Reggae klang. Ein zweites folgte auf seinem eigenen Label. Dann klopften die großen Plattenfirmen an. Dass er, der nigerianische Youngster, selbst ein neuer Star ist, zeigt auch, dass sich etablierte Berühmtheiten der Popwelt inzwischen gern mit ihm schmücken, wie etwa Major Lazer. Und Beyoncé holte ihn sich für einen Gastauftritt auf ihrem aktuellen „Lion King“-Stück. Auf Burna Boys letztem Album konnte man Lily Allen hören, dieses Mal geben sich Angelique Kidjo die Ehre und Bob Marleys Son Damian Marley.

Engagiert, „conscious“ und schlau

Stilrichtungen miteinander zu verweben ist längst üblich. Aber statt nur auf billigen Partycrossover und den schnelllebigen Hype der Kommerzialität zu setzen, hat Burna Boy geduldig gewartet, bis der Mainstream und die großen Plattenfirmen für ihn bereit waren. Mit seinen engagierten Texten, karrieretauglichen Strategien und intelligenten Inhalten hat er aufs richtige Pferd gesetzt.

Die Melange von Burna Boys Sound ist kommerziell bestens verträglich, aber auch engagiert, conscious und schlau. Wir hören eine Mixtur aus hartem Hip-Hop, R&B, Reggae und Dancehall und natürlich Afrobeat auf "African Giant“. Fela Kuti ist nicht weit. Immerhin war Burna Boys Großvater Kutis Manager. Alles ist popkompatibel und auf dem kalifornischen Coachella-Festival konnte man das erleben, wie das überwiegend amerikanische Publikum die Texte mitsang. Und es war trotzdem afrikanische Musik.

Sein größter Fan: er selbst

Mit dem zunehmenden Erfolg wurde auch die Kritik am neuen afrikanischen Helden lauter. Burna Boy arbeitet an seiner Reputation als Bad Boy ebenso konsequent wie an seiner Karriere. Er soll in eine Messerstecherei und andere kriminellen Aktivitäten verwickelt und im Gefängnis gewesen sein – und dass er einen großen Hang zur Selbstverliebtheit hat, ist auch nicht zu leugnen. Aber das kennt man ja von den angesagten Hip Hop-Größen und es gehört irgendwie dazu. Der Musik von Burna Boy ist das egal. Sie ist etwas Eigenes.

Verpassen war gestern, der BR Kultur-Newsletter ist heute: Einmal die Woche mit Kultur-Sendungen und -Podcasts, aktuellen Debatten und großen Kulturdokumentationen. Hier geht's zur Anmeldung!

Hörspiele, Krimis, Kinder-Angebote, Features, Dokumentationen, Gespräche und vieles mehr finden Sie in der ARD Audiothek.