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Warum der "Zauber vom Nikolaus" für Kinder wichtig ist | BR24

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Ist es richtig, seinen Kindern einen Bären aufzubinden? Den vom Nikolaus, der eigentlich vor mehr als 1500 Jahren als Bischof in Myra lebte und heute angeblich Stiefel und Teller mit Geschenken füllt. Warum machen wir ihn für unsere Kinder lebendig?

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Warum der "Zauber vom Nikolaus" für Kinder wichtig ist

Ist es richtig, seinen Kindern einen Bären aufzubinden? Den vom Nikolaus, der eigentlich vor mehr als 1500 Jahren als Bischof in Myra lebte und heute angeblich Stiefel und Teller mit Geschenken füllt? Darum machen wir ihn für unsere Kinder lebendig.

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Auf dem Weg zum Kindergarten: Zwischen gefroren Blättern am Rand der Wiese beginnt für die Kleinen eine Spurensuche. "Da ist eine Spur vom Nikolaus - da ist er mit dem Schlitten gefahren!" Auch wenn er selbst nicht zu sehen ist - für die Kinder ist klar: Der Nikolaus ist schon ganz nah.

Das magische Denken der Kinder

In der Adventszeit mit all ihren Bräuchen liegt sie förmlich in der Luft, die Magie von Weihnachten. Ein Zauber, der für uns Erwachsene oft in Stress und Kommerz untergeht. Kinder können ihn noch überall spüren. "Weil Kinder noch in diesem magischen Denken sind, da sind sie meistens vier bis fünf", sagt Jessica Kuttner, Pädagogin im Montessori-Integrationskindergarten München Ost. "Sie haben unheimlich viel Phantasie, haben den Nikolaus schon gemalt - er ist sozusagen schon magisch in unseren Räumen präsent."

"Jedes Jahr ist es immer wieder schön diese großen Augen zu sehen, wenn die Strümpfe, die wir im Kindergarten aufhängen, am 6. Dezember nicht mehr im Fenster hängen. Das ist für die Kinder der Indikator, dass der Nikolaus die abends wirklich geholt hat." Jessica Kuttner, Motessori-Pädagogin

Kinder glauben noch, dass alles möglich ist. Deshalb sind Figuren wie der Nikolaus für sie real, auch wenn er nicht zu sehen ist, wenn er damals wie heute lebt, wenn sein Bart verrutscht, die Stimme nach Opa Peter klingt und der Nikolaus in der Kirche ganz anders aussieht als der im Kaufhaus. Kinder im "magischen Alter" lieben Geschichten, wie die vom alten Mann, der vor langer Zeit ein Bischof im fernen Myra war und alljährlich wiederkehrt, um nachts auf wundersame Weise die Kinder zu beschenken.

"Magische Symbolgestalten sind wichtig für Kinder"

Der Schweizer Theologe und Pädagoge Anton A. Bucher meint, Erwachsene müssten kein schlechtes Gewissen haben, wenn sie den Glauben der Kinder an diese Mär jedes Jahr aufs Neue nähren. "Das ist einfach unerhört wichtig, dass Kinder diese magischen Symbolgestalten erleben können, Christkind, Nikolaus oder den Mann im Mond", so Bucher.

Den Stiefel rausstellen, gemeinsam singen, ein Gedicht aufsagen für den Nikolaus, sich über seine Geschenke freuen. Die Rituale rund um solche Symbolgestalten bereichern, sagt Bucher, nicht nur, weil sie die Phantasie von Kindern anregen. Auch deshalb, weil sie Heimat, Geborgenheit und Identität stiften – ganz unabhängig davon, ob eine Familie religiös ist oder nicht.

"Rituale stiften nicht nur Gemeinschaft, sie vermitteln auch Verhaltenssicherheit. Ich weiß, wie ich mich in bestimmten Situationen zu verhalten habe und sie strukturieren die Zeit. Das habe ich bei meinen Kindern gesehen: Wie oft müssen wir noch schlafen bis das Christkind kommt? Das vermittelt Halt, Orientierung und Sinn." Anton A. Bucher

Erzieherin Jessica Kuttner sieht noch einen weiteren Aspekt. Über Figuren wie den Nikolaus könne man Kindern Werte vermitteln. Eher Angst machende Geschichten von artigen und bösen Kindern, Knecht Ruprecht oder Krampus, brauche es dafür gar nicht. "Der Nikolaus hat an sich schon eine natürlich Autorität. Er steht ganz klar für das Gute, für Gerechtigkeit, für Geschenke." Der Glaube an das Gute sei bei Kindern stark ausgeprägt, so Kuttner, "und ich finde, das ist eine wichtige Botschaft, dass Kinder sich das möglichst lange erhalten sollen, zu glauben."