Zurück zur Startseite
Kultur
Zurück zur Startseite
Kultur

Warum psychologische Apps den Therapeuten nicht ersetzen können | BR24

© BR

Bei Depressionen oder Ängsten traut sich nicht jeder zum Psychotherapeuten, viele Betroffene warten Monate auf einen Therapieplatz. Psycho-Apps, basierend auf Künstlicher Intelligenz, sollen ihnen helfen. Eine niedrigschwellige Chance - mit Risiken.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Warum psychologische Apps den Therapeuten nicht ersetzen können

Bei Depressionen oder Ängsten traut sich nicht jeder zum Psychotherapeuten, viele Betroffene warten Monate auf einen Therapieplatz. Psycho-Apps, basierend auf Künstlicher Intelligenz, sollen ihnen helfen. Eine niedrigschwellige Chance – mit Risiken.

Per Mail sharen
Teilen

Im Internet gibt es jede Menge sogenannte Psycho-Apps, die Hilfe und Beratung in schwierigen Lebenslagen versprechen. Hinter diesen - oft kostenfreien - Apps steckt künstliche Intelligenz. Das bedeutet: es ist kein Mensch am Gespräch oder therapeutischen Geschehen beteiligt, sondern ein Computerprogramm und dessen Algorithmen antworten dem Patienten. Chatbots sind mehr oder weniger kluge Dialogsysteme, die mit dem Menschen kommunizieren und auch Fragen beantworten können.

Ein Computerprogramm als Gegenüber

"Die Sprache ist ganz klar programmiert. Sie versucht, empathisch auf das Gegenüber einzugehen", sagt Alena Buyx, Medizinethikerin an der TU München. "Aber das ist natürlich keine echte Empathie, das ist eine sehr oberflächliche Art von Mitgefühl." Welche Konsequenzen kann das haben, wenn sich ein Patient in psychischen Krise befindet und der Chatbot den Ernst der Situation nicht erkennt?

"Gegenwärtig greifen Chatbots noch daneben und können auch Fehldiagnosen produzieren. Das kann dazu führen, dass die Menschen denken, sie haben etwas, das sie gar nicht haben." Alena Buyx, Medizinethikerin an der TU München

In wirklichen seelischen Notlagen laufen diese Apps momentan ins Leere, Apps und Chatbots können ausgebildete Therapeuten nicht ersetzen. Aber die künstliche Intelligenz wird immer besser und die Einschätzung von Alena Buyx ist, dass die Apps in Zukunft ethisch und verantwortungsbewusst in eine Therapie eingebunden werden können.

Eine weitere Chance der Psycho-Apps: Sie können Menschen erreichen, die sich schämen, einen Therapeuten aufzusuchen. "Wir haben auch die Hoffnung, dass wir Menschen damit zumindest mal in ein erstes therapeutisches Geschehen bringen, die vielleicht nie den Weg in eine Therapie gefunden hätten," sagt die Medizinethikerin. Denn eine App ist niedrigschwellig, ohne Wartezeiten und auch kostengünstig.

Virtuelle medizinische Berater

Was mit künstlicher Intelligenz heute schon möglich ist, zeigt auch ein Münchner Startup. Die Ärztin und ehemalige Unternehmensberaterin Carol Wildhagen und ihr Team haben einen digitalen Coach entwickelt. Ariana ist ein so genannter Chatbot, der als virtueller Berater Patienten nach einer Diagnose betreuen soll. "Ariana unterhält sich mit dir über Whatsapp auf deinem Smartphone", erklärt Carol Wildhagen. "Ariana weiß, worauf man bei einzelnen Medikamenten achten muss. Wenn es zum Beispiel um Übelkeit geht, wird sie mich fragen, ist Dir schlecht und wenn ich sage, mir ist schlecht, dann wird sie mir Tipps geben, was ich gegen die Übelkeit tun kann." Carol Wildhagen ist die Gründerin von Ariana Digital Health Solutions GmbH, einem Dialogsystem, das mit dem Patienten kommuniziert. Ariana erinnert an Therapien, schickt Informationen über die Erkrankung und soll sogar eine persönliche Beziehung zum Nutzer aufbauen. Sie soll so programmiert sein, dass sie dem Patenten eine Notfallnummer schickt, wenn sie selber nicht mehr weiter weiß.

Mehr zum Thema "Wie künstliche Intelligenz Mensch und Moral verändert" am 9. Oktober 2019 in STATIONEN im BR-Fernsehen und im Anschluss in der Mediathek.