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Warum die Oscars wieder männlich sind | BR24

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Männerfilme über Männerthemen dominieren auch in diesem Jahr die Oscar-Nominierungen. #OscarsSoMale - die begehrten Hollywood-Trophäen sind weiterhin männlich: Doch woran liegt das?

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Warum die Oscars wieder männlich sind

Männerfilme über Männerthemen dominieren auch in diesem Jahr die Oscar-Nominierungen. #OscarsSoMale - die begehrten Hollywood-Trophäen sind weiterhin männlich: Doch woran liegt das?

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Ein psychisch kranker Mann, der sich als Clown verkleidet und brutale Dinge tut. Eine Gruppe Mafiosi, die einen Iren einstellen, um Feinde ermorden zu lassen. Zwei Soldaten, die im ersten Weltkrieg andere Soldaten retten wollen. Zwei Männer, die für zwei Automarken gegeneinander antreten. Ein alternder Schauspieler und sein Stuntman, die es nochmal wissen wollen und ein kleiner Junge, dessen bester, imaginärer Freund ein brutaler Diktator ist:

So ungefähr lassen sich die Favoriten in der Kategorie "bester Film" bei den Oscars 2020 zusammenfassen. Es sind Männerfilme über Männerthemen. Nur ein Film, "Little Women", fällt da aus der Reihe.

"Beste Regie": Frauen kommen gar nicht vor

Es war das Thema in Hollywood nach der Verkündung der Nominierungen: Die Oscars sind so männlich - der Hashtag #OscarsSoMale machte die Runde in den sozialen Netzwerken. Besonders kritisch wurde angemerkt, dass Frauen in der Sparte "beste Regie" gar nicht vor kamen. Die Schauspielerin Issa Rae, die die Nominierungen verkündete, wies dezent darauf hin, als sie "all diesen Männern" gratulierte.

Der Filmkritiker der New York Times, Kyle Buchanan, meint im Interview mit dem Sender NPR, dass Frauen mit der Ausnahme von "Little Women" in diesem Jahr eiskalt übergangen wurden:

"Es ärgert mich, dass Filme von Frauen, mit Frauen in der Hauptrolle nicht im gleichen Maße wertgeschätzt werden, wie ähnliche Geschichten, die von Männern handeln." Kyle Buchanan, Filmkritiker der New York Times

Filmkritiker wie Buchanan meinen damit zum Beispiel das Gangster-Drama "Hustlers", gedreht von einer Frau mit einem weiblichen Schauspielerinnen-Ensemble, unter anderem Jennifer Lopez. Oder der Film "The Farewell", der davon handelt, wie eine Familie Abschied von der kranken Großmutter nehmen will, ohne dass sie davon weiß.

Oder "Queen&Slim", ein Roadmovie, bei dem sich ein schwarzes Pärchen auf der Flucht vor der Polizei befindet. Es sind Filme, die von der Kritik bejubelt wurden und von Regisseurinnen gedreht wurden - und die bei den Oscar Nominierungen leer ausgingen.

Das mag an der Zusammensetzung der Oscar-Akademie liegen - mehr als 6.000 Mitglieder ist diese Akademie groß und 2013 ergab eine Auswertung der Los Angeles Times, dass dort vor allem ältere, weiße Männer sitzen.

Es dauert, bis sich Strukturen ändern

Der Journalist John Horn, der die Akademie damals mit analysierte, meint zwar, dass die Akademie seit damals viel versucht habe, sich weiter zu diversifizieren, aber: "Es ist wie mit der Mafia, man ist ein Leben lang drin."

Das heißt: Es dauert, bis sich die Strukturen wirklich ändern. Weiße Männer nominieren eben, was ihnen gefällt. Das Problem: Filme, die nominiert werden oder sogar Oscar gewinnen, setzen Impulse für neue Filme, die gemacht werden. "New York Times"-Filmkritiker Buchanan sagt gegenüber dem Sender NPR:

"Es ist eine Art Kreislauf: Filme mit bestimmten Darstellern und über bestimmte Themen werden gedreht, weil wir von den Oscars gesagt bekommen, diese Themen sind wichtig. Und die Akademie sagt: Wir können ja nur die Filme nominieren, die auch auf dem Markt sind. Dabei gab es diese Filme durchaus, nur messen wir Filmen mit Frauen immer noch nicht die Bedeutung zu, wie Filme mit Männern, die dramatische und brutale Dinge tun." Kyle Buchanan, Filmkritiker der New York Times

Kleine Fortschritte

Eine Studie der Universität USC Annenberg aus Los Angeles zeigte in der vergangenen Woche dass es kleine, positive Fortschritte gibt. Die Zahl der weiblichen Regisseurinnen in US-Filmproduktionen sei angestiegen - auf knapp über zehn Prozent. Das ist eine Zahl, die positiv sein sollte, das Grundproblem aber klar macht: Hollywood ist nach wie vor noch fest in männlicher Hand.