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Wolfram Eilenberger
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Rudolf von Bitter
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Wolfram Eilenberger

Der "Spielaufbau" dieser Veranstaltung des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, Landesverband Bayern, ist angelehnt an das berühmte literarische Quartett vom ZDF, wobei man immer sagen muss, dass an den virulenten und heftigen Marcel Reich-Ranicki bisher noch keiner heran gekommen ist. Die drei Juroren des Bayerischen Buchpreises diskutieren vor Publikum über die nominierten Bücher und entscheiden live: Die Kritikerin Sandra Kegel, die für die Frankfurter Allgemeine schreibt, Svenja Flaßpöhler, Chefredakteurin des Philosophie-Magazins, und Knut Cordsen, Kollege vom Bayerischen Rundfunk. Jeder der Juroren hatte ihr oder sein Bestes Sachbuch und ihren oder seinen besten Roman des vergangenen Jahres in die Diskussion zu bringen.

Wolfram Eilenberger und Lucy Fricke

Wolfram Eilenberger und Lucy Fricke

Sechs Richtige statt Gewinner und Verlierer

Wenn drei gestandene Literaturkritiker ihre jeweils bevorzugten Bücher einer Jahresproduktion vorschlagen, also eine äußerst strenge Auswahl treffen, kann man – fast wie beim Lotto – nur von sechs Richtigen sprechen, und also auch nicht von Gewinnern oder Verlierern. Die beiden nicht mit einem Preis gekrönten Sachbücher sind nämlich genauso interessant wie der schließlich preisgekrönte Titel: Thomas Bauer spricht in „Die Vereindeutigung der Welt“ von dem Verlust der Fähigkeit, komplexe Sachverhalte angemessen wahrzunehmen. Für Sandra Kegel „das Buch der Stunde“, womit sie recht hat, von den beiden anderen Juroren aber keine Zustimmung bekam. Svenja Goltermann stellt dar, wie sich die Bedeutung des Wortes Opfer verschoben hat. Die Diskussion dauerte wenig mehr als eine halbe Stunde, dann war mit Wolfram Eilenberger und seinem sehr eingängigen Buch „Zeit der Zauberer. Das große Jahrzehnt der Philosophie 1919 – 1929“ (Klett-Cotta) der erste Preisträger gekürt, und man ging über zu den Romanen.

Juror Knut Cordsen vom BR

Juror Knut Cordsen vom BR

Keiner ist Herr übers eigene Schicksal

Die Berliner Schriftstellerin Inger-Maria Mahlke, die bereits den Deutschen Buchpreis erhalten hat, der natürlich etwas bedeutender ist als der Bayerische, erzählt von Leuten auf der Insel Teneriffa, deren heutige Biografie gefärbt und konditioniert ist von der Vergangenheit ihrer Familien, die einen arm, die anderen arrogant, in Wahrheit keiner Herr übers eigene Schicksal.

Thomas Klupp macht den Alltag eines Blenders und Täuschers zum Thema schlechthin. Der Titel seines Romans, „Wie ich fälschte, log und Gutes tat“ (Berlin Verlag), sagt es schon: Es ist eine Form sich zu behaupten, geschildert im Ton eines Heranwachsenden, den man wahlweise penetrant oder aufgeweckt finden kann.

Zwei Preise, sechs Gewinner

Lucy Frickes zwei Heldinnen in ihrem Roman "Töchter" (Rowohlt-Verlag) sind Opfer ihrer Eltern, haben aber angefangen, sich davon zu emanzipieren. Für diese Autorin nahm Jurorin Sandra Kegel Abstand von ihrer Kandidatin Inger-Maria Mahlke, so dass damit der zweite Preis feststand. Fricke hatte seit 13 Jahren keinen Preis mehr gewonnen und scherzhaft gesagt: "Ich habe immer Witze gemacht, dass ich nichts mehr gewinne, seit ich veröffentliche."

Christoph Ransmayr kritisiert CSU

Kurz gesagt: Zwei Preise wurden verliehen, sechs Gewinner wurden präsentiert. Die ministerielle Laudatio auf den Träger des Ehrenpreises, Christoph Ransmayer, der nicht anwesend war, hatte in ihrer Abgedroschenheit den bemerkenswerten Nutzen, dass zu spüren war, auf was für einem gehobenen Niveau, wie bereichernd die Diskussion zuvor verlaufen war. Die Entgegnung von Ransmayr war geradezu ein Angriff auf die Politik der CSU.

Literarisch ein Abend mit Gewinn, die Preisträger waren sichtlich gerührt.

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Der Bayerische Buchpreis 2018 zeichnet den Roman «Töchter» von Lucy Fricke und an das Sachbuch "Zeit der Zauberer" von Wolfgang Eilenberger aus.

Der Bayerische Buchpreis 2018 zeichnet den Roman «Töchter» von Lucy Fricke und an das Sachbuch "Zeit der Zauberer" von Wolfgang Eilenberger aus.

Autoren

Rudolf von Bitter

Sendung

kulturWelt vom 07.11.2018 - 08:30 Uhr