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Warum der Verzicht auf einen Oscar-Moderator eine gute Idee ist | BR24

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Am 25. Februar (MEZ) werden heuer die Oscars verliehen.

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Warum der Verzicht auf einen Oscar-Moderator eine gute Idee ist

Erstmals seit 30 Jahren wird die Oscar-Verleihung keinen Moderator haben. Eine gute Entscheidung, denn in Zeiten von Streamingdiensten und Zuschauerschwund muss die Veranstaltung sich neu erfinden. Ein Kommentar.

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Die Oscars haben heuer keinen Moderator. So what? Nach dem Kevin-Hart-Hin-und-Her zogen die Verantwortlichen der Academy Awards offenbar die Reißleine. Gut so! Denn an die Grandezza von Dauerpresenter Billy Crystal oder den trockenen Humor von Jon Stewart kommt eh keiner ran. Jimmy Kimmel wollte nach zwei Auftritten nicht mehr. Die wunderbaren Ellen DeGeneres oder Whoopi Goldberg gehören einer anderen Generation an.

Die Oscars haben ein Problem – und das ist über Jahre gewachsen. Der Goldjunge hat Staub angesetzt. Vorbei die Zeiten, in denen der Preisregen etwa von "Titantic" DAS globale Ereignis war. Stetig sinkende Zuschauerzahlen (von 2014 bis 2018 halbierte sich die Quote!), Gender- und Rassismusdiskussionen, dazu die Panne 2017 mit dem falschen Gewinnerfilm. Zwischenzeitlich versuchte man die Anzahl der besten Filme auf zehn Nominierungen aufzublasen – half auch nichts! Die Oscars müssen sich in Zeiten des weltweiten Kinozuschauerschwunds, dem Aufstieg der Streamingdienste und einer sich kontinuierlich verändernden Medienwelt neu erfinden.

Heute regiert die kalte Content-Fortsetzungsmaschinerie

Die weltweite jüngere Zielgruppe steht immer mehr auf serielles Erzählen und hat zudem ein sehr diversifiziertes Userverhalten, das mit dem klassischen, herkömmlichen Kinogänger älteren Baujahrs wenig zu tun hat. Dazu kommen hausgemachte Probleme der US-Studiowelt, die in ihren Abstrahlungen auch ein düsteres Licht auf die Oscars werfen. In Hollywood regieren die Marken, Filme sind immer mehr zu einem weltweiten Geschäft geworden, bei dem es um den maximalen Gewinn geht.

Gewinn war im Show-Business schon immer das ausschlaggebende Argument, aber die Zeiten eines "New Hollywood" oder arthousefreundlicher Studiooutlets sind längst Geschichte. Heute regiert die kalte Content-Fortsetzungsmaschinerie, bei der die einstmals so prägenden Stars zusehends in den Hintergrund geraten. Ob im Marvel-Universum, bei Disney oder Star Wars: die Darsteller*innen heute haben ein kürzeres mediales Verfallsdatum, die Maschine Hollywood braucht keine/n jahrzehntelang aufgebaute/n Tom Cruise, Arnold Schwarzenegger oder Sharon Stone mehr.

Und dann diese Länge der Show! Dreieinhalb Stunden samt Werbeblöcken waren bei den Oscars keine Seltenheit. Insofern ist die Entscheidung der Academy, 2019 nach 30 Jahren wieder einmal ohne Moderator anzutreten durchaus zu begrüßen. Und wenn dann noch, neben Alfonso Cuarons "Roma", ein clever konzipierter, zeitgemäßer Ensemblefilm wie "Black Panther" abräumt, dann würde der Goldjunge Oscar und seine Gala wieder ein bisschen aufpoliert. Zeit wird es!

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Sause ohne Gastgeber - Oscars ohne Host

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