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Warum nicht jeder Döner "Döner" heißen darf | BR24

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Es gibt Behörden, die nehmen es ganz genau. So geschehen in Weimar, denn da darf so mancher Döner jetzt aufgrund seiner Zusammensetzung nicht mehr "Döner" heißen, sondern "Drehspieß im Fladenbrot".

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Warum nicht jeder Döner "Döner" heißen darf

Döner ist nicht gleich Döner, auch wenn er so aussieht. Damit er sich so nennen darf, muss er bestimmte Kriterien erfüllen. In Bayern wird das regelmäßig kontrolliert. Deshalb heißen manche Döner jetzt "Drehspieß im Fladenbrot".

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Fladenbrot, gebratenes Fleisch, Zwiebel, Salat und die Tomate obendrauf. Ganz klar: Das ist ein Döner. Doch so eindeutig ist das gar nicht, denn viele als "Döner" bekannte Produkte dürften aufgrund ihrer Zusammensetzung eigentlich gar nicht Döner heißen, sondern Drehspieß im Fladenbrot.

Maximal 60 Prozent Hackfleisch im Döner

Ein Döner darf nur dann so genannt werden, wenn er den "Leitsätzen für Fleisch und Fleischerzeugnisse" des Deutschen Lebensmittelbuchs entspricht. Diese schreiben vor, dass ein Döner Kebap aus Schafs- oder Rindfleisch in Form von dünnen Fleischscheiben bestehen muss. Der Hackfleischanteil darf maximal 60% betragen und außer Salz, Gewürzen, Eiern, Zwiebeln sowie Öl, Milch und Jogurt darf der Döner Kebap keine weiteren Zutaten enthalten. Anderenfalls muss die Bezeichnung "Drehspieß" verwendet werden oder die Verwendung von anderen Zutaten (zum Beispiel Geflügel) kenntlich gemacht werden.

Ein Großteil der Döner falsch benannt

Das Bayerischen Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) beanstandete 2018 83% der untersuchten Döner, Hauptgrund waren Kennzeichnungsmängel.

Die Großhändler, von denen die meisten Imbisse aus Kostengründen ihr Fleisch beziehen, benennen ihre Produkte klar und differenzieren zwischen "Döner" und "Drehspieß". Aber weil sich die Bezeichnung Döner für ein Fladenbrot mit Fleischfüllung, unabhängig von dessen Rezeptur, im Sprachgebrauch etabliert hat, nennen viele Imbisse ihr Produkt unerlaubterweise einfach "Döner".

Namensänderungen und Qualitätssteigerung

In Weimar wurden Imbisse vor kurzem kontrolliert, das Ergebnis sorgte für Aufruhr. In Nürnberg, München und Augsburg hingegen sind entsprechende Kontrollen schon etabliert. Gerade in Nürnberg hat sich seit einem Informationsschreiben des LGL aus dem Jahr 2015 einiges getan. In Absprache mit dem Nürnberger Verband der Dönerhersteller seien viele Betriebe auf ihre Fehlkennzeichnung hingewiesen worden, diese hätten sich einsichtig gezeigt und entsprechend reagiert, sagt Hans Ortenreiter, Sachgebietsleiter für die Lebensmittelüberwachung im Ordnungsamt Nürnberg. Laut Ortenreiter sorgte die Maßnahme sogar für eine Steigerung der Qualität des Fleisches, denn einige Imbisse stellen ihren Döner nun wieder selber nach dem klassischen Rezept her und beziehen das Fleisch nicht mehr vom Großhändler.

Die wenigsten Kunden kennen den Unterschied

In Augsburg wird die Regelung ebenfalls verfolgt, doch auch hier ist klar: "Dem Großteil der Verbraucherschaft - aber auch dem Großteil der in diesem Bereich tätigen Lebensmittelunternehmern – sind die [...] Definitionen [...] nicht bekannt", sagt Norbert Schloger vom Amt für Verbraucherschutz.

Hans Ortenreiter erinnert das Problem an einen anderen Klassiker, das Wiener Schnitzel. Auch hier habe sich im Volksmund die Bezeichnung etabliert, unabhängig davon, ob das Schnitzel nun aus Kalbs- oder Schweinefleisch besteht.

Auf Türkisch alles kein Problem

Doch eigentlich heißt der Döner Kebap auch jetzt schon Drehspieß, das allerdings auf Türkisch. Denn Döner bedeutet so viel wie "sich drehend" und Kebap "Röstfleisch" oder "Bratspieß".